Die Zeichen sind eindeutig, wenn man sie kennt: Luft oder Stuhlbeimengungen im Urin, ständiger Urinverlust über die Scheide, wiederkehrende Infekte, die nicht ausheilen.
Ursachen sind meist eine Divertikelerkrankung des Darms, eine frühere Bestrahlung, eine Operation oder ein Tumor.
Von allein schließt sich eine Fistel selten. Die Behandlung ist fast immer operativ, und sie wird erst geplant, wenn die Ursache geklärt ist.
Eine Blasenfistel ist ein krankhafter Gang zwischen der Blase und einem Nachbarorgan. Weil die Blase im Becken direkt an Darm, Scheide und Haut grenzt, gibt es mehrere Varianten, und jede erzeugt ein eigenes, sehr charakteristisches Beschwerdebild.
Fisteln sind selten, aber sie werden oft spät erkannt, weil die Beschwerden zunächst als wiederkehrende Harnwegsinfekte fehlgedeutet werden.

Am Anfang steht die genaue Schilderung, die häufig bereits die Richtung vorgibt. Ergänzt wird sie durch die Blasenspiegelung, bei der die Öffnung oft direkt sichtbar ist, und durch Schnittbildgebung mit Kontrastmittel, die den Verlauf des Gangs und die zugrunde liegende Erkrankung zeigt.
Bei Verdacht auf eine Verbindung zur Scheide hilft ein einfacher Test: Die Blase wird mit gefärbter Flüssigkeit gefüllt, und ein in die Scheide eingelegter Tupfer wird anschließend beurteilt. Färbt er sich, ist die Diagnose gesichert.
Bei einer Verbindung zum Darm gehören zusätzlich eine Darmspiegelung und die Abklärung der Grunderkrankung dazu.
Fisteln heilen nur in Ausnahmefällen von selbst. Eine sehr kleine, frisch entstandene Verbindung zur Scheide kann unter mehrwöchiger Katheterableitung verschließen, ansonsten ist die Operation der Weg.
Der Eingriff besteht darin, den Fistelgang vollständig zu entfernen und die beteiligten Organe getrennt zu verschließen. Entscheidend ist, dass zwischen die Nahtreihen gesundes Gewebe gelegt wird, etwa Fettgewebe oder ein Muskellappen. Ohne diese Zwischenlage liegen die Nähte direkt aufeinander, und die Fistel bildet sich häufig neu.
Bei einer Verbindung zum Darm wird zusätzlich das erkrankte Darmsegment entfernt, weil sonst die Ursache bestehen bliebe.
Der Zeitpunkt ist wichtig. Bei entzündetem oder bestrahltem Gewebe wird nicht sofort operiert, sondern erst nach einer Ruhephase von einigen Wochen bis Monaten, in der der Urin abgeleitet und die Entzündung behandelt wird. Diese Wartezeit fühlt sich für Betroffene falsch an, verbessert die Erfolgsaussichten aber erheblich.
Fisteln nach einer Strahlentherapie sind ein eigener Fall. Das Gewebe ist schlecht durchblutet, heilt langsam und neigt zu erneuten Fisteln. Hier ist die Einbringung von gut durchblutetem Gewebe von außen besonders wichtig, und in manchen Situationen ist eine dauerhafte Harnableitung die ehrlichere Lösung als ein wiederholter Verschlussversuch.
Diese Entscheidung sollte an einem Zentrum mit Erfahrung getroffen werden, gemeinsam von Urologie, Viszeralchirurgie und gegebenenfalls Gynäkologie.
Die Zeit bis zum Eingriff ist belastend, vor allem durch Geruch und Nässe. Was hilft: eine passende Versorgung mit Hilfsmitteln, konsequenter Hautschutz mit Zinkpaste oder einem Hautschutzfilm, und reichlich Trinken, weil verdünnter Urin weniger riecht und die Haut weniger reizt.
Sprechen Sie den Geruch aktiv an, statt ihn zu verschweigen. Er ist der häufigste Grund für sozialen Rückzug bei diesem Krankheitsbild, und er lässt sich mit der richtigen Versorgung deutlich verringern.
Weltweit ist die Blasenscheidenfistel vor allem eine Folge langer, unversorgter Geburten: Der Kopf des Kindes drückt über Stunden oder Tage Blase und Scheidenwand gegen das Schambein, das Gewebe stirbt ab, und es entsteht eine Verbindung. Schätzungsweise zwei Millionen Frauen in Afrika und Südasien leben mit einer solchen Fistel, die sie inkontinent und oft sozial ausgestoßen macht. Organisationen wie die Fistula Foundation und Ärzte ohne Grenzen betreiben Fistelkliniken, in denen die Operation, die in Deutschland Routine ist, vielen Frauen ihr Leben zurückgibt.
In Deutschland und anderen Industrieländern sind Geburtsfisteln durch den Kaiserschnitt praktisch verschwunden. Hier entstehen 80 bis 90 Prozent der Blasenscheidenfisteln nach gynäkologischen Operationen, vor allem nach Entfernung der Gebärmutter, bei etwa einer von 1.000 Operationen, häufiger bei Krebsoperationen, Endometriose, Voroperationen und nach Bestrahlung. Die übrigen entstehen nach Bestrahlung, bei fortgeschrittenen Tumoren und nach Verletzungen. Blasendarmfisteln sind dagegen meist Folge einer Divertikulitis des Dickdarms, seltener von Morbus Crohn oder Darmkrebs.
Kleine Fisteln, die innerhalb weniger Tage nach einer Operation erkannt werden, können manchmal ohne Operation heilen: Ein Dauerkatheter über zwei bis vier Wochen hält die Blase leer und drucklos, sodass die Ränder der Fistel sich aneinanderlegen und verwachsen können. Das gelingt bei etwa 10 bis 20 Prozent der frischen, kleinen Fisteln unter drei bis fünf Millimetern, praktisch nie bei älteren oder größeren. Ergänzend werden Antibiotika gegen den begleitenden Infekt und bei Frauen nach den Wechseljahren lokale Östrogene gegeben, die die Gewebequalität verbessern.
Bei Blasendarmfisteln ist ein konservativer Versuch nicht sinnvoll, weil der Darminhalt die Heilung verhindert und Infekte unterhält. Hier wird die Darmerkrankung behandelt und das betroffene Darmstück entfernt. Die Zeit bis zur Operation wird mit Antibiotika überbrückt, bei schweren Infekten vorübergehend mit einem künstlichen Darmausgang. Bei allen Fisteln gilt: Wer nach einer Operation im Becken ständig Urin verliert, Luft oder Stuhl im Urin bemerkt oder wiederholt Harnwegsinfekte bekommt, sollte gezielt nach einer Fistel fragen. Sie wird häufig über Monate als Inkontinenz oder Infekt behandelt, bevor jemand an sie denkt.
Nur selten, und dann bei sehr kleinen, frischen Verbindungen unter durchgehender Katheterableitung über mehrere Wochen. Bei bestehender Grunderkrankung, bei größeren Fisteln und nach Bestrahlung ist damit nicht zu rechnen.
Bei nicht bestrahltem Gewebe und einem sorgfältig geplanten Ersteingriff sind die Aussichten gut. Entscheidend ist, dass der erste Versuch der beste ist: Jeder erfolglose Verschluss vernarbt das Gebiet zusätzlich. Deshalb gehört auch der erste Eingriff in erfahrene Hände.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer (TaT1 and CIS). Ausgabe 2025.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. Ausgabe 2025.
• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. AWMF-Registernummer 032-038OL, 2024.