Androgenblockade, auch Hormontherapie oder Androgendeprivation (ADT) genannt, ist der Entzug des männlichen Hormons Testosteron zur Behandlung des Prostatakrebses. Weil Prostatakrebszellen Testosteron zum Wachsen brauchen, bremst der Entzug den Tumor, meist über Jahre.
Wie sie umgesetzt wird: Am häufigsten durch Spritzen unter die Haut alle ein bis sechs Monate, die die Hormonproduktion im Hoden stilllegen (GnRH-Analoga wie Leuprorelin oder GnRH-Antagonisten wie Degarelix), seit einigen Jahren auch als Tablette (Relugolix). Die operative Entfernung des Hodengewebes wirkt gleich, ist endgültig und wird selten gewählt. Moderne Kombinationen ergänzen Wirkstoffe, die das Testosteron auch in Nebenniere und Tumor blockieren, etwa Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid oder Darolutamid.
Wann sie eingesetzt wird: Beim fortgeschrittenen oder metastasierten Prostatakrebs als Dauertherapie, begleitend zur Bestrahlung bei mittlerem und hohem Risiko über sechs Monate bis drei Jahre, und beim PSA-Rezidiv nach Operation oder Bestrahlung. Bei lokal begrenztem Tumor ist sie allein keine Heilungsbehandlung.
Nebenwirkungen: Hitzewallungen, Libidoverlust, Erektionsstörung, Müdigkeit, Muskelabbau, Gewichtszunahme, Brustschwellung, Knochenschwund und ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Krafttraining, Vitamin D, Knochendichtemessung und Kontrolle der Blutfette und des Blutzuckers gehören zur Begleitung. Nach einigen Jahren wird der Tumor bei den meisten Männern hormonunempfindlich, was kastrationsresistent genannt wird.