Nicht normal sind Bakterien im Urin, auch ohne Beschwerden. Anders als sonst werden sie in der Schwangerschaft behandelt, weil daraus eine Nierenbeckenentzündung und eine Frühgeburt entstehen können.
Deshalb wird der Urin bei den Vorsorgeterminen regelmäßig untersucht. Nehmen Sie diese Termine wahr, auch wenn Sie sich gut fühlen.
Fieber mit Flankenschmerz sollte sofort abgeklärt werden. In der Schwangerschaft ist das kein Fall zum Abwarten.
In der Schwangerschaft wird jeder Harnwegsinfekt behandelt, auch ohne Beschwerden. Aus einer Nierenbeckenentzündung kann eine Frühgeburt werden.
Kaum ein Organsystem verändert sich in der Schwangerschaft so stark wie die Harnwege, und kaum eines wird so selten erklärt. Häufiger Harndrang, eine im Ultraschall erweiterte Niere, Bakterien im Urin ohne Beschwerden: Vieles davon ist normal, manches muss behandelt werden, und die Unterscheidung entscheidet über die Gesundheit von Mutter und Kind. Dieser Ratgeber ordnet ein.
Drei Dinge geschehen gleichzeitig. Das Hormon Progesteron entspannt die glatte Muskulatur, auch die der Harnleiter und der Blase; der Urin fließt langsamer, die Harnleiter werden weiter. Die wachsende Gebärmutter drückt auf Blase und Harnleiter, rechts stärker als links, weil sie sich meist nach rechts dreht. Und die Nieren arbeiten um 50 Prozent mehr, um das größere Blutvolumen zu filtern, sodass mehr Urin entsteht. Die Folge ist ein Harntrakt, der weiter, langsamer und voller ist als sonst, und genau das begünstigt Infekte, Stau und Steine.
Die gute Nachricht: Fast alles davon bildet sich innerhalb von sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt zurück. Die Aufgabe während der Schwangerschaft ist, die behandlungsbedürftigen Probleme von den normalen Veränderungen zu trennen und sie ohne Risiko für das Kind zu behandeln.
Bei 2 bis 10 Prozent aller Schwangeren finden sich in der Urinkultur Bakterien in relevanter Menge, ohne dass Beschwerden bestehen. Außerhalb der Schwangerschaft wird das nicht behandelt. In der Schwangerschaft ist es anders: Unbehandelt entwickelt etwa jede dritte dieser Frauen eine Nierenbeckenentzündung, weil die weiten, langsamen Harnleiter den Bakterien den Weg nach oben ebnen. Nierenbeckenentzündungen erhöhen das Risiko für Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht. Deshalb sieht die Mutterschaftsvorsorge eine Urinuntersuchung bei jedem Termin vor, und die Leitlinien empfehlen eine Urinkultur im ersten Trimenon und die Behandlung jeder nachgewiesenen Bakteriurie.
Behandelt wird mit einem Antibiotikum über vier bis sieben Tage nach Antibiogramm, gefolgt von einer Kontrollkultur. Der Teststreifen allein reicht zum Ausschluss nicht, weil er bei Schwangeren häufiger falsch negativ ist; entscheidend ist die Kultur.
Eine Blasenentzündung mit Brennen, Drang und Schmerzen über dem Schambein wird in der Schwangerschaft immer mit Antibiotika behandelt, nicht nur mit Schmerzmitteln und Trinken wie bei anderen Frauen, und immer mit einer Urinkultur vorher. Als sicher in allen Phasen gelten Penicilline wie Amoxicillin, Cephalosporine wie Cefuroxim oder Cefpodoxim und Fosfomycin als Einmalgabe. Nitrofurantoin ist im zweiten Trimenon möglich, wird aber kurz vor der Geburt wegen eines Risikos für das Neugeborene vermieden. Nicht verwendet werden Fluorchinolone wie Ciprofloxacin, Tetrazykline und Cotrimoxazol im ersten und letzten Trimenon.
Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost, Flankenschmerz und Klopfschmerz über der Niere bedeuten eine Nierenbeckenentzündung. Sie tritt bei ein bis zwei Prozent der Schwangeren auf, meist rechts und meist im zweiten oder dritten Trimenon, und wird in der Regel stationär mit Antibiotika über die Vene behandelt, bis die Schwangere 48 Stunden fieberfrei ist. Danach folgt eine Tablettentherapie über zehn bis 14 Tage und für den Rest der Schwangerschaft eine niedrig dosierte Vorbeugung. Fieber in der Schwangerschaft ist deshalb kein Grund zum Abwarten, sondern zum Anruf in der Klinik, auch nachts.
