Therapie

Wenn BCG nicht mehr wirkt: zwei neue Wege, die Blase zu behalten

August 2026
In einfachen WortenBlasenkrebs, der nur die oberste Schicht der Blasenwand betrifft, wird über die Harnröhre abgetragen. Damit er nicht wiederkommt, wird danach oft ein Impfstoff in die Blase gefüllt, das sogenannte BCG. Es reizt die Blasenschleimhaut so, dass das Immunsystem verbliebene Krebszellen angreift.Weiterlesen

Bei einem Teil der Betroffenen wirkt BCG nicht oder nicht mehr. Dann spricht man von einem BCG-Versagen. Bisher blieb in dieser Lage meist nur, die Blase zu entfernen.

Seit 2026 gibt es in Europa zwei neue Medikamente, die ebenfalls in die Blase gefüllt oder mit BCG kombiniert werden. Sie können die Blasenentfernung bei einem Teil der Betroffenen vermeiden oder hinauszögern.

Beide sind neu und noch nicht überall verfügbar. Wer betroffen ist, sollte danach fragen.

Etwa drei von vier Blasentumoren wachsen bei der Erstdiagnose nur oberflächlich. Nach der Abtragung über die Harnröhre bekommen Betroffene mit hohem Rückfallrisiko eine Behandlung mit BCG in die Blase. Das ist seit Jahrzehnten der Standard und wirkt bei vielen gut.

Wenn der Tumor unter BCG dennoch wiederkommt oder fortschreitet, spricht man von einem BCG-unresponsiven Verlauf. Die Leitlinien empfehlen dann die vollständige Entfernung der Blase, die radikale Zystektomie. Das ist ein großer Eingriff mit einer neu gebauten Harnableitung und einschneidenden Folgen für den Alltag.

Was sich 2026 geändert hat

Im Dezember 2025 hat die Europäische Arzneimittelagentur eine bedingte Zulassung für Nogapendekin alfa inbakicept erteilt, Handelsname Anktiva. Der Wirkstoff ist ein Fusionsprotein, das über den Botenstoff Interleukin 15 die Abwehrzellen des Körpers verstärkt, vor allem natürliche Killerzellen und T-Zellen. Er wird zusammen mit BCG in die Blase gegeben. Grundlage ist eine Studie mit Betroffenen, deren Tumor auf BCG nicht mehr ansprach.

Im März 2026 hat der zuständige Ausschuss der Arzneimittelagentur zusätzlich eine bedingte Zulassung für Nadofaragene firadenovec empfohlen, Handelsname Adstiladrin. Dabei handelt es sich um eine Gentherapie, die ebenfalls in die Blase gefüllt wird. Sie bringt den Bauplan für einen körpereigenen Botenstoff in die Schleimhautzellen, die ihn daraufhin selbst herstellen.

Beide Mittel richten sich an dieselbe Gruppe: Betroffene mit oberflächlichem Blasenkrebs, hohem Risiko und fehlendem Ansprechen auf BCG, bei denen ein Carcinoma in situ vorliegt. Das ist eine flache, aggressive Form, die sich in der Schleimhaut ausbreitet.

Was bedingte Zulassung heißt

Beide Medikamente sind bedingt zugelassen. Das heißt, sie dürfen eingesetzt werden, obwohl noch nicht alle Studien abgeschlossen sind. Wirkung und Sicherheit werden weiter beobachtet, und die Hersteller müssen Daten nachliefern. Der Weg wird gewählt, wenn der Bedarf groß und die bisherige Alternative einschneidend ist. Genau das trifft hier zu.

Daraus folgt zweierlei. Erstens: Die Datenlage ist nicht so belastbar wie bei lange etablierten Therapien. Zweitens: Zwischen einer europäischen Zulassung und der tatsächlichen Verfügbarkeit in deutschen Kliniken liegen oft Monate.

Was das für Betroffene heißt

Die Blasenentfernung bleibt eine sichere und in vielen Fällen richtige Entscheidung. Sie ist das Verfahren mit den längsten Erfahrungswerten. Neu ist, dass sie nicht mehr die einzige Möglichkeit ist.

Wer vor dieser Entscheidung steht, kann fragen: Kommt in meiner Situation ein Verfahren zum Blasenerhalt infrage? Ist es an diesem Haus verfügbar oder an einem in der Nähe? Und was passiert, wenn es nicht wirkt, verschlechtert das Abwarten meine Aussichten?

Die letzte Frage ist die wichtigste. Ein Blasenerhalt setzt engmaschige Kontrollen voraus, mit regelmäßigen Blasenspiegelungen und Gewebeentnahmen. Wer diese Kontrollen nicht zuverlässig wahrnehmen kann oder will, ist mit der Entfernung besser beraten.

Eine Zweitmeinung an einem Zentrum mit hoher Fallzahl ist in dieser Lage sinnvoll. Welche Kliniken wie viele Blasenentfernungen durchführen, können Sie in unserem Klinikfinder nachsehen.

Quellen

Europäische Arzneimittelagentur: Meeting highlights des Ausschusses für Humanarzneimittel, März 2026, Empfehlung zur bedingten Zulassung von Adstiladrin (Nadofaragene firadenovec).
Europäische Arzneimittelagentur: bedingte Zulassung von Anktiva (Nogapendekin alfa inbakicept), Dezember 2025.
Deutsches Ärzteblatt: Interleukin-15-Superagonist wird neue Therapieoption bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs, Januar 2026.
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Krebsmedizin 2026, neue Entwicklungen im Überblick, Mai 2026.
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BlasenkrebsRadikale ZystektomieNeoblaseKlinikfinder
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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