In Studien geben etwa 2 bis 4 von hundert Männern Libidoverlust oder Erektionsprobleme an. Bei den meisten bilden sie sich nach Absetzen zurück.
Umstritten ist, ob Beschwerden dauerhaft bleiben können. Berichte darüber gibt es, ein eindeutiger Nachweis fehlt. Ernst nehmen sollte man sie trotzdem.
Wichtig für alle, die es nehmen: Es halbiert den PSA-Wert. Sagen Sie das bei jeder Kontrolle, sonst wird ein steigender Wert übersehen.
Finasterid hemmt das Enzym, das Testosteron in seine wirksamere Form Dihydrotestosteron umwandelt. Dieses Hormon steuert sowohl das Wachstum der Prostata als auch den erblich bedingten Haarausfall.
Daraus ergeben sich zwei Anwendungen mit unterschiedlicher Dosis: fünf Milligramm täglich bei vergrößerter Prostata, ein Milligramm täglich bei Haarausfall.
Die Prostata verkleinert sich um etwa zwanzig bis dreißig Prozent, allerdings langsam: spürbar nach drei bis sechs Monaten, vollständig nach sechs bis zwölf. Wer schnelle Linderung braucht, bekommt zusätzlich einen Alpha-Blocker.
Der eigentliche Wert liegt langfristig: In großen Untersuchungen senkte Finasterid die Wahrscheinlichkeit eines Harnverhalts und die Notwendigkeit einer Operation deutlich. Es ist damit das einzige Medikament bei Prostatabeschwerden, das den Verlauf beeinflusst. Mehr dazu unter 5-Alpha-Reduktase-Hemmer.

Unter Finasterid halbiert sich der PSA-Wert innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Ein gemessener Wert von 2 entspricht damit einem tatsächlichen von etwa 4.
Praktisch bedeutet das: Nach sechs bis zwölf Monaten wird ein neuer Ausgangswert bestimmt, mit dem künftig verglichen wird. Und jeder Anstieg gegenüber diesem neuen Ausgangswert ist abklärungsbedürftig, auch wenn der absolute Wert niedrig erscheint.
Sagen Sie jedem Arzt, der Ihnen PSA abnimmt, dass Sie Finasterid nehmen. Das gilt ausdrücklich auch für die niedrige Dosis gegen Haarausfall, die denselben Effekt hat und bei der der Zusammenhang noch häufiger übersehen wird.
In kontrollierten Untersuchungen traten nachlassendes Verlangen, Erektionsstörungen und vermindertes Ejakulatvolumen bei einem kleinen Prozentsatz häufiger auf als unter Scheinmedikament. Sie sind meist mild und bilden sich nach dem Absetzen in der Regel zurück.
Bemerkenswert ist ein Befund aus diesen Untersuchungen: Männer, die über mögliche sexuelle Nebenwirkungen aufgeklärt wurden, berichteten deutlich häufiger darüber als solche, die es nicht wussten. Das entwertet die Beschwerden nicht, zeigt aber, wie stark die Erwartung mitwirkt.
Seltener sind Brustspannen und eine Vergrößerung des Brustdrüsengewebes, die anhalten kann und dann behandlungsbedürftig wird.
Gegen erblich bedingten Haarausfall wird ein Fünftel der Prostatadosis eingesetzt. Die Wirkung ist gut belegt: Bei der Mehrzahl der Anwender stoppt der Verlust, bei einem Teil wächst Haar nach, und der Effekt hält an, solange das Präparat genommen wird.
Der Unterschied zur Prostataanwendung liegt nicht in der Substanz, sondern im Zweck. Hier steht kein Krankheitsverlauf auf dem Spiel, der beeinflusst werden müsste. Deshalb wiegt jede Unsicherheit über Nebenwirkungen schwerer, und deshalb gehört die Entscheidung bewusst getroffen.
Praktisch bedeutet das drei Dinge. Erstens: Die Aufklärung über sexuelle Nebenwirkungen und über die Diskussion um anhaltende Beschwerden gehört auch hier dazu, nicht nur bei der höheren Dosis. Zweitens: Der PSA-Effekt gilt genauso, weshalb auch die niedrige Dosis jedem Arzt genannt werden muss, der PSA bestimmt. Drittens: Bei Kinderwunsch und bei bestehender depressiver Erkrankung ist Zurückhaltung angebracht.
Ein Ausschleichen ist nicht nötig, die Substanz kann direkt abgesetzt werden. Was danach geschieht, hängt von der Anwendung ab.
Bei Prostatabeschwerden wächst die Drüse über Monate wieder, und die Beschwerden kehren allmählich zurück. Der PSA-Wert steigt innerhalb einiger Monate wieder auf sein tatsächliches Niveau, was bei der Beurteilung berücksichtigt werden muss.
Beim Haarausfall geht der gewonnene Zustand innerhalb von etwa sechs bis zwölf Monaten verloren, und der Verlauf setzt sich dort fort, wo er ohne Behandlung stünde.
Schwangere sollen zerbrochene Tabletten nicht anfassen, weil der Wirkstoff die Entwicklung eines männlichen Fötus beeinträchtigen kann. Unbeschädigte Tabletten sind überzogen und unbedenklich.
Blutspenden sind unter der Einnahme und für einen Zeitraum danach nicht möglich, aus demselben Grund.
Nach dem Absetzen wächst die Prostata wieder, und die Beschwerden kehren über Monate zurück. Beim Haarausfall gilt dasselbe: Der gewonnene Zustand geht innerhalb von etwa einem Jahr verloren.
Große Untersuchungen zeigten weniger Diagnosen von Tumoren mit niedrigem Risiko, aber keinen Vorteil beim Überleben und anteilig mehr Tumoren mit hohem Risiko, was bis heute diskutiert wird. Zur Vorbeugung ist die Substanz nicht zugelassen und wird dafür nicht empfohlen.
Das Ejakulatvolumen nimmt bei einem Teil der Anwender ab. Ein relevanter Effekt auf die Spermienqualität ist bei den üblichen Dosen nicht belegt, einzelne Berichte über verschlechterte Werte existieren. Bei bestehendem Kinderwunsch und auffälligem Spermiogramm ist ein Absetzversuch vertretbar.
Leitlinien
• European Association of Urology (EAU). Guidelines on the Management of Non-neurogenic Male LUTS, incl. Benign Prostatic Obstruction. EAU, 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S2e-Leitlinie Therapie des Benignen Prostatasyndroms. AWMF-Registernummer 043-035.