In einfachen WortenEine Urethritis ist eine Entzündung der Harnröhre. Typisch sind Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss, vor allem morgens.Weiterlesen
Die häufigsten Erreger werden sexuell übertragen, meist Chlamydien oder Gonokokken. Deshalb gehört ein Test dazu, und die Partnerin oder der Partner muss mitbehandelt werden.
Ohne Behandlung kann sie aufsteigen und Nebenhoden, Prostata oder bei Frauen die Eileiter befallen. Unfruchtbarkeit ist eine mögliche Spätfolge.
Bis das Ergebnis vorliegt und die Behandlung abgeschlossen ist, sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
Entzündung der Harnröhre
Bei der Urethritis ist die Harnröhre entzündet, nicht die Blase. Der Unterschied ist wichtig, weil die Ursachen völlig andere sind: In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine sexuell übertragbare Infektion, und damit gehört die Behandlung des Partners oder der Partnerin dazu.
Typisch sind Brennen zu Beginn des Wasserlassens, Ausfluss aus der Harnröhre und ein Jucken oder Kribbeln am Harnröhrenausgang. Bei Frauen ist die Abgrenzung zur Blasenentzündung schwieriger, weil sich die Symptome überlagern.
Der Ausfluss kann klar und schleimig, milchig oder gelbgrün eitrig sein. Am stärksten ist er morgens vor dem ersten Wasserlassen, manchmal zeigt er sich nur als verklebte Harnröhrenöffnung oder als Fleck in der Unterwäsche. Nicht jeder Ausfluss ist eine Infektion: Die Prostata gibt bei sexueller Erregung ein klares Sekret ab, das normal ist. Auch eine Prostataentzündung, eine Harnröhrenenge oder die Reizung durch einen Katheter können Sekret erzeugen. Eitriger oder anhaltender Ausfluss gilt aber bis zum Beweis des Gegenteils als Harnröhrenentzündung.
Die beiden Formen
Die milderen Verläufe sind die tückischeren: Ein erheblicher Teil der Infektionen verläuft ganz ohne Symptome, bei Frauen häufiger als bei Männern. Unbehandelt können Chlamydien aufsteigen und bei Frauen die Eileiter schädigen, was zu Unfruchtbarkeit führen kann.
| Erreger | Ausfluss | Beschwerden | Inkubation |
|---|---|---|---|
| Chlamydia trachomatis | klar bis milchig, wenig | oft keine, leichtes Brennen | 1 bis 3 Wochen |
| Gonokokken (Gonorrhoe, Tripper) | eitrig, gelbgrün, reichlich | starkes Brennen, akut | 2 bis 7 Tage |
| Mycoplasma genitalium | klar, gering | Brennen, Jucken, wiederkehrend | 1 bis 4 Wochen |
| Trichomonaden | schaumig, gering | meist keine beim Mann | 5 bis 28 Tage |
| Herpes, Adenoviren | klar | Schmerzen, Bläschen | Tage |

Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.
Wie untersucht wird
Der Nachweis erfolgt heute molekularbiologisch, meist aus dem ersten Urinstrahl oder aus einem Abstrich. Getestet wird gleichzeitig auf mehrere Erreger, weil Doppelinfektionen häufig sind.
Wichtig für die Probenentnahme: Es soll der Urin vom Anfang des Strahls verwendet werden, nicht der Mittelstrahl wie bei der Blasenentzündung, und mindestens eine Stunde nach dem letzten Wasserlassen.
Empfohlen wird zudem, bei nachgewiesener sexuell übertragbarer Infektion auf weitere zu testen, insbesondere HIV, Syphilis und Hepatitis.
Das Ergebnis liegt meist nach ein bis drei Tagen vor. Der Test ist eine Kassenleistung. Anonyme Tests bieten Gesundheitsämter und Aidshilfen an.
Behandlung
Behandelt wird mit einem Antibiotikum, das sich nach dem nachgewiesenen Erreger richtet. Bei Gonokokken ist die Resistenzlage angespannt, weshalb die Empfehlungen regelmäßig angepasst werden und in der Regel eine Kombination zum Einsatz kommt.
Bei Chlamydien wird meist Doxycyclin über sieben Tage gegeben. Bei Gonorrhoe kommt Ceftriaxon als Spritze zum Einsatz, wegen zunehmender Resistenzen in Kombination oder nach Antibiogramm. Mycoplasma genitalium wird mit Doxycyclin und anschließend einem zweiten Antibiotikum behandelt, weil Resistenzen häufig sind. Bei starken Beschwerden wird direkt nach der Probenentnahme behandelt und bei Bedarf umgestellt.
Ohne Partnerbehandlung kommt die Infektion zuverlässig zurück, weshalb dieser Punkt kein Zusatz ist, sondern Teil der Therapie.
Informiert und getestet werden sollten alle Sexualpartner der letzten 60 Tage. Bei Chlamydien und Gonorrhoe werden sie auch ohne Beschwerden mitbehandelt. Gesundheitsämter helfen dabei, Partner anonym zu informieren.
