In einfachen WortenNach der Abtragung eines Blasentumors bleiben oft einzelne Tumorzellen zurück, die sich wieder ansiedeln können. Um das zu verhindern, wird ein Medikament direkt in die Blase gegeben, über einen dünnen Schlauch, nicht als Infusion.Weiterlesen

Mitomycin ist ein solches Medikament. Es wirkt nur dort, wo es hingegeben wird, und gelangt kaum in den übrigen Körper. Deshalb fallen die Haare nicht aus und es wird einem nicht übel, anders als bei einer Chemotherapie über die Vene.

Wichtig ist die Zeit: Das Mittel muss ein bis zwei Stunden in der Blase bleiben. Vorher wenig trinken, damit es nicht verdünnt wird. Danach im Sitzen Wasser lassen und die Toilette spülen.

Häufigste Nebenwirkung ist eine gereizte Blase für ein paar Tage. Ein Ausschlag an Händen oder Genital kommt bei bis zu einem von zehn Patienten vor und sollte gemeldet werden.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

  • Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost
  • Sie können nach der Instillation kein Wasser lassen
  • Starke, anhaltende Schmerzen im Unterbauch
  • Hautausschlag an Händen, Füßen oder am Genital

Der Ausschlag betrifft bis zu einen von zehn Patienten, ist typisch für dieses Medikament und sollte gemeldet werden. Ein gereiztes Gefühl in der Blase für ein paar Tage ist dagegen normal.

Ablauf einer Instillation

Eine Mitomycin-Instillation läuft ähnlich ab wie eine BCG-Instillation, aber mit weniger strikten Hygienemaßnahmen danach (es sind keine lebenden Bakterien):

1. Vorbereitung in der Praxis. Urin-Stix zum Ausschluss eines aktiven Harnwegsinfekts. Bei Verdacht auf Infekt wird die Instillation verschoben.

2. Blasenkatheter. Ein dünner Einmalkatheter wird über die Harnröhre eingelegt. Die Blase wird vor der Instillation entleert, damit das Mitomycin nicht verdünnt wird.

3. Mitomycin-Instillation. 40 mg Mitomycin in 40 ml Spüllösung werden langsam über den Katheter in die Blase eingebracht. Manche Zentren alkalisieren den Urin vor der Instillation mit Natriumbicarbonat-Tabletten.

4. Einwirkzeit. 1 bis 2 Stunden. Wie bei BCG: alle 15 Minuten Lagewechsel (Rücken, Bauch, links, rechts), damit der Wirkstoff alle Bereiche der Blasenwand erreicht. Möglichst nicht trinken in dieser Zeit.

5. Erster Toilettengang. Nach Ende der Einwirkzeit normale Toilettennutzung. Anders als bei BCG sind keine Bleichlösungs-Desinfektionen nötig, Mitomycin ist kein Lebendpräparat. Empfohlen wird trotzdem für 6 Stunden viel trinken und gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang.

Nebenwirkungen

Mitomycin hat ein deutlich anderes Nebenwirkungsspektrum als BCG. Da es nicht systemisch wirkt, sind die meisten Nebenwirkungen lokal in der Blase, fast keine grippeartigen Allgemeinsymptome wie bei BCG.

Häufig (lokal):

  • Brennen beim Wasserlassen für 1-2 Tage nach der Instillation
  • Häufiger Harndrang (Pollakisurie) für 1-2 Tage
  • Leicht rosafarbener Urin für 1-2 Tage
  • Krampfartige Unterbauchschmerzen ähnlich einer Blasenentzündung

Häufig (Hautreaktionen):

  • Hautausschlag an Händen und Füßen: Mitomycin-Hautkontakt verursacht eine charakteristische Reaktion. Wichtig: Hände sehr gründlich waschen nach dem Toilettengang in den ersten Stunden, beim Pinkeln Spritzer vermeiden
  • Brennen oder Reizung am Penis bei Männern: durch Wirkstoffrückstände auf der Haut

Mäßig häufig:

