Erkrankung

Beckenbodenschmerzen: wenn der Schmerz keinen Namen hat

Dauerschmerz im Becken, Damm oder Unterbauch, oft ohne auffÀlligen Befund. Was dahinterstecken kann und welche Behandlung heute empfohlen wird.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachĂ€rztliche EinzelprĂŒfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
Diese Zeichen sind ein Notfall, kein Beckenbodenproblem.Sofort in die Notaufnahme bei:
  • Taubheit im Bereich von Genitale, Damm oder GesĂ€ĂŸ
  • neu aufgetretener unwillkĂŒrlicher Urin- oder Stuhlabgang
  • Blase lĂ€sst sich trotz starkem Drang nicht entleeren
  • zunehmende SchwĂ€che oder Taubheit in den Beinen
Diese Kombination kann auf eine Einklemmung der Nervenwurzeln im unteren Wirbelkanal hinweisen. Sie muss innerhalb von Stunden behandelt werden.Im Zweifel 112 oder die nÀchste Notaufnahme.
In einfachen WortenDer Beckenboden ist eine Muskelplatte, die Blase, Darm und beim Mann die Prostata trÀgt. Wie jeder Muskel kann er verspannen, und dann schmerzt er.Weiterlesen

Typisch ist ein Schmerz, der schwer zu zeigen ist: tief im Becken, am Damm, manchmal in den Hoden oder in der Scheide, oft beim Sitzen stÀrker. Untersuchungen finden hÀufig nichts, und genau das verunsichert zusÀtzlich.

Das heißt nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Muskelverspannung und gereizte Nerven sind auf Bildern nicht sichtbar, aber tastbar und behandelbar.

Was Sie tun: Beckenbodenphysiotherapie mit Entspannungsschulung ist der wichtigste Schritt, nicht Training auf Kraft. Bei Taubheit im Genital- oder GesĂ€ĂŸbereich oder wenn plötzlich Urin oder Stuhl abgehen, sofort in die Notaufnahme.

Erst durchatmen: Wer seit Monaten Schmerzen im Becken, am Damm oder im Unterbauch hat und immer wieder hört, es sei nichts zu finden, steht nicht allein da. Chronischer Beckenschmerz ist eines der hÀufigsten und zugleich am schlechtesten verstandenen Krankheitsbilder der Urologie. Dieser Artikel erklÀrt, was dahintersteckt, warum Antibiotika meist nicht helfen und welche Behandlung heute empfohlen wird.

Überblick

Von chronischem Beckenschmerz spricht man, wenn Schmerzen im Becken, am Damm, in den Genitalien, in der Blase oder im Unterbauch lĂ€nger als sechs Monate bestehen und sich weder eine Infektion noch ein Tumor noch eine andere eindeutige Ursache finden lĂ€sst. Die EuropĂ€ische Gesellschaft fĂŒr Urologie fasst diese Beschwerden als Chronic Pelvic Pain Syndrome zusammen. Beim Mann hieß das frĂŒher chronische Prostatitis, bei der Frau wird oft jahrelang zwischen GynĂ€kologie, Urologie und Gastroenterologie gependelt, bevor jemand an den Beckenboden denkt.

Gemeinsam ist vielen Betroffenen ein langer Weg: mehrere Antibiotikakuren ohne Erregernachweis, Blasenspiegelung, Ultraschall, MRT, alles unauffÀllig. Der Schmerz bleibt. Das liegt nicht daran, dass er eingebildet wÀre, sondern daran, dass er selten aus einem einzelnen Organ kommt, sondern aus dem Zusammenspiel von Muskeln, BÀndern, Nerven und Schmerzverarbeitung.