Ab dem zweiten Trimenon zeigt der Ultraschall bei bis zu 90 Prozent der Schwangeren eine Erweiterung des rechten Nierenbeckens, bei etwa zwei Dritteln auch links. Das ist die physiologische Hydronephrose der Schwangerschaft, verursacht durch Progesteron und den Druck der Gebärmutter, und sie ist kein Grund zur Sorge: Sie macht keine Beschwerden, die Nierenfunktion bleibt normal, und sie verschwindet nach der Geburt. Behandelt wird sie nicht.
Anders ist es, wenn die Erweiterung Beschwerden macht: kolikartige Flankenschmerzen, die im Liegen auf der betroffenen Seite zunehmen und auf der anderen Seite nachlassen, Übelkeit, Fieber oder Blut im Urin. Dann kann ein echter Stau vorliegen, etwa durch einen Stein oder bei Zwillingen durch stärkeren Druck. Die Unterscheidung gelingt mit Ultraschall, Urinuntersuchung und Nierenwerten; ein CT wird vermieden, ein MRT ohne Kontrastmittel ist möglich. Bei schmerzhaftem Stau oder Infekt wird die Niere mit einer Harnleiterschiene oder einer Nierenfistel entlastet, die bis zur Geburt liegen bleibt und in der Schwangerschaft häufiger gewechselt werden muss, weil sie schneller verkrustet.
Etwa eine von 1.500 Schwangerschaften ist von einem Steinleiden betroffen, meist im zweiten und dritten Trimenon. Die Schwangerschaft begünstigt Steine, weil mehr Kalzium ausgeschieden wird und der Urin langsamer fließt, zugleich schützt sie durch vermehrtes Citrat und Magnesium; insgesamt treten Steine nicht häufiger auf als sonst, aber sie sind schwieriger zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Kolik wird leicht mit Wehen, einer Nierenbeckenentzündung oder der physiologischen Erweiterung verwechselt.
Die Diagnose beginnt mit Ultraschall, der Steine in der Niere zeigt, Harnleitersteine aber oft nicht; das MRT hilft bei Unklarheit, ein Niedrigdosis-CT nur in Ausnahmefällen nach dem ersten Trimenon. Zur Schmerztherapie sind Paracetamol und in begrenztem Umfang Metamizol möglich, Diclofenac und Ibuprofen ab der 28. Woche nicht mehr, weil sie die Kindsgefäße beeinflussen. Etwa zwei Drittel der Steine gehen von selbst ab. Bei Fieber, Einzelniere, anhaltenden Schmerzen oder Stau wird entlastet, entweder mit einer Harnleiterschiene bis zur Geburt oder zunehmend mit einer Harnleiterspiegelung und Laserzerkleinerung, die in erfahrenen Händen in jedem Trimenon sicher ist. Die Stoßwellentherapie ist in der Schwangerschaft verboten.
| Wirkstoff | In der Schwangerschaft | Hinweis |
|---|---|---|
| Amoxicillin, Ampicillin | möglich in allen Phasen | Mittel der ersten Wahl, zunehmende Resistenzen |
| Cefuroxim, Cefpodoxim | möglich in allen Phasen | gut wirksam, auch bei Nierenbeckenentzündung |
| Fosfomycin | möglich in allen Phasen | Einmalgabe bei Blasenentzündung |
| Nitrofurantoin | zweites Trimenon möglich | kurz vor der Geburt vermeiden |
| Cotrimoxazol | nur zweites Trimenon | im ersten und dritten Trimenon vermeiden |
| Ciprofloxacin, Levofloxacin | nicht verwenden | Knorpelschäden beim Kind möglich |
| Doxycyclin | nicht verwenden | Zahn- und Knochenschäden beim Kind |
Häufiger Harndrang im ersten Trimenon entsteht durch die größere Urinmenge und den Druck der noch im Becken liegenden Gebärmutter, im dritten Trimenon durch das Kindsgewicht auf der Blase. Bis zu 50 Prozent der Schwangeren verlieren im letzten Drittel beim Husten, Niesen oder Lachen Urin, weil Beckenboden und Bindegewebe hormonell weicher werden und das Gewicht drückt. Beides ist normal und bildet sich meist zurück. Nächtliches Wasserlassen gehört dazu und lässt sich durch weniger Trinken am Abend etwas begrenzen, die Gesamttrinkmenge von zwei Litern sollte aber eingehalten werden, schon zum Infektschutz.
