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Nierenschmerzen: Ursachen einordnen und richtig reagieren

Flankenschmerz richtig einordnen: woran Sie Nierenschmerz von Rückenschmerz unterscheiden, welche urologischen Ursachen infrage kommen und wann es dringend wird.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
Flankenschmerz mit Fieber sollte sofort abgeklärt werden.In die Notaufnahme bei:
  • Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost oder starkes Krankheitsgefühl
  • Übelkeit und Erbrechen zusätzlich zum Schmerz
  • Verwirrtheit, sehr niedriger Blutdruck oder schneller Puls
  • Schwangerschaft
Eine Nierenbeckenentzündung kann in eine Blutvergiftung übergehen. Bei diesen Zeichen zählen Stunden, nicht Tage.Im Zweifel 112 oder die nächste Notaufnahme.
In einfachen WortenDie Nieren liegen hinten seitlich, etwa auf Höhe der untersten Rippen. Schmerzen dort werden schnell der Niere zugeschrieben, kommen aber oft aus der Muskulatur oder der Wirbelsäule.Weiterlesen

Ein guter Hinweis ist die Bewegung: Wird der Schmerz beim Drehen oder Bücken stärker und lässt in Ruhe nach, spricht das für den Rücken. Nierenschmerzen ändern sich durch Bewegung kaum.

Kommt der Schmerz wellenartig und so stark, dass man nicht stillhalten kann, ist es meist eine Kolik durch einen Stein. Ist er dumpf und von Fieber begleitet, eher eine Nierenbeckenentzündung.

Was Sie tun: Bei Fieber, Schüttelfrost oder Erbrechen sofort ärztlich abklären lassen. Ohne diese Zeichen reicht ein zeitnaher Termin, dann meist mit Ultraschall und Urintest.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

  • Fieber über 38 Grad zusammen mit Flankenschmerz
  • Der Schmerz kommt in Wellen und lässt trotz Schmerzmittel nicht nach
  • Sichtbares Blut im Urin
  • Deutlich weniger Urin als sonst

Flankenschmerz mit Fieber spricht für eine Nierenbeckenentzündung oder gestauten, infizierten Urin. Beides sollte ohne Aufschub abgeklärt werden.

Kommt der Schmerz wirklich aus der Niere?

Schmerzen in der Flanke werden häufig der Niere zugeschrieben, und in der Mehrzahl der Fälle stammen sie aus dem Bewegungsapparat. Bevor also nach Nierenerkrankungen gesucht wird, lohnt sich die Unterscheidung, und sie gelingt oft schon aus der Beschreibung.

Für die Niere spricht: Der Schmerz ist unabhängig von Bewegung und Körperhaltung, sitzt tief seitlich unterhalb der Rippen, strahlt nach vorn unten in Leiste oder Genitale aus und wird von Übelkeit begleitet.
Für den Rücken spricht: Der Schmerz ändert sich mit der Haltung, lässt sich durch Druck auf bestimmte Punkte auslösen, bessert sich bei Wärme und Bewegung und tritt nach ungewohnter Belastung auf.
Harnstau vor einem Hindernis
Der Kolikschmerz entsteht nicht durch den Stein selbst, sondern durch den Druck des gestauten Urins im Nierenbecken.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Die urologischen Ursachen

Die Kolik durch einen Harnleiterstein. Der stärkste Schmerz, wellenförmig, mit Bewegungsdrang, Übelkeit und Ausstrahlung nach unten. Er entsteht nicht durch den Stein selbst, sondern durch den Druck des gestauten Urins.

Die Nierenbeckenentzündung. Dumpfer, anhaltender Schmerz mit Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl. Typisch ist der Klopfschmerz über dem Nierenlager.

Der Aufstau ohne Stein. Etwa durch eine Enge am Nierenbeckenabgang. Charakteristisch ist ein Schmerz, der nach reichlichem Trinken auftritt und dazwischen verschwindet.

Blutungen und Zysten. Eingeblutete Zysten oder Blutungen in einen Tumor können plötzlich Schmerz erzeugen, sind aber selten.

Was sonst noch dahinterstecken kann

Nicht alles in der Flanke ist urologisch. Rechts kommen Gallenblase und Blinddarm infrage, links die Bauchspeicheldrüse und der Dickdarm. Eine Gürtelrose kann Tage vor dem Hautausschlag brennende Schmerzen in einem Gürtelstreifen verursachen, und eine Lungenentzündung der Unterlappen kann sich als Flankenschmerz zeigen.

