Typisch sind Blut im Urin, häufiger Harndrang und Schmerzen, oft Monate bis Jahre nach der Bestrahlung. Deshalb wird der Zusammenhang häufig übersehen.
Behandelt wird abgestuft: zuerst Spülungen und Medikamente, dann eine Verödung der blutenden Stellen bei der Blasenspiegelung, in schweren Fällen eine Sauerstoffdrucktherapie.
Eine starke Blutung mit Gerinnseln, bei der kein Wasser mehr gelassen werden kann, kann ein Notfall sein.
Eine starke Blutung, bei der die Blase sich nicht mehr entleeren lässt, kann ein Notfall sein. Die Blase muss gespült werden.
Bei der Strahlenzystitis ist die Blasenschleimhaut durch eine Strahlentherapie im Beckenbereich geschädigt. Betroffen sind Menschen nach Bestrahlung wegen Prostatakrebs, Gebärmutterhals-, Gebärmutter- oder Enddarmkrebs.
Zu unterscheiden sind zwei Formen, die wenig miteinander zu tun haben.
Die akute Form tritt während oder kurz nach der Bestrahlung auf, mit Brennen und häufigem Drang. Sie klingt in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen von selbst ab.
Die chronische Form entwickelt sich Monate bis Jahre später, mitunter erst nach zehn oder mehr Jahren. Sie ist die eigentlich problematische, weil sie fortschreiten kann.

Die Strahlung schädigt nicht nur die Schleimhaut, sondern vor allem die kleinen Blutgefäße der Blasenwand. Sie verengen sich über Jahre, das Gewebe wird schlechter durchblutet, und der Körper bildet als Ausgleich neue, dünnwandige und brüchige Gefäße direkt unter der Oberfläche.
Genau diese Gefäße bluten. Deshalb ist das führende Symptom der chronischen Form nicht der Schmerz, sondern die Blutung, oft schmerzlos und in Schüben.
Parallel vernarbt das Gewebe. Die Blase wird kleiner und weniger dehnbar, was Drang und häufiges Wasserlassen erklärt.
Blut im Urin nach einer Bestrahlung ist nicht automatisch eine Strahlenzystitis. Zwei andere Ursachen müssen geklärt werden, bevor die Diagnose steht.
Erstens ein Tumor, denn eine Bestrahlung im Becken erhöht langfristig das Risiko für Zweittumoren der Blase. Zweitens ein Rückfall der Grunderkrankung.
Deshalb gehört zur Abklärung immer eine Blasenspiegelung, ergänzt um Urinuntersuchung und je nach Situation eine Schnittbildgebung der Harnwege. Das ist keine Übervorsicht, sondern Standard.
Es gibt keine Behandlung, die das geschädigte Gewebe wiederherstellt. Vorgegangen wird von der geringsten Belastung aufwärts.
Bei leichter Blutung: reichlich trinken, Beobachtung, Behandlung von Infekten und Anpassung gerinnungshemmender Medikamente in Absprache mit dem verordnenden Arzt.
Bei stärkerer Blutung: Blasenspülung über einen Katheter, um Gerinnsel auszuschwemmen, und endoskopische Verödung der blutenden Gefäße. Letztere wirkt zuverlässig, muss aber gelegentlich wiederholt werden.
Bei wiederkehrender Blutung: Instillationen in die Blase mit verschiedenen Substanzen, die die Schleimhaut abdichten oder die Blutung stillen.
Die hyperbare Sauerstofftherapie nimmt eine Sonderstellung ein. In einer Druckkammer wird über mehrere Wochen reiner Sauerstoff unter erhöhtem Druck geatmet, was die Neubildung gesunder Gefäße im geschädigten Gewebe anregt. Sie ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt, und zeigt in Untersuchungen gute Ergebnisse. Der Aufwand ist erheblich, mit etwa dreißig bis vierzig Sitzungen, und die Kostenübernahme sollte vorher geklärt werden.
Als letzte Möglichkeit bleiben operative Verfahren bis zur Entfernung der Blase mit Harnableitung. Sie kommen nur bei anders nicht beherrschbarer Blutung oder einer geschrumpften, schmerzhaften Blase infrage.
Ausreichend trinken verdünnt den Urin und verringert die Reizung. Vermeiden Sie Verstopfung und schweres Pressen, weil beides den Druck im Becken erhöht.