  • Asymptomatische Hämaturie (Blut im Urin ohne Schmerzen): meist innerhalb weniger Tage abklingend
  • Harnwegsinfekte: etwa 5-10 Prozent der Patienten

Selten:

  • Schrumpfblase bei langer Therapie: verkleinerte Blasenkapazität durch chronische Entzündung. Selten
  • Harnröhrenstriktur bei wiederholten Katheterisierungen, Vermeidung durch dünne Einmalkatheter und Lokalanästhesie-Gel
  • Allergische Reaktionen auf Mitomycin: sehr selten

Sehr selten, aber ernst:

  • Mitomycin-Resorption bei Blasenperforation: kann zu schwerer Bauchfellreizung und Sepsis-ähnlichen Bildern führen. Deshalb keine Mitomycin-Instillation bei Verdacht auf Perforation
  • Knochenmark-Suppression: nur bei systemischer Resorption (zum Beispiel nach Perforation), bei intakter Blasenwand praktisch ausgeschlossen
Hände gründlich waschen nach dem Toilettengang: Das ist nicht nur Hygiene-Etikette. Mitomycin-Reste auf der Haut können zu deutlichen Reizungen führen. Die Empfehlung gilt für die ersten 6 bis 12 Stunden nach jeder Instillation, sowohl für den Patienten selbst als auch für Personen, die mit der Hygiene helfen.

Überblick

Mitomycin wird nach einer TUR-B als Blasenspülung gegeben. Anders als die BCG-Therapie wirkt Mitomycin nicht über das Immunsystem, sondern direkt zellschädigend: Es bindet an die DNA von Tumorzellen und verhindert deren Vermehrung. Mitomycin hat sich seit über 40 Jahren als wirksam und gut verträglich etabliert. Es wird in zwei klar definierten Anwendungsformen eingesetzt: als einmalige Frühinstillation direkt nach der TUR-B sowie als adjuvante Erhaltungstherapie über Wochen bis Monate.

etwa 35 Prozent
Rezidivreduktion durch Frühinstillation
40 mg
Standard-Dosis
1 bis 2 Std.
Einwirkzeit pro Sitzung
FDA 2025
Zusduri für rezidivierendes LG-IR-NMIBC

Mitomycin C ist ein Antibiotikum aus dem Bakterium Streptomyces caespitosus, das in den 1950er Jahren erstmals isoliert wurde. Der Einsatz als intravesikale Chemotherapie bei Blasenkrebs ist seit den 1970er Jahren etabliert. Die EAU-Leitlinie nennt Mitomycin neben Gemcitabin, Epirubicin und Pirarubicin als Mittel für die einmalige Frühinstillation nach TUR-B sowie für die weitere Instillationsserie bei intermediärem Risiko. Bei Hochrisiko-NMIBC ist BCG die wirksamere Therapie, Mitomycin kommt dort nur zum Einsatz, wenn BCG nicht verfügbar oder nicht verträglich ist.

Wann ist eine Mitomycin-Therapie indiziert?

Mitomycin wird in mehreren klar definierten Situationen eingesetzt:

Einmalige Frühinstillation (SI-IVC) nach TUR-B: Die wichtigste und am häufigsten durchgeführte Anwendung. Innerhalb von 24 Stunden, idealerweise sofort nach der TUR-B: wird eine einzige Mitomycin-Dosis in die Blase instilliert. Sie reduziert die Rezidivrate über 5 Jahre um etwa 35 Prozent. Indiziert bei Niedrigrisiko-NMIBC (kleine, einzelne, gut differenzierte Ta-Tumoren) und bei kleinen Rückfällen mit intermediärem Risiko, die mehr als ein Jahr nach der letzten TUR-B auftreten.

Adjuvante Mitomycin-Serie bei intermediärem Risiko: Wenn die Frühinstillation alleine nicht ausreicht, etwa bei multiplen oder rezidivierenden Niedrigrisiko-Tumoren oder bei Ta high-grade-Tumoren mit niedrigem Progressionsrisiko. Übliche Schemata: wöchentlich für 6 Wochen Induktion, gefolgt von monatlichen Erhaltungs-Instillationen für 6-12 Monate.

