Die häufigsten Erreger werden sexuell übertragen, meist Chlamydien oder Gonokokken. Deshalb gehört ein Test dazu, und die Partnerin oder der Partner muss mitbehandelt werden.
Ohne Behandlung kann sie aufsteigen und Nebenhoden, Prostata oder bei Frauen die Eileiter befallen. Unfruchtbarkeit ist eine mögliche Spätfolge.
Bis das Ergebnis vorliegt und die Behandlung abgeschlossen ist, sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
Bei der Urethritis ist die Harnröhre entzündet, nicht die Blase. Der Unterschied ist wichtig, weil die Ursachen völlig andere sind: In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine sexuell übertragbare Infektion, und damit gehört die Behandlung des Partners oder der Partnerin dazu.
Typisch sind Brennen zu Beginn des Wasserlassens, Ausfluss aus der Harnröhre und ein Jucken oder Kribbeln am Harnröhrenausgang. Bei Frauen ist die Abgrenzung zur Blasenentzündung schwieriger, weil sich die Symptome überlagern.
Die milderen Verläufe sind die tückischeren: Ein erheblicher Teil der Infektionen verläuft ganz ohne Symptome, bei Frauen häufiger als bei Männern. Unbehandelt können Chlamydien aufsteigen und bei Frauen die Eileiter schädigen, was zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Der Nachweis erfolgt heute molekularbiologisch, meist aus dem ersten Urinstrahl oder aus einem Abstrich. Getestet wird gleichzeitig auf mehrere Erreger, weil Doppelinfektionen häufig sind.
Wichtig für die Probenentnahme: Es soll der Urin vom Anfang des Strahls verwendet werden, nicht der Mittelstrahl wie bei der Blasenentzündung, und mindestens eine Stunde nach dem letzten Wasserlassen.
Empfohlen wird zudem, bei nachgewiesener sexuell übertragbarer Infektion auf weitere zu testen, insbesondere HIV, Syphilis und Hepatitis.
Behandelt wird mit einem Antibiotikum, das sich nach dem nachgewiesenen Erreger richtet. Bei Gonokokken ist die Resistenzlage angespannt, weshalb die Empfehlungen regelmäßig angepasst werden und in der Regel eine Kombination zum Einsatz kommt.
Ohne Partnerbehandlung kommt die Infektion zuverlässig zurück, weshalb dieser Punkt kein Zusatz ist, sondern Teil der Therapie.
Bestehen die Symptome nach korrekter Behandlung fort, kommen mehrere Erklärungen infrage: eine erneute Ansteckung durch einen unbehandelten Partner, ein anderer Erreger, eine nicht infektiöse Reizung oder ein chronisches Beckenschmerzsyndrom.
Beim Mann kann sich die Entzündung außerdem auf den Nebenhoden ausdehnen, siehe Nebenhodenentzündung. Neu auftretende Hodenschwellung mit Schmerzen gehört deshalb zeitnah untersucht.
Die Beschwerden lassen meist innerhalb weniger Tage nach. Ein Restbrennen oder geringer Ausfluss kann jedoch ein bis zwei Wochen anhalten, ohne dass die Behandlung versagt hat. Das liegt daran, dass die gereizte Schleimhaut Zeit zur Erholung braucht, auch wenn die Erreger bereits beseitigt sind.
Bei Gonorrhoe ist eine Kontrolluntersuchung nach etwa zwei Wochen vorgesehen. Bei Chlamydien wird eine Kontrolle nur unter bestimmten Bedingungen empfohlen, etwa in der Schwangerschaft oder bei Zweifeln an der Einnahme, und dann frühestens nach mehreren Wochen, weil sonst noch abgestorbenes Erbmaterial nachweisbar ist und ein falsch positives Ergebnis liefert.
Dieser Teil ist für viele der schwierigste und zugleich der medizinisch wichtigste. Ohne Mitbehandlung kommt die Infektion zurück, oft innerhalb von Wochen.
Zwei Punkte helfen dabei. Erstens: Aus der Inkubationszeit lässt sich der Zeitpunkt der Ansteckung meist nicht bestimmen. Viele Infektionen verlaufen monatelang ohne Symptome, weshalb die Frage nach dem Wann selten beantwortbar ist und der Verdacht auf Untreue häufig ins Leere geht.
Zweitens: Es geht nicht um Schuld, sondern darum, eine Kette zu unterbrechen. Sagen Sie, was Sie haben, dass es behandelbar ist und dass eine Untersuchung sinnvoll ist. Beratungsstellen und Gesundheitsämter bieten in Deutschland anonyme Tests an, was die Hürde für den Partner senkt.
Kondome senken das Risiko erheblich, wenn auch nicht auf null. Sinnvoll sind regelmäßige Tests bei wechselnden Kontakten, auch ohne Beschwerden, weil viele Infektionen stumm verlaufen. Für Chlamydien gibt es in Deutschland ein kostenfreies jährliches Screening für Frauen bis 25 Jahre, das zu selten genutzt wird.
Ja, sehr häufig sogar. Ein erheblicher Teil der Chlamydieninfektionen verläuft ohne jede Beschwerde, bei Frauen häufiger als bei Männern. Genau deshalb ist der Test bei wechselnden Kontakten sinnvoll und die Mitbehandlung von Partnern unabhängig von Symptomen notwendig.
Ein Hinweis ist der Zeitpunkt: Bei der Harnröhrenentzündung brennt es eher zu Beginn des Wasserlassens, bei der Blasenentzündung eher am Ende. Ausfluss spricht für die Harnröhre, häufiger Drang bei kleinen Mengen eher für die Blase. Sicherheit gibt nur die Untersuchung, besonders beim Mann, bei dem Blasenentzündungen ohnehin selten sind.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 043-044, Langversion 3.0, 2024.