Rauchen verschlechtert die ohnehin gestörte Durchblutung zusätzlich und erhöht das Risiko für einen Zweittumor der Blase. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem sich das Aufhören besonders lohnt, dann hier.
Führen Sie ein einfaches Protokoll über Blutungsepisoden. Es hilft bei der Entscheidung, ob eine Behandlung wirkt, weil die Schübe sonst schwer vergleichbar sind.
Die Behandlung in der Druckkammer ist die einzige Therapie, die an der Ursache ansetzt: Sie fördert das Einsprossen neuer Blutgefäße in das bestrahlte, schlecht durchblutete Gewebe. Der Patient atmet in einer Kammer bei 2,0 bis 2,5 Atmosphären Druck reinen Sauerstoff, 90 Minuten pro Sitzung, an fünf Tagen pro Woche, insgesamt 30 bis 40 Sitzungen. Der Sauerstoff wird unter Druck im Blutplasma gelöst und erreicht Gewebe, das über die geschädigten Gefäße nicht mehr versorgt wird.
In Studien und Registern besserten sich Blutungen und Beschwerden bei 60 bis 80 Prozent der Patienten, und der Effekt hielt bei den meisten über Jahre an. Je früher nach Beginn der Blutungen behandelt wird, desto besser die Ergebnisse. Nebenwirkungen sind Druckgefühl in den Ohren, vorübergehende Kurzsichtigkeit und selten Sauerstoffkrämpfe. Nicht möglich ist die Behandlung bei unbehandeltem Pneumothorax und Platzangst. Die Druckkammern sind nicht flächendeckend vorhanden, und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bei Strahlenzystitis bislang nur auf Antrag im Einzelfall, was viele Patienten und Ärzte nicht wissen.
Die Blase ist selten allein geschädigt. Bei der Bestrahlung der Prostata liegt der Enddarm unmittelbar dahinter, bei der Bestrahlung von Gebärmutter oder Enddarm liegt die Blase davor. Die Strahlenproktitis mit Schleim- und Blutabgang, Drang und Schmerzen beim Stuhlgang folgt denselben Mechanismen wie die Strahlenzystitis und wird ähnlich behandelt: zunächst mit Zäpfchen und Einläufen, bei Blutungen mit Argon-Plasma-Koagulation oder Formalin, bei schweren Verläufen ebenfalls mit hyperbarem Sauerstoff, der beide Organe gleichzeitig erreicht.
Weitere Spätfolgen im bestrahlten Becken sind Harnröhrenengen, Harnleiterengen mit Nierenstau, eine verkleinerte Schrumpfblase mit ständigem Drang und sehr selten Fisteln zwischen Blase und Darm oder Scheide. Moderne Bestrahlungstechniken mit bildgeführter Präzision und Abstandhaltern zwischen Prostata und Enddarm haben diese Folgen seltener gemacht, aber sie treten weiterhin bei etwa fünf bis zehn Prozent der Bestrahlten in milder und bei ein bis drei Prozent in schwerer Form auf, oft erst nach fünf bis zehn Jahren. Wer bestrahlt wurde, sollte Blut im Urin oder Stuhl auch Jahre später ernst nehmen und abklären lassen, nicht zuletzt, weil bestrahltes Gewebe ein leicht erhöhtes Risiko für Zweittumoren hat.
Ja. Die chronische Form zeigt sich typischerweise Monate bis Jahre nach der Bestrahlung, in Einzelfällen erst nach über zehn Jahren. Deshalb gehört jede neue Blutung im Urin abgeklärt, unabhängig davon, wie lange die Therapie zurückliegt.
Nein. Die Strahlenzystitis ist eine bekannte, aber seltene Spätfolge einer Behandlung, die in der Regel eine Krebserkrankung geheilt oder kontrolliert hat. Moderne Bestrahlungstechniken schonen die Blase deutlich besser als frühere, weshalb die Häufigkeit gesunken ist.
Nein. Die Ursache ist keine Infektion, sondern eine Gefäß- und Gewebeschädigung. Pflanzliche Mittel wirken darauf nicht. Wichtiger ist, dass eine begleitende Infektion erkannt und behandelt wird, weil sie die Blutung verstärken kann.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer (TaT1 and CIS). Ausgabe 2025.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. Ausgabe 2025.
• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. AWMF-Registernummer 032-038OL, 2024.