Bei BCG-Mangel oder BCG-Unverträglichkeit: In Phasen weltweiten BCG-Mangels oder bei Patienten, die die BCG-Nebenwirkungen nicht vertragen. Mitomycin ist dann eine gängige Alternative.

Rezidivierendes LG-IR-NMIBC: Seit Juni 2025 mit der FDA-Zulassung von Zusduri (siehe unten) in den USA eine zugelassene Option, die eine erneute TUR-B ersparen kann. In Deutschland ist Zusduri noch nicht zugelassen.

Wann kein Mitomycin: Bei muskelinvasivem Blasenkrebs (T2 oder höher), dort wirkt es nicht. Nicht bei aktivem Harnwegsinfekt. Keine Frühinstillation bei Verdacht auf eine Blasenperforation während der TUR-B, Mitomycin könnte ins Bauchfell gelangen und schwere Reizung verursachen. Ebenso nicht bei stärkerer Blutung, die eine Spülung der Blase nötig macht.

Therapieschema im Überblick

Mitomycin wird in mehreren Schemata eingesetzt, die sich in Indikation und Dauer unterscheiden:

Nach TUR-B mit NMIBC Risikoeinschätzung nach EAU 2025 Niedrigrisiko LG Ta einzeln, klein Frühinstillation (einmalig 24h) Intermediäres Risiko Multifokal oder rezidivierend Induktion 6 Wochen + Erhaltung 6 bis 12 Monate Hohes Risiko T1 / HG / CIS BCG bevorzugt MMC nur bei BCG-Mangel Spezielle Verfahren bei Bedarf HIVEC: Mitomycin bei 43°C, verstärkte Eindringtiefe EMDA: Elektrostrom verbessert Aufnahme in Schleimhaut Zusduri (FDA 2025): Hydrogel-Form, längere Verweildauer Optimierungen verbessern Wirksamkeit deutlich Begleitende Zystoskopie-Nachsorge Alle 3 Monate für 2 Jahre · dann jährlich

Frühinstillation (SI-IVC): die wichtigste Anwendung

Die einmalige Mitomycin-Instillation innerhalb von 24 Stunden nach TUR-B ist die häufigste und gut belegte Anwendung. Eine Metaanalyse mit fast 1.500 Patienten hat gezeigt: Die Frühinstillation senkt das Rückfallrisiko gegenüber TUR-B alleine um gut ein Drittel. Bei Niedrigrisiko-Tumoren ist sie damit Standard.

Wirkmechanismus: Während der TUR-B können Tumorzellen aus dem Resektionsbereich in die Blasenflüssigkeit gelangen. Sie könnten sich an gesunden Schleimhautstellen festsetzen und neue Tumoren bilden. Die Mitomycin-Instillation tötet diese frei schwimmenden Tumorzellen ab, bevor sie sich anheften können.

Praktischer Ablauf: Direkt am OP-Ende oder in den ersten 24 Stunden auf Station. 40 mg Mitomycin in 40 ml Spüllösung werden über den Spülkatheter eingebracht und dort für 1 bis 2 Stunden belassen. Danach wird die Lösung über den Katheter abgelassen.

Wann die Frühinstillation unterbleibt:

  • Wenn der Verdacht besteht, dass die Blasenwand bei der Abtragung verletzt wurde. Das Medikament könnte dann in die Bauchhöhle gelangen, eine schwere Komplikation.
  • Bei stärkerer Blutung, wenn die Blase nach der Operation gespült werden muss. Auch nach sehr großflächiger Abtragung wird oft darauf verzichtet, weil dann eher eine Verletzung der Blasenwand vorliegen kann.
  • Bei großen Hochrisiko-Tumoren, bei denen ohnehin eine BCG-Therapie folgt. Die Frühinstillation bringt dort keinen zusätzlichen Nutzen.
  • Bei mehr als einem Rückfall pro Jahr. Auch dann senkt die Frühinstillation das Rückfallrisiko nicht.

