Kastrationsresistenz bezeichnet den Zustand, in dem ein Prostatakrebs trotz wirksamer Hormonentzugstherapie weiterwächst. Erkennbar ist das an einem steigenden PSA-Wert oder neuen Metastasen, während der Testosteronspiegel im Blut auf Kastrationsniveau unter 50 ng/dl liegt. Die Bezeichnung kastrationsresistentes Prostatakarzinom, kurz CRPC, hat den älteren Begriff hormonrefraktär abgelöst.
Wie sie entsteht: Die Tumorzellen passen sich an: Sie vermehren ihre Hormonrezeptoren, machen sie überempfindlich, stellen selbst Hormone her oder aktivieren den Rezeptor ohne Hormon. Der Tumor bleibt also hormonabhängig, braucht aber nur noch winzige Mengen. Deshalb wird die Hormonentzugstherapie auch nach Eintritt der Resistenz fortgeführt und nicht beendet.
Zeitpunkt: Im Mittel tritt die Kastrationsresistenz zwei bis drei Jahre nach Beginn der Hormontherapie ein, bei manchen Männern nach wenigen Monaten, bei anderen erst nach über zehn Jahren. Unterschieden wird, ob bereits Metastasen vorliegen (mCRPC) oder nur der PSA-Wert steigt (nmCRPC); die Verdopplungszeit des PSA-Werts bestimmt die Dringlichkeit.
Behandlung: Die Zahl wirksamer Medikamente ist in den letzten 15 Jahren stark gewachsen: neue Hormonwirkstoffe wie Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid und Darolutamid, Chemotherapie mit Docetaxel oder Cabazitaxel, PARP-Hemmer bei Mutationen in DNA-Reparaturgenen, die Radioligandentherapie mit Lutetium-PSMA und bei Knochenmetastasen Radium-223. Die Reihenfolge richtet sich nach Vorbehandlung, Beschwerden, Tumorgenetik und Allgemeinzustand. Viele Männer leben heute mehrere Jahre mit kastrationsresistentem Prostatakrebs.