6 Monate
ab dieser Dauer gilt der Schmerz als chronisch
2 bis 16 Prozent
der MÀnner erleben im Leben prostatitisÀhnliche Beschwerden
ĂŒber 90 Prozent
der chronischen Prostatitis-FĂ€lle ohne Erregernachweis
6 Bereiche
umfasst das UPOINT-System der Behandlung
Der wichtigste Perspektivwechsel: Chronischer Beckenschmerz ist in den meisten FĂ€llen keine EntzĂŒndung, sondern eine Funktionsstörung des Beckenbodens. Antibiotika helfen nur, wenn tatsĂ€chlich Bakterien nachgewiesen sind, und das ist bei ĂŒber neun von zehn MĂ€nnern mit „Prostatitis“ nicht der Fall.

Anatomie verstehen: warum der Beckenboden schmerzen kann

Der Beckenboden ist eine mehrschichtige Muskelplatte, die das Becken nach unten abschließt. Durch sie hindurch treten Harnröhre, bei der Frau die Scheide und der Enddarm. Die Muskeln halten die Organe, verschließen die AusgĂ€nge, entspannen sich beim Wasserlassen und Stuhlgang und sind an Erektion, Orgasmus und Samenerguss beteiligt. Versorgt werden sie vom Nervus pudendus, der in einem engen Kanal seitlich am Sitzbein entlanglĂ€uft.

Wie jeder Muskel kann der Beckenboden verspannen. Anders als ein verspannter Nacken ist er aber nicht sichtbar, nicht bewusst zu fĂŒhlen und wird von den meisten Menschen nie gezielt entspannt. Eine dauerhafte Anspannung drosselt die Durchblutung, reizt die Nervenendigungen und erzeugt sogenannte Triggerpunkte, also verhĂ€rtete Muskelstellen, deren Schmerz in Damm, Hoden, Penis, Scheide, Steißbein oder Unterbauch ausstrahlt. Das erklĂ€rt, warum Schmerzen „in der Prostata“ oder „in der Blase“ empfunden werden, obwohl diese Organe gesund sind.

Die zweite Ebene sind die BĂ€nder. Die Beckenorgane hĂ€ngen an BĂ€ndern, die am Becken verankert sind; die Muskeln spannen diese BĂ€nder wie Seile. Nach Geburten, mit dem Alter oder bei schwachem Bindegewebe dehnen sich die BĂ€nder. Die Muskeln verlieren ihren Gegenhalt, ziehen ins Leere und ĂŒberlasten sich. Nach der Integraltheorie, die der australische UrogynĂ€kologe Peter Petros 1990 formulierte, erklĂ€rt das, warum Senkung, Drangbeschwerden, Entleerungsstörung und Beckenschmerz so hĂ€ufig gemeinsam auftreten.

Symptome: wie sich der Schmerz zeigt

Das Beschwerdebild ist vielfÀltig, und genau das macht die Diagnose schwer. Typisch sind:

  • Druck, Brennen oder dumpfer Schmerz am Damm, zwischen Hoden und After oder tief in der Scheide
  • Schmerzen beim oder nach dem Sitzen, Besserung im Stehen oder Liegen
  • Schmerzen wĂ€hrend oder nach dem Samenerguss, beim Geschlechtsverkehr oder beim Orgasmus
  • Brennen beim Wasserlassen ohne Infektnachweis, hĂ€ufiger Harndrang, GefĂŒhl unvollstĂ€ndiger Entleerung, abgeschwĂ€chter oder gespaltener Strahl
  • Schmerzen in Hoden, Penisspitze, Schamlippen, Steißbein, Leiste oder Unterbauch, die wandern können
  • Verstopfung, Schmerzen beim Stuhlgang, GefĂŒhl eines Fremdkörpers im Enddarm
  • Schlafstörungen, Erschöpfung, Angst und Niedergeschlagenheit als Folge des Dauerschmerzes

Die Beschwerden schwanken oft ĂŒber Wochen, verschlechtern sich unter Stress, nach langem Sitzen, Radfahren oder KĂ€lte und bessern sich im Urlaub oder in warmem Wasser. Diese Schwankungen sprechen fĂŒr eine muskulĂ€re Ursache und gegen eine Infektion, die sich nicht nach dem Kalender richtet.