Selten, aber wichtig ist die Einblutung in die Bauchschlagader oder ein Gefäßverschluss der Nierenarterie. Beide gehen mit sehr starkem, plötzlichem Schmerz und einem schlechten Allgemeinzustand einher.

Sofort Hilfe holen bei: Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Flankenschmerz, Schmerzen, die auf übliche Schmerzmittel nicht ansprechen, sichtbarem Blut im Urin, Unfähigkeit Wasser zu lassen, Kreislaufschwäche mit Blässe und Schwitzen oder plötzlichem, vernichtendem Schmerz. Bei nur einer funktionierenden Niere gilt jede Kolik als dringlich.

Der Zeitverlauf ordnet ein

Wie bei den meisten Schmerzen sagt der Verlauf mehr als die Stärke.

Sekunden bis Minuten bis zum Maximum: spricht für eine Kolik durch einen Stein oder, sehr selten, für einen Gefäßverschluss.

Stunden bis Tage mit zunehmendem Krankheitsgefühl: spricht für eine Entzündung.

Wochen bis Monate, dumpf und wechselnd: spricht eher für den Bewegungsapparat, für eine langsam wachsende Zyste oder für eine Abflussstörung, die nur zeitweise wirksam wird.

Episodisch, jeweils nach reichlichem Trinken: ist nahezu beweisend für eine Enge am Nierenbeckenabgang und wird trotzdem oft jahrelang verkannt.

Nierenschmerz bei bekannten Vorerkrankungen

Wer bereits eine urologische Vorgeschichte hat, sollte einige Besonderheiten kennen.

Mit liegender Harnleiterschiene ist ein Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen typisch und harmlos. Neu auftretendes Fieber ist es nicht.

Nach Steinbehandlung können wandernde Bruchstücke erneut Koliken auslösen. Das ist erwartbar, solange kein Fieber dazukommt.

Mit nur einer funktionierenden Niere gilt jede Kolik als dringlich, weil ein Aufstau sofort die gesamte Ausscheidung betrifft.

Bei Zystennieren sind eingeblutete Zysten eine häufige und meist harmlose Schmerzursache, die aber von einer Infektion unterschieden werden muss.

Wie abgeklärt wird

Am Anfang stehen Gespräch und Untersuchung, einschließlich Klopfschmerz und Prüfung der Rückenmuskulatur. Dann folgen Urinuntersuchung, Blutwerte und der Ultraschall, der Aufstau, Steine, Zysten und Raumforderungen zuverlässig erkennt.

Bleibt es unklar oder ist der Verdacht auf einen Stein hoch, folgt eine Computertomografie ohne Kontrastmittel in strahlenarmer Technik. Sie ist bei Steinen die genaueste Untersuchung.

Findet sich urologisch nichts, ist das ein wichtiges Ergebnis und kein Misserfolg: Es lenkt die Suche in Richtung Bewegungsapparat oder Bauchorgane.

Was Sie selbst tun können

Bei Verdacht auf einen muskulären Ursprung helfen Wärme, Bewegung und leichte Dehnung. Bei einer Kolik hilft Wärme ebenfalls, während zusätzliche große Trinkmengen den Schmerz verstärken, weil sie den Druck vor dem Hindernis erhöhen.

Ein entzündungshemmendes Schmerzmittel ist bei der Kolik das Mittel der Wahl, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Bei bekannter Nierenschwäche gilt hier allerdings Zurückhaltung, dann sollte die Auswahl ärztlich erfolgen.

Häufige Fragen

Können Nierenschmerzen von zu wenig Trinken kommen?

Nicht direkt. Dauerhaft konzentrierter Urin begünstigt allerdings Steine und Infekte, und beide verursachen Schmerzen. Wer über Jahre wenig trinkt, hat also ein erhöhtes Risiko, aber der Flüssigkeitsmangel selbst tut nicht weh.

Warum tut es weh, obwohl der Ultraschall unauffällig ist?

Ein kleiner Stein im Harnleiter ist im Ultraschall oft nicht sichtbar, und ein Aufstau kann sich zwischen zwei Episoden zurückbilden. Zudem stammen viele Flankenschmerzen gar nicht aus der Niere. Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Kolik nicht aus, macht sie aber weniger wahrscheinlich.

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2025.

• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. AWMF-Register-Nr. 043-025.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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