Belegt ist wenig: normales Körpergewicht, Bewegung, nicht rauchen. Das ist dieselbe Empfehlung wie für das Herz, und sie wirkt auf beides.
Nicht belegt sind die meisten Nahrungsergänzungsmittel. Für einige, etwa hoch dosiertes Vitamin E und Selen, zeigten Studien sogar Nachteile.
Was tatsächlich hilft, ist die Früherkennung ab 45, bei familiärer Vorbelastung ab 40. Nicht weil sie vorbeugt, sondern weil sie den Zeitpunkt verschiebt.
Drei der wichtigsten Risikofaktoren für Prostatakrebs sind unveränderlich: das Alter, die familiäre Vorbelastung und die ethnische Zugehörigkeit. Wer daraus schließt, es lasse sich nichts tun, unterschätzt allerdings, was in der zweiten Gruppe steckt.
Beeinflussbar sind vor allem Körpergewicht, Bewegung, Ernährungsmuster und Rauchen. Ihr Einfluss auf die Frage, ob überhaupt ein Prostatakarzinom entsteht, ist moderat. Deutlich klarer ist der Zusammenhang mit der Frage, ob ein entstandener Tumor aggressiv verläuft, und das ist die Frage, auf die es ankommt.
Ist ein Verwandter ersten Grades betroffen, verdoppelt sich das Risiko etwa. Sind mehrere betroffen oder erkrankte einer vor dem 60. Lebensjahr, steigt es weiter.
Die praktische Folge steht in den Leitlinien: In solchen Familien beginnt die Früherkennung fünf Jahre früher als üblich, also etwa ab dem 40. bis 45. Lebensjahr.
Relevant ist außerdem die Familiengeschichte von Brust- und Eierstockkrebs, weil bestimmte Genveränderungen beide Krebsarten begünstigen. Häufen sich diese Erkrankungen in Ihrer Familie, sprechen Sie das an, es kann eine genetische Beratung sinnvoll machen.

Der am besten belegte beeinflussbare Faktor ist das Körpergewicht, und zwar weniger für die Entstehung als für den Verlauf. Übergewicht ist in mehreren großen Untersuchungen mit einem höheren Anteil aggressiver Tumoren und mit einer höheren Sterblichkeit verbunden.
Ein Mechanismus ist der Insulin- und Hormonstoffwechsel, ein zweiter ein Messproblem: Bei stark übergewichtigen Männern ist der PSA-Wert durch das größere Blutvolumen verdünnt, wodurch Tumoren später auffallen.
Regelmäßige körperliche Aktivität war in Untersuchungen mit einem günstigeren Verlauf verbunden, auch bei bereits Erkrankten. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, ergänzt um Krafttraining.
Diskutiert wird ein Zusammenhang mit hohem Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie mit sehr hoher Milchzufuhr. Die Datenlage rechtfertigt Zurückhaltung, aber keinen Verzicht.
Rauchen erhöht die Entstehungswahrscheinlichkeit nur mäßig, ist aber deutlich mit einem aggressiveren Verlauf und einer höheren Sterblichkeit verbunden. Wer bereits erkrankt ist, profitiert daher unmittelbar vom Aufhören, und zwar messbar innerhalb weniger Jahre.
Beim Alkohol ist die Datenlage für Prostatakrebs schwächer als für andere Krebsarten. Sehr hoher Konsum ist ungünstig, ein Zusammenhang bei moderatem Konsum ist nicht belegt.
Beide Faktoren wirken zudem indirekt: Sie beeinflussen Gewicht, Blutdruck und Herzkreislaufgesundheit, und damit die Lebenszeit, in der eine Krebsbehandlung überhaupt wirken kann.
Zwei Wirkstoffgruppen wurden untersucht, und das Ergebnis ist lehrreich.
5-Alpha-Reduktase-Hemmer senkten in großen Untersuchungen die Zahl der Diagnosen von Tumoren mit niedrigem Risiko deutlich. Ein Vorteil beim Überleben zeigte sich nicht, und es wurden anteilig mehr aggressive Tumoren gefunden, was bis heute diskutiert wird. Zur Vorbeugung sind sie deshalb nicht zugelassen.
Für Aspirin und cholesterinsenkende Medikamente gibt es Hinweise aus Beobachtungsstudien, aber keinen Nachweis aus gezielten Untersuchungen. Eine Einnahme allein zu diesem Zweck wird nicht empfohlen.
Die Lehre daraus: Weniger Diagnosen bedeuten nicht automatisch weniger Todesfälle. Dieser Unterschied ist auch für die Bewertung der Früherkennung zentral.
Der wirksamste Schritt bleibt die Früherkennung, denn sie beeinflusst nicht die Entstehung, sondern den Zeitpunkt der Entdeckung, und der bestimmt die Heilungsaussichten stärker als alles andere.
Angeboten wird ab 45 Jahren die Tastuntersuchung als Kassenleistung, der PSA-Test als Selbstzahlerleistung. Über beide gehört aufgeklärt, einschließlich der Möglichkeit, dass eine Früherkennung auch zur Entdeckung von Tumoren führt, die nie Beschwerden gemacht hätten. Mehr dazu im Vorsorge-Ratgeber.
Mehrere Beobachtungsstudien fanden bei häufigerem Samenerguss ein etwas niedrigeres Risiko. Ein ursächlicher Zusammenhang ist damit nicht bewiesen, und der Effekt ist gering. Als alleinige Vorbeugestrategie taugt es nicht, schaden kann es aber auch nicht.
Zur Vorbeugung von Prostatakrebs nicht. Weder Selen noch Vitamin E haben einen Nutzen gezeigt, und hochdosiertes Vitamin E war in einer großen Untersuchung mit einem erhöhten Risiko verbunden. Sinnvoll sind Präparate nur bei nachgewiesenem Mangel.
Ihr Risiko ist etwa verdoppelt. Praktisch bedeutet das vor allem, dass die Früherkennung besonders konsequent wahrgenommen werden sollte, in der Regel ab 45 Jahren, bei nachgewiesenem genetischem Risiko früher. Häufen sich in der Familie zusätzlich Brust- oder Eierstockkrebs, kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.
Weiterlesen: Prostatakrebs vorbeugen
Leitlinien
• Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie).
• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Prostatakarzinom. AWMF-Registernummer 043-022OL, Version 8.1, August 2025.