Ursachen und Auslöser

Verspannter Beckenboden. Die hĂ€ufigste Ursache bei Frau und Mann. Auslöser sind langes Sitzen, Radfahren, chronischer Stress mit unbewusstem Anspannen, Verstopfung mit Pressen, Operationen und Geburten, aber auch jahrelanges „Training“ eines ohnehin zu hohen Muskeltonus.

Überdehnte BĂ€nder. Vor allem bei Frauen nach Geburten oder in den Wechseljahren. Dr. Bernhard Liedl und Kollegen haben gezeigt, dass sich bei einem Teil dieser Frauen Schmerz, Drang und Entleerungsstörung bessern, wenn die BĂ€nder operativ wieder gestrafft werden, was die Theorie stĂŒtzt, dass der Zug an ĂŒberdehnten BĂ€ndern selbst Schmerz auslöst.

Nerveneinengung. Der Nervus pudendus kann in seinem Kanal eingeengt werden, typischerweise bei Vielradfahrern, nach Beckenoperationen oder durch Narben. Leitsymptom ist ein brennender, elektrisierender Schmerz im Sitzen, der im Stehen oder auf der Toilettenbrille nachlÀsst.

Vorausgegangene Infektion oder EntzĂŒndung. Manchmal beginnt alles mit einer echten Prostatitis oder BlasenentzĂŒndung, die ausheilt, wĂ€hrend der Beckenboden in Schutzspannung bleibt. Der Schmerz bleibt dann bestehen, obwohl der Erreger lĂ€ngst weg ist.

Andere Organe. Interstitielle Zystitis, Endometriose, Reizdarm, Leistenhernien, HĂŒftgelenkserkrankungen, WirbelsĂ€ulenprobleme und Narben nach Operationen können Beckenschmerz auslösen oder unterhalten. Deshalb gehört eine grĂŒndliche AbklĂ€rung an den Anfang, auch wenn sie am Ende nichts findet.

Warnzeichen, die sofort abgeklĂ€rt gehören: Fieber und SchĂŒttelfrost, sichtbares Blut im Urin, Harnverhalt, ungewollter Gewichtsverlust, neu aufgetretene Taubheit im Genital- oder Dammbereich oder LĂ€hmungen der Beine. Diese Zeichen passen nicht zum chronischen Beckenschmerzsyndrom und brauchen eine rasche Untersuchung.

Beim Mann: die chronische Prostatitis, die keine ist

SchÀtzungen zufolge erleben 2 bis 16 Prozent aller MÀnner im Leben prostatitisÀhnliche Beschwerden, die HÀlfte davon mehrfach. Die klassische Einteilung der amerikanischen Gesundheitsbehörde unterscheidet vier Kategorien:

KategorieBezeichnungHĂ€ufigkeitKennzeichen
IAkute bakterielle Prostatitisunter 5 ProzentFieber, starke Beschwerden, Erreger nachweisbar, Antibiotikum nötig
IIChronische bakterielle Prostatitisunter 5 Prozentwiederkehrende Infekte mit demselben Keim, lÀngere Antibiotikatherapie
IIIChronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS)ĂŒber 90 ProzentSchmerz ĂŒber 3 Monate, kein Erreger, IIIa mit und IIIb ohne EntzĂŒndungszellen
IVAsymptomatische EntzĂŒndungZufallsbefundEntzĂŒndungszellen ohne Beschwerden, keine Behandlung

Die Kategorie III macht ĂŒber 90 Prozent aller FĂ€lle aus. Die Prostata ist dabei oft nur der Ort, an dem der Schmerz empfunden wird, nicht seine Quelle. Entsprechend enttĂ€uschend sind die Ergebnisse, wenn nur die Prostata behandelt wird. Eine Netzwerk-Metaanalyse im Journal of the American Medical Association mit 23 Studien und fast 2.000 Patienten kam zu dem Schluss, dass Alpha-Blocker, EntzĂŒndungshemmer und vor allem deren Kombination besser wirken als Antibiotika allein, deren Nutzen ohne Erregernachweis nicht belegt ist.

