Pessar ist ein Hilfsmittel aus weichem Silikon, das in die Scheide eingelegt wird und Blase, Gebärmutter oder Enddarm von unten stützt. Es behandelt Beckenorgansenkung und Belastungsinkontinenz ohne Operation und ist nach den Leitlinien eine gleichwertige Erstbehandlung, keine Notlösung für Frauen, die nicht operiert werden können.
Formen: Ringpessare sind am häufigsten, leicht einzusetzen und für Senkungen ersten bis dritten Grades geeignet. Würfelpessare haften durch Unterdruck und halten auch stärkere Senkungen, müssen aber täglich entfernt werden. Schalen- und Siebschalenpessare eignen sich bei zusätzlicher Inkontinenz. Urethrapessare mit einer Verdickung unter der Harnröhre sind speziell für Belastungsinkontinenz, etwa beim Sport. Die Größe wird in der Praxis angepasst, oft sind zwei bis drei Versuche nötig.
Anwendung: Viele Frauen lernen, das Pessar selbst einzusetzen und abends zu entfernen, ähnlich einem Tampon; dann reicht eine jährliche Kontrolle. Bleibt es dauerhaft liegen, wird es alle sechs bis zwölf Wochen in der Praxis gewechselt und gereinigt. Lokale Östrogene als Creme schützen die Schleimhaut vor Druckstellen, vor allem nach den Wechseljahren. Sex ist mit Ringpessar möglich, mit Würfelpessar nach Entfernung.
Ergebnisse: Etwa zwei Drittel der Frauen, die ein Pessar ausprobieren, nutzen es nach einem Jahr weiter und berichten eine deutliche Besserung von Senkungsgefühl, Blasenentleerung und Lebensqualität. Probleme sind vermehrter Ausfluss, Druckstellen, selten Blutungen und das Herausrutschen bei zu kleiner Größe. Ein vergessenes Pessar kann einwachsen, weshalb die Wechselintervalle eingehalten werden müssen. Das Pessar ist Kassenleistung.