Wichtig: Die Frühinstillation ersetzt nicht die nachfolgende Risiko-stratifizierte Therapie. Bei intermediärem oder hohem Risiko folgt zusätzlich eine längere Erhaltungs-Therapie (Mitomycin-Serie oder BCG).

Adjuvante Mitomycin-Serie

Bei intermediärem Risiko oder als Alternative zu BCG wird Mitomycin als längerfristige Erhaltungstherapie eingesetzt. Es gibt verschiedene Schemata, die alle ähnlich wirksam sind:

Standard-Induktion: 1× wöchentlich Mitomycin-Instillation (40 mg in 40 ml) für 6 bis 8 Wochen. Beginn etwa 2 bis 4 Wochen nach TUR-B, wenn die Blasenschleimhaut abgeheilt ist.

Erhaltungstherapie: Nach Abschluss der Induktion und negativer Kontroll-Zystoskopie folgt eine Erhaltungs-Phase von 6 bis 12 Monaten. Übliche Schemata: monatliche Instillation, alternativ alle 2 Monate. Die beste Dauer ist nicht genau geklärt. Nach der EAU-Leitlinie sollte die Erhaltung aber nicht länger als ein Jahr dauern.

Bei intermediärem Risiko: Mitomycin und BCG-1-Jahr-Schema sind etwa gleichwertig wirksam, die Wahl hängt von Verfügbarkeit, Verträglichkeit und Patientenwunsch ab. Mitomycin hat den Vorteil weniger systemischer Nebenwirkungen, BCG den Vorteil etwas besserer Langzeitkontrolle.

Bei Hochrisiko: Mitomycin ist BCG klar unterlegen. Mehrere Meta-Analysen zeigen, dass BCG die Rezidiv- und Progressionsraten besser senkt. Mitomycin wird hier nur eingesetzt, wenn BCG nicht verfügbar (siehe BCG-Mangel) oder vom Patienten nicht vertragen wird.

Mitomycin vs. BCG: direkter Vergleich

Mitomycin und BCG sind die beiden Hauptsäulen der intravesikalen Therapie. Sie unterscheiden sich in mehreren wesentlichen Aspekten:

Wirkmechanismus: Mitomycin wirkt direkt zelltoxisch (Chemotherapie). BCG wirkt indirekt über Aktivierung des Immunsystems (Immuntherapie).

Wirksamkeit: Bei Niedrigrisiko: BCG wird hier nicht eingesetzt, die Frühinstillation mit Chemotherapie reicht aus. Bei intermediärem Risiko: ähnlich. Bei Hochrisiko: BCG klar überlegen, vor allem mit Erhaltungstherapie. Meta-Analysen zeigen unter BCG deutlich weniger Rückfälle.

Einsetzbarkeit:

  • Mitomycin: Universal einsetzbar, auch bei Patienten mit Immunschwäche, gut steuerbar
  • BCG: Nicht bei Immunschwäche, aktiver Tuberkulose, schwerer Hämaturie

Nebenwirkungen:

  • Mitomycin: Lokale Beschwerden, Hautreaktionen, kaum systemische Effekte
  • BCG: Stärkere lokale Beschwerden, grippeartige Allgemeinsymptome, in seltenen Fällen schwere systemische Reaktionen (BCGitis)

Verfügbarkeit:

  • Mitomycin: Praktisch immer verfügbar
  • BCG: Wiederkehrender weltweiter Mangel

In der Praxis: Bei Niedrigrisiko ist die Frühinstillation mit Mitomycin Standard, eine weitere Erhaltung ist nicht nötig. Bei Hochrisiko ist BCG Standard. Bei Intermediär ist die Entscheidung individuell, Mitomycin wenn weniger Nebenwirkungen gewünscht oder BCG-Verträglichkeit fraglich, BCG wenn maximale Wirksamkeit Priorität hat.

Wirkprinzip: Wie Mitomycin C wirkt

Mitomycin C ist ein Alkylanzien-ähnliches Zytostatikum mit einem klar definierten Wirkmechanismus: In der Tumorzelle wird es enzymatisch aktiviert und bindet kovalent an die DNA. Es bildet sogenannte Quervernetzungen („Crosslinks“) zwischen den beiden DNA-Strängen, die nicht mehr repariert werden können. Die Folge: Die Tumorzelle kann sich nicht mehr teilen und stirbt durch programmierten Zelltod (Apoptose).