Das UPOINT-System ordnet die Beschwerden sechs Bereichen zu. Jeder Buchstabe steht fĂŒr einen davon:

  • U fĂŒr Urinsymptome
  • P fĂŒr psychosoziale Belastung
  • O fĂŒr Befunde an der Prostata
  • I fĂŒr Infektion
  • N fĂŒr neurologische Schmerzmuster
  • T fĂŒr Tenderness, also Muskelverspannung

FĂŒr jeden Bereich gibt es eine eigene Behandlung. Je mehr davon gleichzeitig angegangen werden, desto besser das Ergebnis. In Studien besserten sich so ĂŒber 70 Prozent der MĂ€nner deutlich.

Bei der Frau: Beckenboden, BĂ€nder und Schmerz

Frauen mit chronischem Beckenschmerz berichten hĂ€ufig zusĂ€tzlich ĂŒber Drangbeschwerden, nĂ€chtliches Wasserlassen, das GefĂŒhl unvollstĂ€ndiger Entleerung oder ein SenkungsgefĂŒhl. Diese Kombination ist ein Hinweis darauf, dass die Haltestrukturen des Beckens insgesamt nachgegeben haben. Eine Untersuchung auf dem gynĂ€kologischen Stuhl, bei der der Arzt die BĂ€nder gezielt abtastet und den Schmerz durch StĂŒtzen der Scheidenwand kurzzeitig lindern kann, ist hier aussagekrĂ€ftiger als jede Bildgebung.

Besondere Gruppen sind Frauen mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), Frauen mit Schmerzen nach Ă€lteren Netzoperationen und Frauen mit Schmerzen nach Geburtsverletzungen. Sie sollten in Beckenbodenzentren behandelt werden, in denen Urologie, GynĂ€kologie, Proktologie, Physiotherapie und Schmerztherapie zusammenarbeiten. Endometriose und interstitielle Zystitis mĂŒssen ausgeschlossen oder mitbehandelt werden, weil sie denselben Schmerz erzeugen können.

Diagnostik: was untersucht werden sollte

Die Diagnostik hat zwei Ziele: gefĂ€hrliche und behandelbare Ursachen ausschließen und das eigene Beschwerdemuster erfassen. Dazu gehören:

  • Ein ausfĂŒhrliches GesprĂ€ch mit einem Schmerzfragebogen, beim Mann der NIH-CPSI
  • Urinteststreifen und Urinkultur
  • Beim Mann die Tastuntersuchung der Prostata und eine Untersuchung des Beckenbodens ĂŒber den Enddarm
  • Bei der Frau die vaginale Untersuchung mit Abtasten von Muskeln und BĂ€ndern
  • Ultraschall von Nieren und Blase, dazu die Restharn-Bestimmung und eine Harnstrahlmessung

Weitere Untersuchungen kommen nur bei bestimmten Hinweisen dazu. Blasenspiegelung und Blasendruckmessung bei Drangsymptomen, Blut im Urin oder Verdacht auf eine interstitielle Zystitis. Ein MRT des Beckens bei Verdacht auf eine Nerveneinengung oder Endometriose.

Entscheidend ist die Untersuchung des Beckenbodens selbst. Ein erfahrener Untersucher findet Triggerpunkte, die den bekannten Schmerz auslösen, und erkennt, ob der Muskel entspannen kann. Diese einfache Untersuchung wird in der Praxis am hÀufigsten ausgelassen, obwohl sie den Weg zur Behandlung weist.