Beckenbodentraining in der Schwangerschaft ist nachweislich wirksam: Frauen, die ab der Mitte der Schwangerschaft trainieren, haben nach der Geburt seltener Inkontinenz, das zeigen Cochrane-Analysen. Ein angeleiteter Kurs oder eine Physiotherapieverordnung lohnt sich vor allem bei ersten Schwangerschaften, großem Kind oder Inkontinenz schon in der Schwangerschaft. Nach der Geburt beginnt die Rückbildung nach sechs bis acht Wochen; Urinverlust, der nach drei Monaten noch besteht, sollte urologisch oder in der Urogynäkologie abgeklärt werden, nicht abgewartet.
In den ersten Tagen nach der Entbindung, besonders nach Periduralanästhesie, Kaiserschnitt oder Dammschnitt, kann die Blase vorübergehend nicht richtig entleert werden; Hebammen achten deshalb auf den ersten Toilettengang und den Restharn, bei Bedarf wird einmal katheterisiert. Blasenentzündungen sind im Wochenbett häufig, auch durch Katheter unter der Geburt, und werden ebenso mit Antibiotika behandelt, die beim Stillen erlaubt sind, darunter Penicilline, Cephalosporine und Fosfomycin.
Die erweiterten Nieren normalisieren sich innerhalb von sechs bis zwölf Wochen; eine Schiene oder Nierenfistel aus der Schwangerschaft wird nach der Geburt entfernt und der Stein dann endgültig behandelt. Wer in der Schwangerschaft eine Nierenbeckenentzündung hatte, sollte nach der Geburt eine Ultraschallkontrolle und bei wiederholten Infekten eine urologische Abklärung bekommen, weil in manchen Fällen eine Fehlbildung oder ein Reflux zugrunde liegt.
Diese Fragen helfen, das Gespräch zu strukturieren. Über die Druckfunktion können Sie die Liste mitnehmen.
Die in der Schwangerschaft verwendeten Antibiotika wie Penicilline, Cephalosporine und Fosfomycin sind seit Jahrzehnten im Einsatz und gelten als sicher. Ein unbehandelter Infekt mit Nierenbeteiligung schadet dem Kind deutlich mehr als das Medikament. Die Datenbank embryotox.de der Charité gibt Auskunft zu jedem Wirkstoff.
Beides ist unschädlich, die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend belegt, und beides ersetzt bei nachgewiesenen Bakterien nicht das Antibiotikum. Viel trinken, nach dem Sex Wasser lassen und den Urin bei jedem Vorsorgetermin kontrollieren lassen sind wirksamer.
Ultraschall jederzeit, MRT ohne Kontrastmittel ebenfalls. Röntgen und CT werden vermieden, ein Niedrigdosis-CT ist nach dem ersten Trimenon in begründeten Einzelfällen möglich; die Dosis liegt dann weit unter der Schwelle für kindliche Schäden.
Bei den meisten Frauen bildet sie sich innerhalb von drei bis sechs Monaten zurück, vor allem mit Rückbildung und Beckenbodentraining. Etwa jede vierte Frau, die nach der Geburt noch Urin verliert, hat es auch nach einem Jahr; dann ist eine Abklärung sinnvoll, weil Physiotherapie, Pessar und später Operationen gut helfen.
Leitlinien
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 043-044, Langversion 3.0, 2024.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2024.
• Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses, aktuelle Fassung.
Studien
• Smaill FM, Vazquez JC. Antibiotics for asymptomatic bacteriuria in pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019;11:CD000490.
• Woodley SJ et al. Pelvic floor muscle training for preventing and treating urinary and faecal incontinence in antenatal and postnatal women. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020;5:CD007471.
Reviews
• Semins MJ, Matlaga BR. Kidney stones during pregnancy. Nature Reviews Urology 2014;11(3):163-168. PMID 24515090
• Embryotox, Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin, embryotox.de.