Äußeres Genital

Klimakterium virile (Altershypogonadismus)

Klimakterium virile: warum der Vergleich mit den Wechseljahren nicht trägt, wie richtig gemessen wird und welche zwei Ursachen zuerst behandelt gehören.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
Zuletzt überarbeitet: August 2026
In einfachen WortenDer Testosteronspiegel sinkt beim Mann mit den Jahren langsam ab, etwa ein Prozent im Jahr. Das ist normal und meist ohne Folgen.Weiterlesen

Von einem Mangel spricht man erst, wenn niedrige Werte mit Beschwerden zusammentreffen: Antriebslosigkeit, Verlust der Libido, Muskelabbau, depressive Verstimmung.

Der Wert allein reicht nicht für eine Diagnose. Er schwankt im Tagesverlauf und muss morgens und mindestens zweimal gemessen werden.

Eine Hormongabe ohne nachgewiesenen Mangel schadet mehr, als sie nützt. Sie unterdrückt die eigene Produktion und die Bildung von Samenzellen.

Warum der Vergleich mit den Wechseljahren hinkt

Der Begriff Klimakterium virile suggeriert eine Entsprechung zu den Wechseljahren der Frau. Diese Entsprechung gibt es nicht, und das Missverständnis führt regelmäßig zu falschen Erwartungen.

Bei der Frau versiegt die Hormonproduktion innerhalb weniger Jahre, und das betrifft praktisch alle. Beim Mann sinkt das Testosteron ab etwa vierzig um durchschnittlich ein Prozent pro Jahr, langsam und individuell sehr unterschiedlich. Die meisten Männer bleiben lebenslang im Normbereich.

Der heute übliche Begriff lautet deshalb Altershypogonadismus, und er beschreibt eine Minderheit: Männer, bei denen tatsächlich zu wenig Testosteron gebildet wird und die darunter Beschwerden haben.

Die Beschwerden sind unspezifisch

Genannt werden Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Stimmungstief, Abnahme von Muskelmasse und Kraft, Zunahme des Bauchfetts, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Hitzewallungen.

Das Problem: Alle diese Beschwerden treten auch bei Depression, Schilddrüsenunterfunktion, Schlafapnoe, Diabetes und schlicht bei Überlastung auf. Sie taugen deshalb nicht zur Diagnose.

Aussagekräftiger sind drei sexuelle Zeichen, die deutlich enger mit dem Testosteronspiegel zusammenhängen: nachlassendes sexuelles Verlangen, seltener werdende morgendliche Erektionen und Erektionsstörungen.

Blutproben im Labor
Gemessen wird morgens zwischen sieben und elf Uhr und mindestens zweimal an verschiedenen Tagen, weil die Werte im Tagesverlauf stark schwanken.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Wie gemessen wird

Bestimmt wird das Gesamttestosteron im Blut, und dabei sind zwei Bedingungen wichtig, die häufig missachtet werden.

Morgens, zwischen sieben und elf Uhr, weil der Spiegel im Tagesverlauf deutlich abfällt. Ein nachmittags gemessener Wert ist nicht verwertbar.

Zweimal an verschiedenen Tagen, weil die Werte schwanken und ein einzelner niedriger Wert häufig beim zweiten Mal normal ausfällt.

Liegt der Wert im Graubereich, wird zusätzlich das Bindungsprotein SHBG bestimmt, um das frei verfügbare Testosteron zu berechnen. Bei erniedrigtem Wert werden außerdem LH und FSH gemessen, um zu klären, ob die Störung im Hoden selbst oder in der übergeordneten Steuerung liegt.

Zwei Ursachen, die zuerst geklärt gehören: Übergewicht senkt das Testosteron messbar, weil im Fettgewebe ein Enzym Testosteron in Östrogen umwandelt. Eine Gewichtsabnahme von zehn bis fünfzehn Prozent hebt den Spiegel bei vielen Männern wieder in den Normbereich, ohne jedes Medikament. Ebenso wirkt eine unbehandelte Schlafapnoe: Testosteron wird überwiegend im Tiefschlaf gebildet, und wer nachts hundertmal aufwacht, produziert weniger. Beide sind behandelbar, und beide werden häufig übersprungen, wenn stattdessen sofort Testosteron verordnet wird.

Wann behandelt wird

Nur wenn beides zusammenkommt: eindeutige Beschwerden und ein zweimalig bestätigter niedriger Wert. Ein niedriger Wert ohne Beschwerden wird nicht behandelt, Beschwerden bei normalem Wert ebenfalls nicht.

Zur Verfügung stehen Gel zur täglichen Anwendung auf die Haut, Depotspritzen im Abstand von zehn bis vierzehn Wochen und seltener Pflaster oder Implantate. Das Gel erlaubt die feinste Steuerung, die Spritze ist bequemer.