Behandlung: mehrgleisig und geduldig

Beckenbodenphysiotherapie steht an erster Stelle, aber anders als bei Inkontinenz: Es geht um Entspannen und Loslassen, nicht um KrĂ€ftigen. Spezialisierte Physiotherapeuten arbeiten mit Dehnung, Atmung, manueller Triggerpunktbehandlung ĂŒber Scheide oder Enddarm, Biofeedback und Übungen fĂŒr zu Hause. Ein Beckenboden, der schon verspannt ist, wird durch klassisches KrĂ€ftigungstraining schlechter. In Studien besserten sich mit dieser Behandlung 60 bis 80 Prozent der Betroffenen.

Medikamente werden nach dem Beschwerdebild gewĂ€hlt: Alpha-Blocker bei Entleerungsstörung, EntzĂŒndungshemmer ĂŒber wenige Wochen, Muskelrelaxanzien bei Verspannung, niedrig dosierte Antidepressiva oder Antikonvulsiva wie Pregabalin bei nervlich bedingtem Schmerz. Antibiotika nur bei Erregernachweis. Pflanzliche PrĂ€parate wie Quercetin oder Pollenextrakt zeigten in kleinen Studien Effekte und sind nebenwirkungsarm.

Weitere Verfahren: WĂ€rme, Akupunktur, extrakorporale Stoßwellentherapie am Damm, Injektionen in Triggerpunkte, Pudendusblockaden, Botulinumtoxin in den Beckenboden, transkutane Nervenstimulation und bei Frauen mit BĂ€nderschwĂ€che die Bandrekonstruktion. Psychologische Schmerztherapie ist kein EingestĂ€ndnis, dass der Schmerz eingebildet wĂ€re, sondern ein wirksamer Baustein gegen die Schmerzverarbeitung, die sich bei jedem chronischen Schmerz verselbstĂ€ndigt.

UPOINT-BereichTypische BefundeBehandlung
U UrinsymptomeDrang, hÀufiges Wasserlassen, schwacher StrahlAlpha-Blocker, Blasenmedikamente, Trinkverhalten
P PsychosozialKatastrophisieren, Angst, Depression, SchlafstörungSchmerzpsychotherapie, Entspannungsverfahren
O OrganbezogenDruckschmerz der Prostata, EntzĂŒndungszellenEntzĂŒndungshemmer, Pollenextrakt, Quercetin
I InfektionErregernachweis in Urin oder SekretAntibiotikum nach Antibiogramm
N NeurologischBrennen, Ausstrahlung, Allodynie, PudendusschmerzPregabalin, Amitriptylin, Nervenblockaden
T VerspannungTriggerpunkte, Schmerz bei Tastung des BeckenbodensBeckenbodenphysiotherapie, WĂ€rme, Stoßwelle, Botulinumtoxin
Realistische Erwartung: Ziel ist meist nicht Schmerzfreiheit in vier Wochen, sondern eine deutliche Besserung ĂŒber Monate. Wer nach sechs bis acht Wochen einer Maßnahme keine Änderung spĂŒrt, sollte den Ansatz wechseln oder ergĂ€nzen statt ihn zu verlĂ€ngern.

Tipps fĂŒr den Alltag

Sitzen auf einem weichen Kissen mit Aussparung in der Mitte entlastet den Damm. Radfahren pausieren oder auf einen breiten, gepolsterten Sattel ohne Nase wechseln. Warme SitzbĂ€der oder eine WĂ€rmflasche am Damm lockern die Muskulatur. Stuhlgang weich halten und nicht pressen. RegelmĂ€ĂŸige Bewegung wie Gehen, Schwimmen oder Yoga wirkt besser als Schonung. Wer merkt, dass er unter Stress den Beckenboden anspannt, kann mehrmals tĂ€glich bewusst ausatmen und den Damm „fallen lassen“. Alkohol, scharfes Essen und viel Kaffee verstĂ€rken bei manchen Betroffenen die Blasensymptome. Und: SexualitĂ€t ist erlaubt und oft hilfreich, weil Orgasmus die Muskulatur entspannt, solange der Schmerz das zulĂ€sst.

