Wer bei Prostatakrebs nur Urologen fragt, bekommt selten eine ausgewogene Darstellung der Bestrahlung. Operation und Strahlentherapie stehen bei den meisten Patienten als gleichwertige Wege nebeneinander.
Deshalb sitzt jetzt ein Strahlentherapeut in unserem Medical Board.
Zwei weitere Perspektiven waren uns ebenso wichtig: die rekonstruktive Chirurgie des Beckenbodens und die ambulante Versorgung, in der die meisten Menschen ihre urologische Behandlung tatsächlich erleben.
Ein Medical Board ist nur so viel wert wie die Fächer, die darin vertreten sind. Bei einer Seite über Urologie liegt es nahe, sie mit Urologen zu besetzen. Genau das ist aber die Schwäche: Manche der wichtigsten Entscheidungen in der Urologie werden nicht von Urologen allein getroffen.
Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom stehen die radikale Prostatektomie und die Strahlentherapie in den Leitlinien als gleichwertige Optionen nebeneinander. Für die Lebensqualität unterscheiden sie sich erheblich: Die Operation führt häufiger zu Inkontinenz, die Bestrahlung häufiger zu Reizungen von Darm und Blase. Welcher Weg der richtige ist, hängt vom Befund, vom Alter und davon ab, was der einzelne Mann in Kauf nehmen will.

Wer diese Entscheidung nur aus urologischer Sicht beschreibt, gewichtet zwangsläufig schief. Deshalb haben wir Dr. med. Peter Stoll gefragt. Er ist seit 2002 Facharzt für Strahlentherapie und leitet die Strahlentherapie Pasing am Klinikum München-West.
Seine Laufbahn führte ihn von der Strahlentherapie und radiologischen Onkologie am Klinikum rechts der Isar über Landshut, Leverkusen und Rosenheim nach München. In Leverkusen baute er ein Zentrum für die interventionelle Strahlentherapie der Prostata auf, in Rosenheim leitete er das Prostatakarzinom-Zentrum. Er trägt die Zusatzbezeichnung für interventionelle Strahlentherapie über das gesamte Gebiet und die Qualifikation für stereotaktisch geführte Präzisionsbestrahlung. Seit 2020 ist er zusätzlich medizinischer Direktor eines Zentrums für Strahlentherapie und Nuklearmedizin in Tiflis.
Dr. med. Bernhard Liedl ist Chefarzt für Urologie an der Urologischen Klinik München-Planegg und leitet dort das Zentrum für rekonstruktive Urogenitalchirurgie. Zuvor arbeitete er zwanzig Jahre an der Ludwig-Maximilians-Universität, zuletzt als leitender Oberarzt, danach zehn Jahre als Chefarzt am Beckenbodenzentrum München.

Sein Spektrum reicht von der Beckenbodenrekonstruktion über die Inkontinenzchirurgie bis zu geschlechtsangleichenden Operationen, die er seit 1991 durchführt. Er hat 65 Originalarbeiten und 40 Buchbeiträge veröffentlicht, 290 wissenschaftliche Vorträge gehalten und ist Herausgeber des Tumormanuals zu urogenitalen Tumoren. Er war Präsident der International Society for Pelviperineology und ist Schriftführer im Arbeitskreis Geschlechtsinkongruenz der Deutschen Gesellschaft für Urologie.
Für UroWissen hat er die beiden Artikel zur überaktiven Blase durch Senkung und zur Blasenentleerungsstörung bei der Frau geprüft. Beide beschreiben einen Zusammenhang, der in der Sprechstunde selten zur Sprache kommt: Bei Frauen kann derselbe Harndrang, der als Blasenproblem behandelt wird, seine Ursache in überdehnten Haltebändern im Becken haben.
Die dritte Perspektive kommt nicht aus der Klinik. Jan Lopez leitet das Management von sechs urologischen Medizinischen Versorgungszentren in München.

Das klingt nach Verwaltung, ist aber eine eigene Fachkenntnis. Wer sechs Zentren führt, weiß, welche Leistung die Kasse übernimmt und welche nicht, wann eine Praxis selbst behandelt und wann sie in die Klinik überweist, wie lange man auf welchen Termin wartet und was zwischen Praxis und Krankenhaus tatsächlich passiert. Diese Fragen stellen Patienten ständig, und sie stehen in keiner Leitlinie.
Er hat die Artikel zu den Kassenleistungen in der Urologie und zum ersten Termin beim Urologen gegengelesen.