Wichtig: Diese Wirkung ist nicht selektiv auf Tumorzellen beschränkt: auch gesunde Zellen werden getroffen. Die Vorteile bei intravesikaler Anwendung: Die Substanz wirkt primär auf der Blasenschleimhaut, und das Blasengewebe absorbiert nur sehr geringe Mengen ins Blut, sodass systemische Nebenwirkungen praktisch ausbleiben.

Mitomycin wirkt schnell: die Konzentration in der Tumorzelle erreicht innerhalb von 30 Minuten ihr Maximum. Deshalb sind kurze Einwirkzeiten (1-2 Stunden) ausreichend. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, anders als bei BCG, wo erst eine Immunantwort aufgebaut werden muss.

Wichtig zum Wirkungsverlust: Mitomycin C ist instabil bei saurem pH und bei Verdünnung. Eine Alkalisierung des Urins vor der Instillation, etwa mit Natriumbicarbonat, gehört zu den Maßnahmen, mit denen die Wirkung verbessert werden soll. Belegt ist der Nutzen des Gesamtpakets aus Dosis, Konzentration und Alkalisierung, nicht der Beitrag der Alkalisierung allein. Auch konzentrierte Lösungen (40 mg in 20 ml statt 40 ml Wasser) und längere Einwirkzeit verstärken die Wirkung. Diese Optimierungen werden zunehmend in die Routine übernommen.

HIVEC: Hyperthermie-verstärkte Mitomycin-Therapie

Mit Wärme (Hyperthermie) soll sich die Wirkung von Mitomycin steigern lassen. Bei der Hyperthermic Intravesical Chemotherapy (HIVEC) wird die Mitomycin-Lösung auf 43°C erwärmt und kontinuierlich durch die Blase gepumpt. Die Wärme erhöht sowohl die Aufnahme des Wirkstoffs in die Blasenwand als auch die direkte zelltoxische Wirkung.

Wie es funktioniert: Über einen speziellen Katheter wird die erwärmte Mitomycin-Lösung in einem geschlossenen Kreislauf durch die Blase gepumpt, meist mit dem Combat-BRS-System oder ähnlichen Geräten. Die Behandlung dauert 60 Minuten bei konstant gehaltenen 42-43°C. Anschließend wird die Lösung abgelassen.

Wirksamkeit: Die Studienlage ist uneinheitlich. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 fand weniger Rückfälle als mit Standard-Mitomycin. Die randomisierte HIVEC-II-Studie bei intermediärem Risiko zeigte dagegen keinen Vorteil gegenüber Mitomycin bei Raumtemperatur. Im Vergleich mit BCG fanden kleinere Studien ähnliche Ergebnisse, etwa die HIVEC-HR-Studie bei Hochrisiko-Tumoren. Insbesondere bei BCG-Mangel oder -Unverträglichkeit ist HIVEC eine ernsthafte Alternative.

Verträglichkeit: In Studien traten insgesamt ähnlich viele Nebenwirkungen auf wie unter BCG, Fieber aber seltener. Die häufigsten Beschwerden sind Pollakisurie, Blasenirritation und leichte Schmerzen.

Limitierungen: Höhere Gerätekosten (HIVEC-Maschine), nicht überall verfügbar, längere Behandlungszeit. In Deutschland verfügbar an spezialisierten urologischen Zentren.

HIVEC-Sitzung: Komplexer. Spezielles Gerät (zum Beispiel Combat BRS) erwärmt die Mitomycin-Lösung auf 43°C und pumpt sie kontinuierlich durch die Blase. Sitzung dauert etwa 60 Minuten. Patient ist während der Behandlung nicht mobil. Erfordert spezialisiertes Personal.

EMDA: Elektromotorische Drug-Administration

Eine zweite Optimierungsmethode ist die Electromotive Drug Administration (EMDA). Hier wird die Mitomycin-Lösung mit einem leichten elektrischen Strom (etwa 20 mA) durch die Blasenwand „transportiert“, die Aufnahme in die tieferen Schichten der Schleimhaut wird damit deutlich verbessert.

