Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. In Deutschland erkrankt etwa jeder achte Mann im Laufe seines Lebens, das absolute Lebenszeitrisiko liegt bei rund 12 Prozent. Während sich an genetischen Veranlagungen oder dem Lebensalter nichts ändern lässt, gibt es eine Reihe von Lebensstilfaktoren, die das Risiko nachweislich beeinflussen. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre haben ein klareres Bild davon gezeichnet, was wirklich hilft und was nur als gut gemeintes Hausmittel gilt.
Die Ernährung mit dem klarsten Effekt
Den klarsten Effekt hat die Ernährung. Eine traditionell mediterrane Kost mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Fisch und Olivenöl senkt das Risiko, an einem aggressiven Prostatakrebs zu erkranken, um etwa zwanzig Prozent. Besonders günstig wirken sich kreuzblütlerartige Gemüse wie Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl und Kohl aus. Auch Tomaten in gekochter Form scheinen einen schützenden Effekt zu haben. Der für die Tomate charakteristische Farbstoff Lycopin entfaltet seine günstige Wirkung erst nach dem Erhitzen, weshalb Tomatensoße oder Tomatensuppe in dieser Hinsicht günstiger sind als rohe Früchte.
Was das Risiko erhöht
Auf der anderen Seite stehen Lebensmittel und Lebensgewohnheiten, die das Risiko erhöhen. Ein hoher Konsum von rotem Fleisch und Wurstwaren ist mit einem leicht erhöhten Risiko verbunden. Auch Milchprodukte standen lange im Verdacht, eine Rolle zu spielen, die Datenlage hierzu ist allerdings widersprüchlich. Sicher schädlich ist Übergewicht, vor allem die Form des metabolischen Syndroms mit erhöhtem Bauchumfang, Bluthochdruck, Insulinresistenz und ungünstigen Blutfetten. Studien zeigen, dass adipöse Männer nicht nur ein höheres Risiko für Prostatakrebs haben, sondern bei Erkrankung auch häufiger eine aggressivere Form entwickeln.
Bewegung als wirksamer Schutz
Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich günstig aus. Männer, die mindestens dreimal pro Woche eine halbe bis eine Stunde Sport treiben, haben ein deutlich niedrigeres Risiko, an einem aggressiven Prostatakrebs zu erkranken oder an einer bereits bestehenden Erkrankung zu versterben. Dabei reicht moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren. Hochleistungssport ist nicht erforderlich. Die positive Wirkung beruht wahrscheinlich auf einer Kombination aus verbessertem Stoffwechsel, gesenktem Insulinspiegel und veränderten Hormonprofilen.
Nahrungsergänzungsmittel: oft enttäuschend
Auch über Nahrungsergänzungsmittel ist viel diskutiert worden, oft mit enttäuschenden Ergebnissen. Vitamin E, Selen oder Beta-Carotin haben in großen kontrollierten Studien keinen schützenden Effekt gezeigt, in einigen Fällen sogar das Risiko erhöht. Vom routinemäßigen Einsatz solcher Präparate raten die Leitlinien daher ab. Bei Vitamin D ist die Datenlage uneinheitlich. Eine ausreichende Versorgung über die Sonneneinstrahlung und gegebenenfalls einen vom Arzt empfohlenen Substitutionsbedarf erscheint sinnvoll, eine Übersubstitution dagegen nicht. Letztlich ist Prävention beim Prostatakrebs vor allem eine Frage des allgemeinen Lebensstils. Wer sich gesund ernährt, regelmäßig bewegt, das Körpergewicht im Blick behält und auf das Rauchen verzichtet, profitiert nicht nur in dieser Hinsicht. Die gleichen Empfehlungen senken zugleich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und viele andere Krebsarten.
Quellen
- Wilson, K. M., Kasperzyk, J. L., Rider, J. R., et al. (2026). Lifestyle factors and prostate cancer prevention: results from the Health Professionals Follow-Up Study at 30 years. JAMA Oncology, 12(4), 489–498.
- Kenfield, S. A., DuPre, N., Richman, E. L., Stampfer, M. J., Chan, J. M., Giovannucci, E. L. (2014). Mediterranean diet and prostate cancer risk and mortality in the Health Professionals Follow-up Study. European Urology, 65(5), 887–894.
- Lippman, S. M., Klein, E. A., Goodman, P. J., et al. (2009). Effect of selenium and vitamin E on risk of prostate cancer and other cancers: the SELECT trial. JAMA, 301(1), 39–51.
- Allott, E. H., Masko, E. M., Freedland, S. J. (2013). Obesity and prostate cancer: weighing the evidence. European Urology, 63(5), 800–809.