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Chronische Niereninsuffizienz (CKD)

Chronische Niereninsuffizienz: welche zwei Laborwerte zählen, welche urologischen Ursachen behandelbar sind und was den Verlauf nachweislich verlangsamt.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
In einfachen WortenBei einer chronischen Nierenschwäche lässt die Filterleistung über Jahre nach. Die häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck, nicht die Nieren selbst.Weiterlesen

Sie tut nicht weh und macht lange keine Beschwerden. Auffällig wird sie meist über Blutwerte, oft zufällig.

Eingeteilt wird sie in fünf Stufen. Erst in den hohen Stufen wird über Dialyse oder Transplantation gesprochen. Die meisten bleiben lebenslang darunter.

Was den Verlauf bremst, ist unspektakulär und wirksam: Blutdruck einstellen, Blutzucker einstellen, Schmerzmittel meiden, ausreichend trinken.

Schema einer Dialysebehandlung
Bei der Dialyse übernimmt ein Gerät die Reinigung des Blutes. Sie wird erst in den hohen Stufen der Nierenschwäche nötig.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Ein Verlust, der lange nicht auffällt

Die Nieren arbeiten mit erheblicher Reserve. Erst wenn mehr als die Hälfte der Filterleistung verloren ist, verändern sich die Blutwerte messbar, und Beschwerden treten oft noch viel später auf. Deshalb wird eine chronische Nierenschwäche fast immer über Laborwerte entdeckt, nicht über Symptome.

Das ist die schlechte und zugleich die gute Nachricht: schlecht, weil viel Zeit vergehen kann, gut, weil der Verlauf sich in diesem Zeitfenster gut beeinflussen lässt.

3 Mon.
müssen die Werte auffällig sein
2
Werte zählen: GFR und Eiweiß im Urin
über 90 Prozent
erreichen nie eine Dialyse

Die beiden Werte, auf die es ankommt

Die glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR, schätzt, wie viel Blut die Nieren pro Minute reinigen. Sie wird aus dem Kreatinin im Blut zusammen mit Alter und Geschlecht berechnet. Ein Wert über 90 gilt als normal, unter 60 über mindestens drei Monate spricht für eine chronische Nierenschwäche.

Das Eiweiß im Urin, meist als Verhältnis von Albumin zu Kreatinin bestimmt, ist der zweite und oft unterschätzte Wert. Er zeigt an, ob die Filter undicht sind, und er sagt den weiteren Verlauf besser voraus als die GFR allein.

Beide zusammen ergeben die Einstufung. Zwei Menschen mit derselben GFR können ein sehr unterschiedliches Risiko haben, je nachdem, wie viel Eiweiß sie ausscheiden.

Ein Nephron, die Filtereinheit der Niere
Jede Niere enthält rund eine Million dieser Filtereinheiten. Die glomeruläre Filtrationsrate misst, wie viel Blut sie gemeinsam pro Minute reinigen.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Was dahintersteckt

Die beiden häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Sie schädigen die feinen Gefäße der Filtereinheiten über Jahre, ohne Beschwerden zu machen.

Urologisch relevant sind zwei weitere Gruppen. Erstens Abflussstörungen: eine vergrößerte Prostata mit Restharn, Steine, Verengungen. Zweitens wiederholte Infektionen und Narben, etwa nach kindlichem Reflux.

Diese urologischen Ursachen sind deshalb wichtig, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen behandelbar sind. Ein beseitigter Aufstau kann den Verlauf aufhalten.

Was den Verlauf beeinflusst

Der wichtigste Hebel ist der Blutdruck, gefolgt vom Blutzucker bei Diabetes und der Eiweißausscheidung im Urin. Bestimmte Blutdruckmedikamente senken zugleich die Eiweißausscheidung und schützen die Nieren dadurch zusätzlich.

Dazu kommt eine Wirkstoffgruppe, die ursprünglich für Diabetes entwickelt wurde und den Verlauf der Nierenschwäche unabhängig davon verlangsamt. Sie hat die Behandlung in den letzten Jahren deutlich verändert.

Was Sie selbst beeinflussen: Rauchen aufgeben, Salz reduzieren, Gewicht und Blutdruck im Blick behalten, ausreichend, aber nicht exzessiv trinken.

Vorsicht bei Schmerzmitteln: Entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen oder Diclofenac verschlechtern die Nierendurchblutung und können bei eingeschränkter Funktion schaden, besonders in Kombination mit bestimmten Blutdruckmedikamenten und bei Flüssigkeitsmangel. Nehmen Sie sie nicht dauerhaft in Eigenregie ein und weisen Sie bei jeder Verordnung auf Ihre Nierenwerte hin. Dasselbe gilt für Kontrastmittel vor Untersuchungen.

