Die Ursache ist mechanisch. In der Harnröhre bleibt ein Rest stehen, der bei Bewegung nachläuft. Mit der Prostata hat es meist nichts zu tun.
Was hilft, ist einfach: nach dem Wasserlassen von hinten nach vorne über die Harnröhre streichen, hinter dem Hodensack beginnend. Damit wird der Rest herausbefördert.
Zum Arzt gehört es, wenn der Strahl gleichzeitig schwächer wird oder Restharn besteht. Dann ist es mehr als Nachtröpfeln.
Man hat fertig uriniert, abgeschüttelt, die Hose geschlossen, und Sekunden später läuft noch ein Schluck nach. Nachtröpfeln (Post-Miktions-Dribbling) ist eines der häufigsten, am wenigsten besprochenen Männerprobleme. Es ist keine Inkontinenz im engeren Sinn und meist kein Zeichen einer Krankheit, sondern eine Frage der Anatomie, und deshalb oft mit einem Handgriff zu lösen.
Die männliche Harnröhre ist etwa 20 Zentimeter lang und beschreibt hinter dem Hodensack eine Kurve nach oben. In diesem Abschnitt, der bulbären Harnröhre, bleibt nach dem Wasserlassen ein kleiner Rest Urin liegen, wenn die Muskeln, die die Harnröhre nach dem Strahl ausstreichen, ihn nicht vollständig nach vorn befördern. Beim Gehen oder Setzen läuft er dann nach. Die Menge ist meist klein, ein bis fünf Milliliter, aber sichtbar.
Beckenboden. Der Bulbospongiosus-Muskel, der die Harnröhre hinter dem Hodensack umschließt, wird mit dem Alter schwächer. Ein schwacher Beckenboden ist die häufigste Ursache und die am besten behandelbare.
Prostata. Eine vergrößerte Prostata schwächt den Strahl, sodass mehr Urin in der Harnröhre bleibt, und reizt die Blase. Nachtröpfeln ist oft das erste Prostatasymptom, lange vor schwachem Strahl oder nächtlichem Wasserlassen. Nach Prostataoperationen tritt es vorübergehend vermehrt auf.
Harnröhrenenge. Eine Verengung verhindert das vollständige Entleeren; hinter der Enge bleibt Urin stehen. Hinweise sind ein dünner oder gespaltener Strahl.
Gewohnheit. Zu schnelles Beenden, Pressen zum Schluss, Wasserlassen in Eile oder im Stehen mit zusammengedrückter Harnröhre durch enge Hosen. Auch Übergewicht, das den Penis teilweise verdeckt, begünstigt das Nachlaufen.
Divertikel. Selten eine Aussackung der Harnröhre, die sich füllt und entleert, erkennbar an einer tastbaren Schwellung unter dem Penis nach dem Wasserlassen.
Ausstreichen. Nach dem Wasserlassen mit zwei Fingern hinter dem Hodensack ansetzen, am Damm, und die Harnröhre mit leichtem Druck nach vorn bis zur Penisspitze ausstreichen, zwei- bis dreimal. Das befördert den Rest heraus, bevor er von allein nachläuft. Diese Technik löst das Problem bei den meisten Männern vollständig und kostet drei Sekunden.
Zeit lassen. Nach dem Strahl einige Sekunden warten, den Beckenboden ein- bis zweimal kräftig anspannen, dann abschütteln. Im Sitzen entleert sich die Blase bei vielen Männern vollständiger als im Stehen, besonders bei Prostatavergrößerung.
Beckenbodentraining. Dreimal täglich zehn Anspannungen über drei Monate kräftigen den Muskel, der die Harnröhre ausstreicht. In Studien besserte sich das Nachtröpfeln damit bei zwei Dritteln der Männer deutlich.
Ursache behandeln. Bei schwachem Strahl, Restharn oder Brennen: Prostata und Harnröhre abklären lassen. Alpha-Blocker oder eine Prostataoperation beheben das Nachtröpfeln, wenn die Prostata die Ursache ist. Eine Harnröhrenenge wird geschlitzt oder rekonstruiert.
Meist reicht das Gespräch: seit wann, wie viel, ob der Strahl schwächer geworden ist, ob Brennen oder Blut aufgetreten sind, welche Medikamente eingenommen werden. Dazu Urinuntersuchung, Ultraschall von Blase und Prostata mit Restharnmessung und die Harnstrahlmessung. Eine Blasenspiegelung ist nur bei Verdacht auf Harnröhrenenge oder Divertikel nötig, eine Blasendruckmessung bei zusätzlichem Urinverlust tagsüber. Die Abklärung dauert 20 Minuten und beantwortet die Frage, ob Ausstreichen und Training reichen oder ob Prostata oder Harnröhre behandelt werden müssen.
Frauen kennen das Problem seltener, weil die Harnröhre kurz ist. Tritt es auf, liegt meist ein Harnröhrendivertikel vor, eine kleine Aussackung, die sich beim Wasserlassen füllt und danach entleert, oft begleitet von Schmerzen beim Sex und wiederkehrenden Infekten. Oder Urin sammelt sich bei einer Senkung in der Scheide und läuft beim Aufstehen nach. Beides wird gynäkologisch oder urologisch abgeklärt und ist behandelbar.
Diese Fragen helfen, das Gespräch zu strukturieren. Über die Druckfunktion können Sie die Liste mitnehmen.
Nein. Inkontinenz ist unwillkürlicher Urinverlust aus der Blase. Beim Nachtröpfeln ist die Blase leer, der Rest stammt aus der Harnröhre. Die Übergänge sind aber fließend, und wer auch tagsüber Urin verliert, sollte das abklären lassen.
Nein. Prostatakrebs macht im Frühstadium keine Beschwerden. Nachtröpfeln spricht für gutartige Ursachen. Die normale Vorsorge ab 45 gilt unabhängig davon.
Nein. Weniger Trinken macht den Urin konzentriert und reizt Blase und Harnröhre, das Tröpfeln bleibt. Ausstreichen hilft, Trinken einschränken nicht.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Management of Non-neurogenic Male LUTS. Ausgabe 2024.
Studien
• Dorey G et al. Pelvic floor exercises for treating post-micturition dribble in men with erectile dysfunction: a randomized controlled trial. Urologic Nursing 2004;24(6):490-497. PMID 15658735
Reviews
• Paterson J et al. Pelvic floor exercises as a treatment for post-micturition dribble. British Journal of Urology 1997;79(6):892-897. PMID 9202555