EMDA wird in einigen Studien als präoperative Anwendung getestet (vor TUR-B) oder als adjuvante Erhaltungstherapie. Eine randomisierte Studie aus Italien zeigte über rund sieben Jahre Beobachtung Vorteile gegenüber Standard-Mitomycin bei erstmals aufgetretenem NMIBC.

Wie HIVEC ist EMDA technisch aufwändiger als Standard-Mitomycin und nur an Zentren verfügbar, die das entsprechende Equipment vorhalten. In Deutschland ist die Methode nur an wenigen Häusern etabliert.

Zusduri (UGN-102): FDA-Zulassung Juni 2025

Die wichtigste Innovation der letzten Jahre ist Zusduri (chemisch UGN-102): eine Hydrogel-Formulierung von Mitomycin, die am 12. Juni 2025 von der FDA zugelassen wurde. Sie ist die erste FDA-zugelassene medikamentöse Therapie für rezidivierendes LG-IR-NMIBC ohne erforderliche TUR-B.

Wie es funktioniert: Mitomycin ist in einem reversen Hydrogel gebunden, das bei Körpertemperatur fest wird und sich erst über mehrere Stunden langsam auflöst. Dadurch bleibt die Wirkstoffkonzentration in der Blase deutlich länger hoch als bei normaler Mitomycin-Lösung, die effektive Therapiezeit pro Sitzung wird vervielfacht. Eine Gabe enthält 75 mg Mitomycin in 56 ml Hydrogel.

Wirksamkeit (ENVISION-Studie): 240 Patienten mit rezidivierendem LG-IR-NMIBC erhielten 6 wöchentliche Instillationen.

  • 80 Prozent komplette Ansprechrate (CR) nach drei Monaten
  • 82 Prozent von ihnen ein Jahr später noch rezidivfrei: mehrheitlich anhaltendes Ansprechen
  • Damit ist Zusduri in den USA die erste zugelassene medikamentöse Alternative zur erneuten TUR-B bei rezidivierenden niedriggradigen Tumoren mit intermediärem Risiko

Bedeutung: Patienten mit häufig rezidivierenden, klein-papillären Tumoren mussten bisher immer wieder unter Narkose operiert werden. Zusduri könnte diese OPs deutlich seltener machen, eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität bei dieser meist älteren Patientengruppe.

Limitierung: Die FDA-Zulassung erfolgte gegen ein knappes ODAC-Votum (4-5), es gibt Bedenken zur fehlenden randomisierten Vergleichsstudie. Die ENVISION-Studie ist eine einarmige Phase-3-Studie ohne Vergleichsgruppe. Langzeitdaten werden weiter erhoben. In Deutschland ist Zusduri (Stand Mai 2026) noch nicht zugelassen.

Fragen an meinen Arzt

Diese Fragen helfen, das Gespräch zu strukturieren. Über die Druckfunktion können Sie die Liste mitnehmen.

Warum Mitomycin und nicht BCG bei meinem Tumor?
Wie viele Gaben sind geplant?
Wie verhalte ich mich nach der Instillation beim Wasserlassen?
Welche Hautreaktionen muss ich beachten?
Wann ist die nächste Blasenspiegelung?

Häufige Fragen (FAQ)

Bei Niedrigrisiko-Tumoren ist Mitomycin Standard, BCG wäre dort überdosiert mit höherem Nebenwirkungsrisiko. Auch bei intermediärem Risiko kann Mitomycin gleichwertig sein. Außerdem ist Mitomycin oft die bessere Wahl bei Patienten mit Immunschwäche, aktiver Tuberkulose, fortgeschrittenem Alter, Multimorbidität oder bei BCG-Unverträglichkeit. Bei Hochrisiko-Tumoren ist BCG hingegen klar wirksamer und sollte bevorzugt werden, wenn verfügbar und verträglich. Welches in Ihrem Fall passt, bespricht der Urologe nach Pathologie und Allgemeinzustand.

