Sie tut nicht weh und macht lange keine Beschwerden. Auffällig wird sie meist über Blutwerte, oft zufällig.
Eingeteilt wird sie in fünf Stufen. Erst in den hohen Stufen wird über Dialyse oder Transplantation gesprochen. Die meisten bleiben lebenslang darunter.
Was den Verlauf bremst, ist unspektakulär und wirksam: Blutdruck einstellen, Blutzucker einstellen, Schmerzmittel meiden, ausreichend trinken.

Die Nieren arbeiten mit erheblicher Reserve. Erst wenn mehr als die Hälfte der Filterleistung verloren ist, verändern sich die Blutwerte messbar, und Beschwerden treten oft noch viel später auf. Deshalb wird eine chronische Nierenschwäche fast immer über Laborwerte entdeckt, nicht über Symptome.
Das ist die schlechte und zugleich die gute Nachricht: schlecht, weil viel Zeit vergehen kann, gut, weil der Verlauf sich in diesem Zeitfenster gut beeinflussen lässt.
Die glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR, schätzt, wie viel Blut die Nieren pro Minute reinigen. Sie wird aus dem Kreatinin im Blut zusammen mit Alter und Geschlecht berechnet. Ein Wert über 90 gilt als normal, unter 60 über mindestens drei Monate spricht für eine chronische Nierenschwäche.
Das Eiweiß im Urin, meist als Verhältnis von Albumin zu Kreatinin bestimmt, ist der zweite und oft unterschätzte Wert. Er zeigt an, ob die Filter undicht sind, und er sagt den weiteren Verlauf besser voraus als die GFR allein.
Beide zusammen ergeben die Einstufung. Zwei Menschen mit derselben GFR können ein sehr unterschiedliches Risiko haben, je nachdem, wie viel Eiweiß sie ausscheiden.

Die beiden häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Sie schädigen die feinen Gefäße der Filtereinheiten über Jahre, ohne Beschwerden zu machen.
Urologisch relevant sind zwei weitere Gruppen. Erstens Abflussstörungen: eine vergrößerte Prostata mit Restharn, Steine, Verengungen. Zweitens wiederholte Infektionen und Narben, etwa nach kindlichem Reflux.
Diese urologischen Ursachen sind deshalb wichtig, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen behandelbar sind. Ein beseitigter Aufstau kann den Verlauf aufhalten.
Der wichtigste Hebel ist der Blutdruck, gefolgt vom Blutzucker bei Diabetes und der Eiweißausscheidung im Urin. Bestimmte Blutdruckmedikamente senken zugleich die Eiweißausscheidung und schützen die Nieren dadurch zusätzlich.
Dazu kommt eine Wirkstoffgruppe, die ursprünglich für Diabetes entwickelt wurde und den Verlauf der Nierenschwäche unabhängig davon verlangsamt. Sie hat die Behandlung in den letzten Jahren deutlich verändert.
Was Sie selbst beeinflussen: Rauchen aufgeben, Salz reduzieren, Gewicht und Blutdruck im Blick behalten, ausreichend, aber nicht exzessiv trinken.
Die Nieren tun mehr, als Abfallstoffe auszuscheiden. Sie regulieren den Blutdruck, den Salz- und Wasserhaushalt, den Säure-Basen-Haushalt, sie bilden das Hormon für die Blutbildung und aktivieren Vitamin D. Entsprechend vielfältig sind die Folgen, wenn die Leistung nachlässt.
Blutarmut entsteht, weil das Hormon fehlt, das die Bildung roter Blutkörperchen anstößt. Sie äußert sich als Müdigkeit und Leistungsknick und ist gut behandelbar.
Knochenveränderungen entstehen über den gestörten Vitamin-D- und Phosphathaushalt. Sie verlaufen lange stumm und werden über Laborwerte erfasst.
Übersäuerung und Kaliumanstieg treten in fortgeschrittenen Stadien auf. Ein hoher Kaliumwert ist die gefährlichste dieser Veränderungen, weil er den Herzrhythmus stört, und er verursacht keine Warnzeichen.
Aus dieser Liste erklärt sich, warum die Kontrollen mehr umfassen als Kreatinin: Blutbild, Kalium, Phosphat, Calcium, Vitamin D und Bicarbonat gehören dazu.
Eingeteilt wird in fünf Stadien nach der Filterleistung. Praktisch bedeutsam sind vor allem drei Schwellen.
Unter 60 beginnt die eigentliche Nierenschwäche. Ab hier werden Medikamente in ihrer Dosis angepasst, und die Kontrollen werden regelmäßig.
Unter 30 wird eine nephrologische Mitbetreuung empfohlen. Jetzt geht es um Blutarmut, Knochenstoffwechsel und Säurehaushalt, und die Vorbereitung auf mögliche Nierenersatzverfahren beginnt gedanklich.
Unter 20 wird die Vorbereitung konkret: Aufklärung über die Verfahren, Anlage eines Gefäßzugangs, Abklärung für eine mögliche Transplantation, die auch vor Dialysebeginn erfolgen kann.
Zwischen diesen Schwellen liegen bei den meisten Menschen Jahre bis Jahrzehnte, und die Geschwindigkeit lässt sich beeinflussen. Genau das ist die Botschaft dieses Krankheitsbildes.
Für die allermeisten Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion nie. Die Mehrzahl erreicht dieses Stadium nicht, weil der Verlauf langsam ist und andere Erkrankungen im Vordergrund stehen.
Wird es doch absehbar, beginnt die Vorbereitung frühzeitig, meist ab einer GFR um 20. Dazu gehören die Aufklärung über Hämodialyse, Bauchfelldialyse und Transplantation sowie gegebenenfalls die Anlage eines Gefäßzugangs, der Monate vor dem Beginn erfolgen sollte.
Die Vorbereitung früh zu beginnen ist keine Schwarzmalerei, sondern verschafft Zeit für eine informierte Entscheidung.
Verlorenes Nierengewebe bildet sich nicht neu. Was sich bessern kann, ist ein zusätzlicher akuter Anteil, etwa durch Flüssigkeitsmangel, Medikamente oder einen Harnstau. Wird dieser beseitigt, steigt die Filterleistung oft wieder. Deshalb wird bei neu entdeckten schlechten Werten immer nach solchen behebbaren Anteilen gesucht.
Eine normale Trinkmenge von etwa anderthalb bis zwei Litern ist richtig. Deutlich mehr bringt keinen zusätzlichen Schutz und kann in fortgeschrittenen Stadien schaden, weil die Nieren überschüssige Flüssigkeit nicht mehr ausscheiden können. Die Empfehlung wird individuell angepasst.
Eine moderate Begrenzung tierischen Eiweißes ist in fortgeschrittenen Stadien sinnvoll, eine strenge Einschränkung dagegen nicht ohne Begleitung, weil Mangelernährung den Verlauf verschlechtert. Lassen Sie sich dazu ernährungsmedizinisch beraten, statt selbst zu reduzieren.
Leitlinien
• Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). S3-Leitlinie Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung. AWMF-Register-Nr. 053-048.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Renal Transplantation. Ausgabe 2025.