Was gegen eine Behandlung spricht

Aktueller Kinderwunsch. Testosteron von außen unterdrückt die körpereigene Steuerung und damit die Spermienbildung fast vollständig. Bei Kinderwunsch wird nicht Testosteron gegeben, sondern die Eigenproduktion angeregt.
Unbehandelter Prostatakrebs und Brustkrebs beim Mann.
Ein stark erhöhter Hämatokrit, weil Testosteron die Blutbildung ankurbelt und das Blut zähflüssiger wird.
Schwere unbehandelte Schlafapnoe und schwere Herzschwäche.

Die Kontrollen

Überprüft werden der Testosteronspiegel, das Blutbild mit Hämatokrit und der PSA-Wert, jeweils nach drei, sechs und zwölf Monaten, danach jährlich.

Der Hämatokrit ist dabei der Wert, der am häufigsten Anpassungen erzwingt. Steigt er über einen Grenzwert, wird die Dosis reduziert oder pausiert, weil sonst das Risiko für Gefäßverschlüsse steigt.

Bleiben die Beschwerden nach sechs Monaten unverändert, wird die Behandlung beendet. Dann war der niedrige Wert nicht die Ursache, und die Suche geht in eine andere Richtung weiter. Mehr dazu unter Testosteronmangel.

Was eine Behandlung wirklich bewirkt

Die größte Untersuchung dazu sind die amerikanischen Testosterone Trials mit knapp 800 Männern über 65 und bestätigt niedrigen Werten. Ein Jahr Testosterongel verbesserte Libido, sexuelle Aktivität und in geringerem Maß die Erektion, die Stimmung besserte sich leicht, die Gehstrecke und die Energie kaum. Die Knochendichte nahm zu, die Blutarmut besserte sich. Auf Gedächtnis und Denkleistung hatte die Behandlung keinen Einfluss. Das ist ein realistischer Maßstab: Wer vor allem unter Libidoverlust und Antriebslosigkeit leidet, profitiert, wer sich jünger fühlen möchte, wird enttäuscht.

Die 2023 veröffentlichte TRAVERSE-Studie mit über 5.000 Männern mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko beantwortete die lange offene Sicherheitsfrage: Unter Testosterongel traten Herzinfarkte und Schlaganfälle nicht häufiger auf als unter Placebo. Etwas häufiger waren Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschäden. Die Leitlinien sehen das Herzrisiko damit als nicht erhöht an, raten aber weiterhin, Männer mit kürzlichem Infarkt oder Schlaganfall zunächst nicht zu behandeln.

Was ohne Hormone hilft

Bei vielen Männern mit grenzwertigen Werten ist die Ursache behandelbar, ohne Testosteron zu geben. Zehn Prozent Gewichtsabnahme heben den Spiegel bei übergewichtigen Männern im Mittel um zwei bis drei nmol/l, weil Bauchfett Testosteron in Östrogen umwandelt. Die Behandlung einer Schlafapnoe mit Atemmaske normalisiert den Wert bei vielen Betroffenen innerhalb von Monaten. Eine gute Blutzuckereinstellung, Verzicht auf Alkohol über kleine Mengen hinaus und das Absetzen von Opioiden oder Anabolika wirken ebenso. Krafttraining hebt den Spiegel akut und verbessert Muskelkraft und Stimmung unabhängig vom Hormon.

Diese Maßnahmen sind kein Trost, sondern nach den Leitlinien der erste Schritt, bevor eine Dauertherapie begonnen wird. Wer sie drei bis sechs Monate konsequent umsetzt und dann immer noch Symptome und niedrige Werte hat, ist ein guter Kandidat für die Hormontherapie. Wer mit 50 unter Müdigkeit leidet und einen Wert von 13 nmol/l hat, ist es nicht.

Der Begriff selbst: Klimakterium virile, Andropause oder Wechseljahre des Mannes sind Schlagworte, keine Diagnosen. Die Fachgesellschaften sprechen von altersassoziiertem Hypogonadismus oder Late-Onset-Hypogonadismus, und sie betonen, dass er nur einen Teil der älteren Männer betrifft, etwa zwei bis fünf Prozent der über 60-Jährigen mit sowohl Symptomen als auch niedrigen Werten.

Häufige Fragen

Macht Testosteron wieder jung?

Nein. Bei nachgewiesenem Mangel bessern sich Libido, Antrieb, Muskelmasse und Knochendichte messbar. Bei normalem Ausgangswert ist kein Nutzen belegt, wohl aber Risiken. Die Anwendung als Anti-Aging-Mittel wird von den Fachgesellschaften ausdrücklich abgelehnt.

Muss ich das ein Leben lang nehmen?

In der Regel ja, solange der Nutzen anhält, weil die Eigenproduktion unter der Behandlung zusätzlich gedrosselt wird. Ein Absetzversuch ist möglich, führt aber meist zur Rückkehr der Beschwerden innerhalb von Wochen.

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Male Hypogonadism. Ausgabe 2024.

• Bhasin, S. et al. Testosterone Therapy in Men with Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2018;103(5):1715-1744. PMID 29562364

Reviews

• Bhasin, S. et al. Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2018;103(5):1715-1744. PMID 29562364

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