Typisch sind hohes Fieber, starke Schmerzen im Damm, Schmerzen beim Wasserlassen und oft ein Harnverhalt.
Antibiotika allein reichen selten. Der Eiter muss abgeleitet werden, meist über die Harnröhre oder durch den Damm.
Häufiger betroffen sind Menschen mit Diabetes oder geschwächter Abwehr. Bei anhaltendem Fieber unter laufender Antibiotikabehandlung sollte daran gedacht werden.
Bleibt das Fieber unter laufender Antibiotikabehandlung bestehen, sollte an einen Abszess gedacht werden. Der Eiter muss abgeleitet werden, Medikamente allein reichen nicht.
Ein Prostataabszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung in der Prostata. Er entsteht fast immer als Komplikation einer akuten bakteriellen Prostatitis, seltener nach Eingriffen wie einer Biopsie oder bei liegendem Katheter.
Er ist selten, aber bedeutsam, weil er sich der antibiotischen Behandlung entzieht: Eine abgekapselte Höhle wird von Medikamenten kaum erreicht. Deshalb gilt hier derselbe Grundsatz wie bei jedem Abszess, dass die Entlastung die eigentliche Behandlung ist.
Das Bild gleicht zunächst der akuten Prostatitis: hohes Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen im Damm und Unterbauch, Brennen beim Wasserlassen und ein starkes Krankheitsgefühl. Häufig kommen ein abgeschwächter Strahl oder ein vollständiger Harnverhalt hinzu, weil die geschwollene Drüse die Harnröhre einengt.
Der entscheidende Hinweis ist der Verlauf: Bessert sich das Fieber unter wirksamer Antibiotikatherapie nach etwa drei Tagen nicht, muss an einen Abszess gedacht werden. Genau dieser Punkt entscheidet darüber, ob die Diagnose rechtzeitig gestellt wird.
Beide Krankheitsbilder beginnen gleich, und in den ersten Tagen lassen sie sich klinisch nicht sicher trennen. Deshalb wird zunächst wie bei einer akuten Prostatitis behandelt, und der Verlauf entscheidet.
Für einen Abszess sprechen: anhaltendes Fieber über drei Tage trotz wirksamer Behandlung, eine tastbar weiche oder schwankende Stelle in der Drüse, sehr hohe Entzündungswerte und ein Harnverhalt, der sich nicht bessert.
Diese Merkmale allein reichen nicht, weshalb bei entsprechendem Verdacht großzügig eine Bildgebung erfolgt. Der Ultraschall über den Enddarm ist dabei schnell verfügbar und in geübten Händen zuverlässig.
Bei der einfachen Prostatitis dominieren die klassischen Darmkeime. Beim Abszess kommen häufiger Erreger hinzu, die sonst selten sind, etwa Staphylokokken oder Anaerobier, und bei geschwächtem Immunsystem auch Pilze.
Das ist der Grund, warum Material aus der Punktion immer zur mikrobiologischen Untersuchung geschickt wird und nicht einfach verworfen. Die gezielte Anpassung des Antibiotikums an den nachgewiesenen Erreger verkürzt den Verlauf erheblich.
Bei Männern mit Diabetes oder Immunschwäche wird zudem an die seltenen, aber gefährlichen Verlaufsformen gedacht, bei denen sich die Infektion in die umgebenden Räume ausbreitet und zur Fournier-Gangrän entwickeln kann.
Bei der Tastuntersuchung ist die Prostata druckschmerzhaft und geschwollen, gelegentlich lässt sich eine weiche Stelle tasten. Die Untersuchung erfolgt behutsam, eine Prostatamassage ist ausdrücklich zu unterlassen, weil sie Bakterien in die Blutbahn schwemmen kann.
Die Diagnose sichert die Bildgebung. Der Ultraschall über den Enddarm zeigt die Höhle direkt und ist rasch verfügbar. Bei unklarem Befund oder zur Beurteilung der Ausdehnung kommen Computertomografie oder Kernspintomografie hinzu.
Dazu gehören Urin- und Blutkulturen, Entzündungswerte und die Bestimmung des Blutzuckers, weil ein bislang unerkannter Diabetes nicht selten in dieser Situation auffällt.

Kleine Abszesse unter etwa einem Zentimeter können unter hochdosierter antibiotischer Behandlung ausheilen, unter engmaschiger Kontrolle.
Größere werden entlastet. Möglich ist die Punktion durch den Enddarm oder durch den Damm unter Ultraschallkontrolle, oder die Eröffnung über die Harnröhre. Welcher Weg gewählt wird, hängt von Lage und Größe ab.
Begleitend läuft die antibiotische Behandlung über mehrere Wochen weiter, zunächst intravenös, später als Tablette. Bei Harnverhalt wird die Blase entlastet, meist über einen Katheter durch die Bauchdecke statt durch die Harnröhre, um die entzündete Prostata nicht zusätzlich zu reizen.
Nach der Entlastung bessert sich der Zustand meist rasch. Kontrolliert wird per Ultraschall, bis die Höhle verschwunden ist, was Wochen dauern kann.
Anschließend gehören zwei Fragen geklärt: Warum ist es dazu gekommen, und liegt eine Abflussbehinderung vor? Restharn, eine Enge oder Steine begünstigen ein Wiederauftreten und werden behandelt. Ein neu entdeckter Diabetes wird eingestellt.
Ein Teil der Betroffenen entwickelt im Anschluss eine chronische Prostatitis mit anhaltenden Beckenschmerzen. Das ist keine erneute Infektion und wird entsprechend anders behandelt.
Weil ein Abszess von einer Kapsel umgeben ist, die kaum durchblutet wird. Der Wirkstoff erreicht das Innere nicht in ausreichender Konzentration. Das ist kein Zeichen für einen resistenten Erreger, sondern für die Notwendigkeit, den Eiter abzuleiten.
In der Regel heilt die Höhle folgenlos ab. Möglich sind eine narbige Veränderung der Drüse und, bei ausgedehntem Befund, eine anhaltende Beckenschmerzsymptomatik. Die Zeugungsfähigkeit ist normalerweise nicht dauerhaft betroffen.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 043-044, Langversion 3.0, 2024.