Anders als bei BCG sind keine Bleichlösungs-Desinfektionen der Toilette nötig, Mitomycin ist kein Lebendpräparat und nicht ansteckend. Trotzdem gilt für die ersten 6-12 Stunden: gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang, Männer im Sitzen pinkeln, Spritzer vermeiden. Mitomycin-Reste auf der Haut können Reizungen verursachen. Generell: viel trinken (2-3 Liter), normale Aktivität ist sofort erlaubt, Geschlechtsverkehr in den ersten Tagen nach der Gabe am besten mit Kondom.

HIVEC steht für Hyperthermic Intravesical Chemotherapy, Mitomycin bei 43°C in einem Kreislauf-System. Die Wärme soll die Wirkung verstärken. Ob HIVEC besser wirkt als Standard-Mitomycin, ist aber nicht sicher: Die größte randomisierte Studie bei intermediärem Risiko fand keinen Vorteil. Im Vergleich mit BCG zeigten kleinere Studien ähnliche Ergebnisse. Bei BCG-Mangel oder BCG-Unverträglichkeit ist HIVEC eine ernsthafte Alternative. Limitierungen: höhere Gerätekosten, nicht überall verfügbar, längere Sitzungsdauer. In Deutschland nur an spezialisierten Zentren.

Zusduri (chemisch UGN-102) ist eine 2025 von der FDA zugelassene Hydrogel-Formulierung von Mitomycin. Das Hydrogel verlängert die Verweildauer in der Blase deutlich und steigert damit die Wirksamkeit. In der ENVISION-Studie zeigten 80 Prozent der Patienten mit rezidivierendem LG-IR-NMIBC eine komplette Tumorregression nach drei Monaten. Von ihnen waren ein Jahr später noch 82 Prozent rezidivfrei. Damit könnte Zusduri bei häufig rezidivierenden niedriggradigen Tumoren wiederholte TUR-Bs ersparen. In Deutschland (Stand Mai 2026) ist Zusduri noch nicht zugelassen. Hier werden die klassischen Mitomycin-Schemata verwendet.

Nein. Bei muskelinvasivem Blasenkrebs (T2 oder höher) reicht die Eindringtiefe von Mitomycin in die Blasenwand nicht aus, das Mittel erreicht den tieferen Tumor nicht in wirksamer Konzentration. Hier ist die Therapie radikal anders: radikale Zystektomie mit neoadjuvanter systemischer Chemotherapie, alternativ in ausgewählten Fällen eine Trimodal-Therapie aus maximaler TUR-B + Bestrahlung + systemischer Chemotherapie. Als Blasenspülung wird Mitomycin hier nicht verwendet. Als Infusion kann es aber zusammen mit 5-FU Teil der Radiochemotherapie sein.

War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, die Inhalte zu verbessern.

Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer (TaT1 and CIS). Ausgabe 2025.

• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. AWMF-Registernummer 032-038OL, 2025.

Studien

• Sylvester, R. J. et al. (2004). A single immediate postoperative instillation of chemotherapy decreases the risk of recurrence in patients with stage Ta T1 bladder cancer: a meta-analysis of published results of randomized clinical trials. Journal of Urology, 171(6 Pt 1), 2186-2190. PMID 15126782

• Sylvester, R. J. et al. (2016). Systematic Review and Individual Patient Data Meta-analysis of Randomized Trials Comparing a Single Immediate Instillation of Chemotherapy After Transurethral Resection with Transurethral Resection Alone in Patients with Stage pTa-pT1 Urothelial Carcinoma of the Bladder: Which Patients Benefit from the Instillation? European Urology, 69(2), 231-244. PMID 26091833

• Tan, W. S. et al. (2023). Adjuvant Intravesical Chemohyperthermia Versus Passive Chemotherapy in Patients with Intermediate-risk Non-muscle-invasive Bladder Cancer (HIVEC-II): A Phase 2, Open-label, Randomised Controlled Trial. European Urology, 83(6), 497-504. PMID 35999119

Verwandte Artikel

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation.