Ein guter Hinweis ist die Bewegung: Wird der Schmerz beim Drehen oder Bücken stärker und lässt in Ruhe nach, spricht das für den Rücken. Nierenschmerzen ändern sich durch Bewegung kaum.
Kommt der Schmerz wellenartig und so stark, dass man nicht stillhalten kann, ist es meist eine Kolik durch einen Stein. Ist er dumpf und von Fieber begleitet, eher eine Nierenbeckenentzündung.
Was Sie tun: Bei Fieber, Schüttelfrost oder Erbrechen sofort ärztlich abklären lassen. Ohne diese Zeichen reicht ein zeitnaher Termin, dann meist mit Ultraschall und Urintest.
Flankenschmerz mit Fieber spricht für eine Nierenbeckenentzündung oder gestauten, infizierten Urin. Beides sollte ohne Aufschub abgeklärt werden.
Schmerzen in der Flanke werden häufig der Niere zugeschrieben, und in der Mehrzahl der Fälle stammen sie aus dem Bewegungsapparat. Bevor also nach Nierenerkrankungen gesucht wird, lohnt sich die Unterscheidung, und sie gelingt oft schon aus der Beschreibung.

Die Kolik durch einen Harnleiterstein. Der stärkste Schmerz, wellenförmig, mit Bewegungsdrang, Übelkeit und Ausstrahlung nach unten. Er entsteht nicht durch den Stein selbst, sondern durch den Druck des gestauten Urins.
Die Nierenbeckenentzündung. Dumpfer, anhaltender Schmerz mit Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl. Typisch ist der Klopfschmerz über dem Nierenlager.
Der Aufstau ohne Stein. Etwa durch eine Enge am Nierenbeckenabgang. Charakteristisch ist ein Schmerz, der nach reichlichem Trinken auftritt und dazwischen verschwindet.
Blutungen und Zysten. Eingeblutete Zysten oder Blutungen in einen Tumor können plötzlich Schmerz erzeugen, sind aber selten.
Nicht alles in der Flanke ist urologisch. Rechts kommen Gallenblase und Blinddarm infrage, links die Bauchspeicheldrüse und der Dickdarm. Eine Gürtelrose kann Tage vor dem Hautausschlag brennende Schmerzen in einem Gürtelstreifen verursachen, und eine Lungenentzündung der Unterlappen kann sich als Flankenschmerz zeigen.
Selten, aber wichtig ist die Einblutung in die Bauchschlagader oder ein Gefäßverschluss der Nierenarterie. Beide gehen mit sehr starkem, plötzlichem Schmerz und einem schlechten Allgemeinzustand einher.
Wie bei den meisten Schmerzen sagt der Verlauf mehr als die Stärke.
Sekunden bis Minuten bis zum Maximum: spricht für eine Kolik durch einen Stein oder, sehr selten, für einen Gefäßverschluss.
Stunden bis Tage mit zunehmendem Krankheitsgefühl: spricht für eine Entzündung.
Wochen bis Monate, dumpf und wechselnd: spricht eher für den Bewegungsapparat, für eine langsam wachsende Zyste oder für eine Abflussstörung, die nur zeitweise wirksam wird.
Episodisch, jeweils nach reichlichem Trinken: ist nahezu beweisend für eine Enge am Nierenbeckenabgang und wird trotzdem oft jahrelang verkannt.
Wer bereits eine urologische Vorgeschichte hat, sollte einige Besonderheiten kennen.
Mit liegender Harnleiterschiene ist ein Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen typisch und harmlos. Neu auftretendes Fieber ist es nicht.
Nach Steinbehandlung können wandernde Bruchstücke erneut Koliken auslösen. Das ist erwartbar, solange kein Fieber dazukommt.
Mit nur einer funktionierenden Niere gilt jede Kolik als dringlich, weil ein Aufstau sofort die gesamte Ausscheidung betrifft.
Bei Zystennieren sind eingeblutete Zysten eine häufige und meist harmlose Schmerzursache, die aber von einer Infektion unterschieden werden muss.
Am Anfang stehen Gespräch und Untersuchung, einschließlich Klopfschmerz und Prüfung der Rückenmuskulatur. Dann folgen Urinuntersuchung, Blutwerte und der Ultraschall, der Aufstau, Steine, Zysten und Raumforderungen zuverlässig erkennt.
Bleibt es unklar oder ist der Verdacht auf einen Stein hoch, folgt eine Computertomografie ohne Kontrastmittel in strahlenarmer Technik. Sie ist bei Steinen die genaueste Untersuchung.
Findet sich urologisch nichts, ist das ein wichtiges Ergebnis und kein Misserfolg: Es lenkt die Suche in Richtung Bewegungsapparat oder Bauchorgane.
Bei Verdacht auf einen muskulären Ursprung helfen Wärme, Bewegung und leichte Dehnung. Bei einer Kolik hilft Wärme ebenfalls, während zusätzliche große Trinkmengen den Schmerz verstärken, weil sie den Druck vor dem Hindernis erhöhen.
Ein entzündungshemmendes Schmerzmittel ist bei der Kolik das Mittel der Wahl, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Bei bekannter Nierenschwäche gilt hier allerdings Zurückhaltung, dann sollte die Auswahl ärztlich erfolgen.
Nicht direkt. Dauerhaft konzentrierter Urin begünstigt allerdings Steine und Infekte, und beide verursachen Schmerzen. Wer über Jahre wenig trinkt, hat also ein erhöhtes Risiko, aber der Flüssigkeitsmangel selbst tut nicht weh.
Ein kleiner Stein im Harnleiter ist im Ultraschall oft nicht sichtbar, und ein Aufstau kann sich zwischen zwei Episoden zurückbilden. Zudem stammen viele Flankenschmerzen gar nicht aus der Niere. Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Kolik nicht aus, macht sie aber weniger wahrscheinlich.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. AWMF-Register-Nr. 043-025.