Fragen an meinen Arzt

Diese Fragen helfen, das GesprĂ€ch zu strukturieren. Über die Druckfunktion können Sie die Liste mitnehmen.

Wurde eine Urinkultur angelegt, bevor Antibiotika verordnet wurden?
Ist mein Beckenboden bei der Untersuchung verspannt oder druckschmerzhaft?
Welchem der sechs UPOINT-Bereiche ordnen Sie meine Beschwerden zu?
Gibt es in der NĂ€he eine Physiotherapie mit Schwerpunkt Beckenboden?
Welche Untersuchung fehlt noch, um Tumor und Infektion sicher auszuschließen?
Nach wie vielen Wochen sollte die vorgeschlagene Behandlung wirken, und was ist der nÀchste Schritt, wenn nicht?

HĂ€ufige Fragen (FAQ)

Ich habe schon drei Antibiotikakuren bekommen. War das falsch?▌

Eine erste Kur bei Verdacht auf Prostatitis ist vertretbar. Wiederholte Kuren ohne Erregernachweis helfen nach heutigem Stand nicht und schaden der Darmflora. Fragen Sie nach einer Urinkultur und einer Untersuchung des Beckenbodens.

Ist chronischer Beckenschmerz gefĂ€hrlich?â–Œ

Nach Ausschluss von Tumor und Infektion: nein. Er schÀdigt kein Organ, aber er belastet LebensqualitÀt, Schlaf, SexualitÀt und Psyche erheblich. Deshalb verdient er eine ebenso ernsthafte Behandlung wie eine organische Erkrankung.

Kann Beckenschmerz vom Prostatakrebs kommen?▌

Sehr selten. Prostatakrebs macht im FrĂŒhstadium keine Beschwerden, und chronischer Beckenschmerz ist kein Risikofaktor. Eine Tastuntersuchung und bei MĂ€nnern ab 45 ein PSA-Wert gehören trotzdem zur AbklĂ€rung, schon um die Sorge zu nehmen.

Welcher Arzt ist zustĂ€ndig?â–Œ

Beim Mann der Urologe, bei der Frau GynÀkologe oder Urologe mit Schwerpunkt Beckenboden. Hilfreich sind Beckenbodenzentren und Schmerzambulanzen, in denen mehrere Fachrichtungen zusammenarbeiten. Fragen Sie gezielt nach Erfahrung mit chronischem Beckenschmerz.

Hilft eine Prostata-Operation gegen den Schmerz?▌

Nein. Bei chronischem Beckenschmerzsyndrom ohne Abflussbehinderung ist eine Prostataoperation nicht empfohlen und kann die Beschwerden verschlimmern. Anders ist es, wenn zusĂ€tzlich eine relevante ProstatavergrĂ¶ĂŸerung mit Restharn besteht.

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Quellen

Leitlinien

‱ European Association of Urology. EAU Guidelines on Chronic Pelvic Pain. Ausgabe 2024.

Studien

‱ Anothaisintawee, T. et al. Management of chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome: a systematic review and network meta-analysis. JAMA, 2011;305(1):78-86. PMID 21422427

‱ Liedl B, Goeschen K, Durner L. Current treatment of pelvic organ prolapse correlated with chronic pelvic pain, bladder and bowel dysfunction. Current Opinion in Urology 2017;27(3):274-281. PMID 28306603

‱ Shoskes DA et al. Clinical phenotyping of patients with chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome and correlation with symptom severity. Urology 2009;73(3):538-542. PMID 19118880

Reviews

‱ Shoskes DA, Nickel JC. Classification and treatment of men with chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome using the UPOINT system. World Journal of Urology 2013;31(4):755-760. PMID 23588814

‱ Petros PE, Ulmsten UI. An integral theory of female urinary incontinence. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica 1990;69(Suppl 153):7-31.

‱ Franco JV et al. Non-pharmacological interventions for treating chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018;5:CD012551.

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