Die meisten merken nichts. Behandelt wird nur, wenn sie schmerzt, wenn der Hoden im Wachstum zurückbleibt, oder wenn ein Kinderwunsch besteht und das Spermiogramm auffällig ist.
Beim Eingriff werden die erweiterten Venen unterbunden. Unter dem Mikroskop gelingt das am genauesten, mit den wenigsten Rückfällen.
Ob sich die Fruchtbarkeit danach bessert, lässt sich nicht versprechen. Bei einem Teil der Männer verbessern sich die Werte, bei anderen nicht.
Eine Varikozele wird nicht deshalb operiert, weil sie im Ultraschall zu sehen ist. Sinnvoll ist der Eingriff bei anhaltenden Beschwerden, bei Kinderwunsch mit auffälligem Spermiogramm und tastbarer Varikozele, sowie bei Jugendlichen, deren betroffener Hoden im Wachstum zurückbleibt.
Nicht operiert wird eine Varikozele, die nur im Ultraschall auffällt, und eine beschwerdefreie ohne Kinderwunsch.

Das Ziel ist bei allen dasselbe: die erweiterten Venen zu unterbrechen, ohne die Hodenschlagader, die Lymphgefäße und den Samenleiter zu verletzen. Die Verfahren unterscheiden sich darin, wie gut das gelingt.
Wenn Sie die Wahl haben und Kinderwunsch besteht, ist das mikrochirurgische Verfahren die begründete erste Wahl. Es erfordert Erfahrung und wird nicht in jeder Klinik angeboten, weshalb die Frage nach der jährlichen Fallzahl berechtigt ist.
Vier Punkte gehören ins Vorgespräch, und drei davon werden häufig übersehen.
Ist die Indikation wirklich gegeben? Bei Kinderwunsch sollte mindestens ein aktuelles Spermiogramm vorliegen, besser zwei im Abstand von einigen Wochen, weil die Werte natürlicherweise stark schwanken.
Wurde die Partnerin mit abgeklärt? Bei unerfülltem Kinderwunsch liegt die Ursache in etwa der Hälfte der Fälle bei beiden Partnern. Eine Varikozelektomie ohne gynäkologische Abklärung setzt am falschen Ende an.
Welches Verfahren wird angeboten? Fragen Sie ausdrücklich, ob mikrochirurgisch mit Operationsmikroskop gearbeitet wird und wie viele solcher Eingriffe das Zentrum pro Jahr durchführt.
Blutverdünner und Vorerkrankungen. Wie vor jedem Eingriff.
Im Samenstrang verlaufen auf engstem Raum die erweiterten Venen, die verschlossen werden sollen, daneben die Hodenarterie, die Lymphgefäße und der Samenleiter. Alle drei letzteren müssen erhalten bleiben.
Ohne Vergrößerung sind die feinen Lymphgefäße kaum von kleinen Venen zu unterscheiden. Werden sie mitverschlossen, staut sich Lymphflüssigkeit, und es entsteht ein Wasserbruch, die häufigste Komplikation der älteren Verfahren.
Unter dem Operationsmikroskop lassen sich Arterie und Lymphgefäße sicher identifizieren und schonen, während sämtliche Venen erfasst werden. Daraus ergeben sich die beiden Vorteile der mikrochirurgischen Technik: die niedrigste Rückfallrate und die niedrigste Rate an Wasserbrüchen.
Nach dem Eingriff verschwindet der Tastbefund in aller Regel innerhalb weniger Wochen. Das ist ein gutes Zeichen, aber nicht das eigentliche Ziel.
Gemessen wird der Erfolg an dem, weswegen operiert wurde. Bei Schmerzen an deren Rückgang, meist innerhalb von zwei bis drei Monaten. Bei Kinderwunsch am Spermiogramm, frühestens nach drei, besser nach sechs Monaten, weil die Reifung einer Samenzelle etwa zweieinhalb Monate dauert. Bei Jugendlichen am Aufholwachstum des betroffenen Hodens, das im Ultraschall über ein bis zwei Jahre verfolgt wird.
Eine realistische Erwartung gehört dazu: Die Spermienwerte verbessern sich bei einem erheblichen Teil, aber nicht bei allen, und eine Schwangerschaft ist damit nicht garantiert. Der Eingriff verbessert die Ausgangslage, er ersetzt keine reproduktionsmedizinische Beratung.
Der Eingriff dauert je nach Verfahren etwa 45 bis 90 Minuten und erfolgt meist ambulant. Am selben Tag können Sie nach Hause, in der Regel begleitet.
Für die ersten ein bis zwei Wochen gilt körperliche Schonung: kein schweres Heben, kein Sport, kein Radfahren. Ein stützender Slip und Kühlung lindern die Schwellung. Leichte Schwellung und Blutergüsse am Hodensack sind normal und bilden sich über zwei bis drei Wochen zurück. Zurück in einen Bürojob geht es meist nach wenigen Tagen.
Zwei Dinge sind wichtig, damit die Erwartung stimmt.
Es dauert. Die Bildung einer Spermienzelle braucht etwa zweieinhalb Monate. Eine Verbesserung im Spermiogramm zeigt sich deshalb frühestens nach drei Monaten, sinnvoll ist eine Kontrolle nach drei und nach sechs Monaten. Wer nach vier Wochen misst, misst zu früh.
Es wirkt nicht bei allen. Bei einem erheblichen Teil der Operierten verbessern sich die Spermienwerte, bei einem anderen Teil nicht. Eine Garantie für eine Schwangerschaft gibt es nicht, und der Eingriff ersetzt keine reproduktionsmedizinische Beratung, sondern ergänzt sie.
Bei Schmerzen als Operationsgrund berichtet die Mehrheit über eine deutliche Besserung, wobei ein Teil der Beschwerden bestehen bleiben kann.
Der Eingriff gilt als risikoarm. Die drei relevanten Punkte sind ein Rückfall durch übersehene Venen, ein Wasserbruch durch verletzte Lymphgefäße, und sehr selten eine Schädigung der Hodenschlagader. Alle drei sind beim mikrochirurgischen Vorgehen am seltensten, weil die Vergrößerung genau diese Strukturen sichtbar macht.
Leichte Bewegung nach wenigen Tagen, Sport mit Erschütterung oder Belastung der Bauchdecke nach zwei bis drei Wochen. Radfahren belastet die Region besonders und sollte am längsten warten. Ihr Operateur gibt Ihnen den konkreten Zeitpunkt.
Frühestens drei Monate nach der Operation, besser mit einer zweiten Kontrolle nach sechs Monaten. Der Grund ist die Reifungszeit der Spermien von etwa zweieinhalb Monaten. Eine frühere Messung sagt nichts über den Erfolg aus.
Ja, wenn kleine Venenäste übersehen wurden. Beim mikrochirurgischen Vorgehen ist das selten, bei der Verödung über einen Katheter häufiger. Ein Rückfall lässt sich in der Regel erneut behandeln.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2024.
Reviews
• Jensen, C. F. S. et al. Varicocele and male infertility. Nature Reviews Urology, 2017;14(9):523-533. PMID 28675168