Zwei Situationen sind zu unterscheiden. Sind die Samenwege verschlossen, werden fast immer Zellen gefunden, in über 95 von hundert Fällen. Ist die Bildung gestört, liegt die Chance bei etwa der Hälfte.
Bei gestörter Bildung wird die Mikro-TESE eingesetzt: Unter dem Mikroskop werden gezielt die Kanälchen ausgesucht, die noch aktiv aussehen.
Gefundene Zellen werden eingefroren und später für eine künstliche Befruchtung verwendet. Der Eingriff wird deshalb mit der Kinderwunschpraxis abgestimmt.
Finden sich im Ejakulat keine Spermien, spricht man von Azoospermie. Betroffen ist etwa einer von hundert Männern und etwa jeder zehnte mit unerfülltem Kinderwunsch.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Spermien gebildet werden. Bei der TESE, der testikulären Spermienextraktion, wird Hodengewebe entnommen und darin nach Samenzellen gesucht. Werden welche gefunden, lassen sie sich einfrieren und später für eine Injektion in die Eizelle verwenden.
Unterschieden werden beide vor dem Eingriff anhand von Hodenvolumen, FSH-Wert und Vorgeschichte. Ein normales Hodenvolumen mit normalem FSH spricht für einen Verschluss, kleine Hoden mit hohem FSH für eine Bildungsstörung.
Bei der klassischen TESE werden an mehreren Stellen kleine Gewebeproben entnommen, im Grunde blind.
Bei der Mikro-TESE wird der Hoden unter dem Operationsmikroskop bei zwanzig- bis fünfundzwanzigfacher Vergrößerung eröffnet. Dabei lassen sich Samenkanälchen unterscheiden: Erweiterte, milchig wirkende Kanälchen enthalten deutlich häufiger Spermien als dünne, durchsichtige. Der Operateur entnimmt gezielt aus den aussichtsreichen Bereichen.
Der Vorteil ist doppelt: Die Erfolgsrate ist bei Bildungsstörungen höher, und es wird weniger Gewebe entfernt, was den Testosteronhaushalt schont.
Drei Untersuchungen gehören dazu, und alle drei beeinflussen die Entscheidung.
Hormonwerte, insbesondere FSH und Testosteron. Bei niedrigem Testosteron kann eine hormonelle Vorbehandlung über einige Monate die Aussichten verbessern.
Genetische Untersuchung mit Chromosomenanalyse und Suche nach Verlusten auf dem Y-Chromosom. Dieser Punkt ist entscheidend: Bei bestimmten Verlusten sind praktisch nie Spermien zu finden, und der Eingriff erübrigt sich. Bei anderen genetischen Befunden ist die Aussicht gut, aber es gehört eine Beratung zu möglichen Folgen für ein Kind dazu.
Abstimmung mit dem Kinderwunschzentrum, weil die gewonnenen Zellen sofort verarbeitet und eingefroren werden müssen. Der Eingriff wird deshalb nicht isoliert geplant.

Durchgeführt wird er in Narkose und dauert je nach Verfahren dreißig Minuten bis über zwei Stunden. Über einen Schnitt am Hodensack wird der Hoden freigelegt und eröffnet, das Gewebe entnommen und noch im Operationssaal von einem Labor untersucht.
Werden Spermien gefunden, werden sie eingefroren. Das ist wichtig, weil sich die Entnahme dann nicht mit dem Zyklus der Partnerin abstimmen muss und mehrere Versuche aus einer Entnahme möglich sind.
Nach dem Eingriff sind Schwellung und Druckgefühl für ein bis zwei Wochen normal. Ein enger Slip lindert das deutlich. Schonung für etwa zwei Wochen, Sport nach drei bis vier.
Das kommt bei Bildungsstörungen in etwa der Hälfte der Fälle vor und ist die schwerste Nachricht dieses Weges. Ein zweiter Versuch ist möglich, sollte aber mindestens sechs Monate später und an einem erfahrenen Zentrum erfolgen.
Bleibt es dabei, stehen Samenspende und Adoption als Wege offen. Beides gehört früh und ohne Druck angesprochen, damit ein Paar Zeit hat, sich damit auseinanderzusetzen, statt erst nach dem gescheiterten zweiten Versuch davon zu hören.
Bei verschlossenen Samenwegen werden praktisch immer Spermien gefunden, über 95 Prozent. Ist die Spermienbildung gestört, liegt die Chance insgesamt bei etwa 50 Prozent. Sie hängt aber stark vom feingeweblichen Befund ab:
Nicht vorhersagen lässt sich der Erfolg aus FSH-Wert, Hodengröße oder Testosteron allein; auch Männer mit sehr hohem FSH und sehr kleinen Hoden haben eine Chance. Eine Ausnahme sind bestimmte Mikrodeletionen auf dem Y-Chromosom (AZFa und AZFb), bei denen keine Spermien zu erwarten sind und deshalb von einem Eingriff abgeraten wird. Deshalb gehört die genetische Untersuchung vor jede TESE. Nach Chemotherapie sollte mindestens zwei Jahre gewartet werden, weil sich die Spermienbildung erholen kann.
Gewonnene Spermien werden eingefroren und später für die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) verwendet, bei der ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht wird. Die Partnerin durchläuft dafür eine Hormonstimulation und Eizellentnahme. Die Befruchtungsrate mit Hodenspermien liegt bei 50 bis 60 Prozent pro Eizelle, die Schwangerschaftsrate pro Versuch bei 30 bis 40 Prozent, abhängig vor allem vom Alter der Frau. Oft sind zwei bis drei Versuche nötig. Kinder nach TESE und ICSI sind nach den vorliegenden Daten so gesund wie andere Kinder nach künstlicher Befruchtung; bei genetischen Ursachen der Azoospermie wird eine humangenetische Beratung empfohlen, weil sie an Söhne weitergegeben werden können.
Die Kosten sind erheblich. Die TESE selbst wird von den gesetzlichen Kassen übernommen, die ICSI zu 50 Prozent bei verheirateten Paaren, für drei Versuche, mit Altersgrenzen von 25 bis 40 Jahren bei der Frau und 25 bis 50 beim Mann. Einige Bundesländer und Kassen zahlen Zuschüsse darüber hinaus. Ein Versuch kostet ohne Zuschuss 4.000 bis 6.000 Euro. Das Einfrieren der Spermien über Jahre kostet zusätzlich etwa 300 Euro im Jahr und wird selten erstattet.
Bei einem Verschluss der Samenwege praktisch hundert Prozent. Bei einer Bildungsstörung liegt die Rate an gewonnenen Spermien mit der Mikro-TESE bei etwa der Hälfte, abhängig von der Ursache. Die Erfahrung des Operateurs beeinflusst das Ergebnis erheblich.
Die Kostenübernahme ist in Deutschland uneinheitlich geregelt und unterscheidet sich zwischen den Kassen und je nachdem, ob der Eingriff der Diagnostik oder der Kinderwunschbehandlung zugerechnet wird. Klären Sie das vorher schriftlich, einschließlich der Kosten für die Lagerung der eingefrorenen Proben.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) et al. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung. AWMF-Register-Nr. 015-085.