Lexikon

Deszensus

Deszensus, auch Descensus genitalis oder Beckenorgansenkung, bezeichnet das Tiefertreten von Blase, Gebärmutter, Scheide oder Enddarm in Richtung Scheideneingang, weil Bänder und Beckenboden nachgegeben haben. Tritt ein Organ sichtbar vor den Scheideneingang, spricht man von Prolaps. Bei bis zur Hälfte aller Frauen über 50 lässt sich eine Senkung feststellen, aber nur etwa jede zehnte hat Beschwerden.

Formen: Zystozele: Senkung der Blase über die vordere Scheidenwand, die häufigste Form. Rektozele: Senkung des Enddarms über die hintere Scheidenwand. Uterusprolaps: Tiefertreten der Gebärmutter. Scheidenstumpfprolaps: Senkung des Scheidenendes nach Entfernung der Gebärmutter. Enterozele: Dünndarmschlingen drücken das obere Scheidenende nach unten. Meist sind mehrere Ebenen gleichzeitig betroffen. Das POP-Q-System misst die Senkung in Zentimetern zum Scheideneingang und teilt sie in vier Grade ein.

Beschwerden: Druck- und Fremdkörpergefühl, das im Tagesverlauf zunimmt, tastbarer oder sichtbarer Vorfall, Rückenschmerzen, erschwertes oder unvollständiges Wasserlassen, Belastungs- oder Dranginkontinenz, Stuhlentleerungsstörung mit Nachhelfen per Hand, Schmerzen oder Luftgeräusche beim Sex. Eine ausgeprägte Senkung kann die Harnröhre abknicken und dadurch eine Inkontinenz verdecken, die nach der Korrektur auftritt.

Behandlung: Ohne Beschwerden keine Behandlung. Bei leichten Formen Beckenbodentraining, Gewichtsabnahme, Stuhlregulierung, lokale Östrogene. Das Pessar, ein Silikonring oder -würfel in der Scheide, stützt die Organe und ist für viele Frauen eine dauerhafte Lösung. Bei erheblichen Beschwerden die operative Beckenbodenrekonstruktion: Raffung des Eigengewebes, Fixierung am Kreuzbeinband, Aufhängung am Kreuzbein mit Netzband oder gezielter Bandersatz, mit oder ohne Erhalt der Gebärmutter. Etwa ein Drittel der operierten Frauen braucht im Lauf des Lebens einen zweiten Eingriff.

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Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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