Was der Körper bei nachlassender Funktion macht

Die Nieren tun mehr, als Abfallstoffe auszuscheiden. Sie regulieren den Blutdruck, den Salz- und Wasserhaushalt, den Säure-Basen-Haushalt, sie bilden das Hormon für die Blutbildung und aktivieren Vitamin D. Entsprechend vielfältig sind die Folgen, wenn die Leistung nachlässt.

Blutarmut entsteht, weil das Hormon fehlt, das die Bildung roter Blutkörperchen anstößt. Sie äußert sich als Müdigkeit und Leistungsknick und ist gut behandelbar.

Knochenveränderungen entstehen über den gestörten Vitamin-D- und Phosphathaushalt. Sie verlaufen lange stumm und werden über Laborwerte erfasst.

Übersäuerung und Kaliumanstieg treten in fortgeschrittenen Stadien auf. Ein hoher Kaliumwert ist die gefährlichste dieser Veränderungen, weil er den Herzrhythmus stört, und er verursacht keine Warnzeichen.

Aus dieser Liste erklärt sich, warum die Kontrollen mehr umfassen als Kreatinin: Blutbild, Kalium, Phosphat, Calcium, Vitamin D und Bicarbonat gehören dazu.

Der Weg durch die Stadien

Eingeteilt wird in fünf Stadien nach der Filterleistung. Praktisch bedeutsam sind vor allem drei Schwellen.

Unter 60 beginnt die eigentliche Nierenschwäche. Ab hier werden Medikamente in ihrer Dosis angepasst, und die Kontrollen werden regelmäßig.

Unter 30 wird eine nephrologische Mitbetreuung empfohlen. Jetzt geht es um Blutarmut, Knochenstoffwechsel und Säurehaushalt, und die Vorbereitung auf mögliche Nierenersatzverfahren beginnt gedanklich.

Unter 20 wird die Vorbereitung konkret: Aufklärung über die Verfahren, Anlage eines Gefäßzugangs, Abklärung für eine mögliche Transplantation, die auch vor Dialysebeginn erfolgen kann.

Zwischen diesen Schwellen liegen bei den meisten Menschen Jahre bis Jahrzehnte, und die Geschwindigkeit lässt sich beeinflussen. Genau das ist die Botschaft dieses Krankheitsbildes.

Wann Dialyse ein Thema wird

Für die allermeisten Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion nie. Die Mehrzahl erreicht dieses Stadium nicht, weil der Verlauf langsam ist und andere Erkrankungen im Vordergrund stehen.

Wird es doch absehbar, beginnt die Vorbereitung frühzeitig, meist ab einer GFR um 20. Dazu gehören die Aufklärung über Hämodialyse, Bauchfelldialyse und Transplantation sowie gegebenenfalls die Anlage eines Gefäßzugangs, der Monate vor dem Beginn erfolgen sollte.

Die Vorbereitung früh zu beginnen ist keine Schwarzmalerei, sondern verschafft Zeit für eine informierte Entscheidung.

Häufige Fragen

Kann sich die Nierenfunktion wieder erholen?

Verlorenes Nierengewebe bildet sich nicht neu. Was sich bessern kann, ist ein zusätzlicher akuter Anteil, etwa durch Flüssigkeitsmangel, Medikamente oder einen Harnstau. Wird dieser beseitigt, steigt die Filterleistung oft wieder. Deshalb wird bei neu entdeckten schlechten Werten immer nach solchen behebbaren Anteilen gesucht.

Soll ich viel trinken, um die Nieren zu spülen?

Eine normale Trinkmenge von etwa anderthalb bis zwei Litern ist richtig. Deutlich mehr bringt keinen zusätzlichen Schutz und kann in fortgeschrittenen Stadien schaden, weil die Nieren überschüssige Flüssigkeit nicht mehr ausscheiden können. Die Empfehlung wird individuell angepasst.

Muss ich eiweißarm essen?

Eine moderate Begrenzung tierischen Eiweißes ist in fortgeschrittenen Stadien sinnvoll, eine strenge Einschränkung dagegen nicht ohne Begleitung, weil Mangelernährung den Verlauf verschlechtert. Lassen Sie sich dazu ernährungsmedizinisch beraten, statt selbst zu reduzieren.

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Quellen

Leitlinien

• Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). S3-Leitlinie Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung. AWMF-Register-Nr. 053-048.

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Renal Transplantation. Ausgabe 2025.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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