Folgen ohne Behandlung
Beim Mann können die Erreger über den Samenleiter zum Nebenhoden aufsteigen. Die Nebenhodenentzündung mit schmerzhaft geschwollenem Hoden und Fieber ist die häufigste Komplikation und kann die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigen. Seltener sind eine Prostataentzündung, Harnröhrenengen durch Narben nach Gonorrhoe und bei Chlamydien eine reaktive Arthritis mit Gelenkschmerzen und Augenentzündung.
Bei Partnerinnen verursachen dieselben Erreger Eileiterentzündungen, chronische Unterbauchschmerzen, Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit, oft ohne dass die Infektion bemerkt wurde. Die Behandlung schützt also zwei Menschen.
Wenn die Beschwerden bleiben
Bestehen die Symptome nach korrekter Behandlung fort, kommen mehrere Erklärungen infrage: eine erneute Ansteckung durch einen unbehandelten Partner, ein anderer Erreger, eine nicht infektiöse Reizung oder ein chronisches Beckenschmerzsyndrom.
Beim Mann kann sich die Entzündung außerdem auf den Nebenhoden ausdehnen, siehe Nebenhodenentzündung. Neu auftretende Hodenschwellung mit Schmerzen gehört deshalb zeitnah untersucht.
Wie lange es bis zur Ausheilung dauert
Die Beschwerden lassen meist innerhalb weniger Tage nach. Ein Restbrennen oder geringer Ausfluss kann jedoch ein bis zwei Wochen anhalten, ohne dass die Behandlung versagt hat. Das liegt daran, dass die gereizte Schleimhaut Zeit zur Erholung braucht, auch wenn die Erreger bereits beseitigt sind.
Bei Gonorrhoe ist eine Kontrolluntersuchung nach etwa zwei Wochen vorgesehen. Bei Mykoplasmen ist ein Kontrolltest nach drei bis vier Wochen sinnvoll, weil Resistenzen häufig sind. Bei Chlamydien wird eine Kontrolle nur unter bestimmten Bedingungen empfohlen, etwa in der Schwangerschaft oder bei Zweifeln an der Einnahme, und dann frühestens nach mehreren Wochen, weil sonst noch abgestorbenes Erbmaterial nachweisbar ist und ein falsch positives Ergebnis liefert.
Das Gespräch mit dem Partner
Dieser Teil ist für viele der schwierigste und zugleich der medizinisch wichtigste. Ohne Mitbehandlung kommt die Infektion zurück, oft innerhalb von Wochen.
Zwei Punkte helfen dabei. Erstens: Aus der Inkubationszeit lässt sich der Zeitpunkt der Ansteckung meist nicht bestimmen. Viele Infektionen verlaufen monatelang ohne Symptome, weshalb die Frage nach dem Wann selten beantwortbar ist und der Verdacht auf Untreue häufig ins Leere geht.
Zweitens: Es geht nicht um Schuld, sondern darum, eine Kette zu unterbrechen. Sagen Sie, was Sie haben, dass es behandelbar ist und dass eine Untersuchung sinnvoll ist. Beratungsstellen und Gesundheitsämter bieten in Deutschland anonyme Tests an, was die Hürde für den Partner senkt.
Vorbeugung
Kondome senken das Risiko erheblich, wenn auch nicht auf null. Sinnvoll sind regelmäßige Tests bei wechselnden Kontakten, auch ohne Beschwerden, weil viele Infektionen stumm verlaufen. Für Chlamydien gibt es in Deutschland ein kostenfreies jährliches Screening für Frauen bis 25 Jahre, das zu selten genutzt wird.
Das gilt auch für Oralsex, denn Gonokokken besiedeln auch den Rachen. Wer wechselnde Partner hat, sollte sich alle drei bis zwölf Monate testen lassen. Gegen HPV und Hepatitis B gibt es Impfungen, gegen Chlamydien und Gonorrhoe nicht.
Häufige Fragen
Ja, sehr häufig sogar. Ein erheblicher Teil der Chlamydieninfektionen verläuft ohne jede Beschwerde, bei Frauen häufiger als bei Männern. Genau deshalb ist der Test bei wechselnden Kontakten sinnvoll und die Mitbehandlung von Partnern unabhängig von Symptomen notwendig.
Ein Hinweis ist der Zeitpunkt: Bei der Harnröhrenentzündung brennt es eher zu Beginn des Wasserlassens, bei der Blasenentzündung eher am Ende. Ausfluss spricht für die Harnröhre, häufiger Drang bei kleinen Mengen eher für die Blase. Sicherheit gibt nur die Untersuchung, besonders beim Mann, bei dem Blasenentzündungen ohnehin selten sind.
Nein. Eine bakterielle Harnröhrenentzündung braucht ein Antibiotikum. Abwarten oder Cranberry verlängern die Infektion und die Zeit, in der Sie andere anstecken können.
Ja. In der Regel wird sofort mitbehandelt. Etwa die Hälfte der Männer mit Chlamydien hat keine Beschwerden.
Beim Urologen läuft er über die Krankenkasse, das Ergebnis bleibt unter ärztlicher Schweigepflicht. Wer das vermeiden möchte, kann sich anonym und kostenlos beim Gesundheitsamt testen lassen.
Quellen
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 043-044, Langversion 3.0, 2024.