Verdächtig ist ein Bluthochdruck, der sich trotz mehrerer Medikamente nicht einstellen lässt, plötzlich auftritt oder sich unter bestimmten Blutdruckmitteln verschlechtert.
Häufigste Ursache bei Älteren ist Gefäßverkalkung, bei jüngeren Frauen eine Wandveränderung der Arterie.
Nicht jede Enge muss aufgedehnt werden. Bei Verkalkung bringt der Eingriff oft weniger als eine gute medikamentöse Einstellung.
Bei der Nierenarterienstenose ist das Gefäß verengt, das eine Niere mit Blut versorgt. Die Folge ist nicht nur eine schlechter durchblutete Niere, sondern ein Blutdruckproblem des ganzen Körpers.
Der Grund liegt in einem Regelkreis: Die Niere misst den Druck in ihren eigenen Gefäßen und deutet den verringerten Druck hinter der Enge als allgemeinen Blutmangel. Sie schüttet daraufhin Botenstoffe aus, die Gefäße verengen und Salz und Wasser zurückhalten. Der Blutdruck im gesamten Kreislauf steigt, während hinter der Enge alles bleibt, wie es war.

Arteriosklerose ist mit Abstand die häufigste. Betroffen sind meist Menschen jenseits der fünfzig mit weiteren Gefäßrisiken wie Rauchen, Diabetes oder erhöhten Blutfetten. Die Enge sitzt nahe am Abgang aus der Bauchschlagader.
Die fibromuskuläre Dysplasie ist eine nicht entzündliche Wandveränderung, die vor allem jüngere Frauen betrifft. Sie sieht in der Bildgebung typisch perlschnurartig aus und hat eine deutlich bessere Prognose, weil sie sich gut aufdehnen lässt.
Der vorletzte Punkt verdient eine Erklärung: Bestimmte Blutdruckmedikamente greifen genau in den beschriebenen Regelkreis ein. Bei einer beidseitigen Enge kann dadurch die Filterleistung einbrechen, was sich in steigenden Nierenwerten zeigt und ein starker Hinweis auf die Diagnose ist.
Der zugrunde liegende Regelkreis ist über hundert Jahre bekannt und erklärt das gesamte Krankheitsbild.
Spezialisierte Zellen in der Niere messen den Druck im zuführenden Gefäß. Fällt er ab, deuten sie das als Blutverlust oder Flüssigkeitsmangel und schütten ein Enzym aus. Über mehrere Zwischenschritte entsteht daraus ein Botenstoff, der die Gefäße im ganzen Körper verengt und zugleich die Ausschüttung eines Hormons anstößt, das Salz und Wasser zurückhält.
Beides zusammen hebt den Blutdruck an. Bei einem echten Blutverlust wäre das lebensrettend. Bei einer Engstelle in der Nierenarterie ist es eine Fehlmeldung, die nie endet, weil der Druck hinter der Enge unabhängig davon niedrig bleibt.
Genau hier setzen die üblichen Blutdruckmedikamente an, indem sie diesen Regelkreis unterbrechen. Das erklärt, warum sie so gut wirken, und zugleich, warum bei beidseitiger Enge die Filterleistung einbrechen kann.
Unabhängig davon, ob aufgedehnt wurde oder nicht, gehören drei Dinge in die Kontrolle.
Der Blutdruck, möglichst als Selbstmessung zu Hause mit Protokoll, weil Einzelmessungen in der Praxis wenig aussagen.
Die Nierenwerte, engmaschig nach jeder Medikamentenänderung, sonst in größeren Abständen.
Die Nierengröße im Ultraschall, weil eine zunehmende Verkleinerung anzeigt, dass die Minderdurchblutung Gewebe kostet.
Wurde ein Stent eingesetzt, kommt die Kontrolle des Gefäßes per Ultraschall hinzu, weil sich Engstellen an derselben Stelle erneut bilden können.
Am Anfang steht der Ultraschall mit Dopplerfunktion, der die Flussgeschwindigkeit im Gefäß misst und ohne Belastung auskommt. Er ist stark von Erfahrung und Körperbau abhängig.
Genauer sind die Kernspin- oder Computertomografie mit Kontrastmittel. Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion wird die Auswahl sorgfältig abgewogen, weil beide Verfahren Kontrastmittel benötigen.
Die Katheteruntersuchung ist am genauesten und wird meist nur dann durchgeführt, wenn im selben Eingriff behandelt werden soll.
Das ist der Punkt, der viele überrascht: Die Aufdehnung der Enge mit einem Stent verbessert bei arteriosklerotischer Ursache in großen Untersuchungen weder Blutdruck noch Nierenfunktion nennenswert gegenüber einer guten medikamentösen Behandlung. Deshalb ist die medikamentöse Therapie heute der Standard.
Sie besteht aus konsequenter Blutdruckeinstellung, Cholesterinsenkung, Blutverdünnung in niedriger Dosis und dem Verzicht auf Rauchen.
Eine Aufdehnung wird erwogen, wenn der Blutdruck trotz mehrerer Medikamente unkontrollierbar bleibt, wenn die Nierenfunktion fortschreitend abnimmt oder wenn wiederholt Wasser in der Lunge auftritt. Bei der fibromuskulären Dysplasie ist die Aufdehnung dagegen die Behandlung der Wahl und oft dauerhaft erfolgreich.
Weil bei der arteriosklerotischen Form der Nutzen in Untersuchungen ausgeblieben ist. Die Nieren sind bei dieser Erkrankung meist bereits durch die allgemeine Gefäßschädigung mitbetroffen, und das Beheben der einen Engstelle ändert daran wenig. Anders bei der fibromuskulären Dysplasie: Dort ist das Gefäß sonst gesund, und die Aufdehnung wirkt.
Nicht grundsätzlich, im Gegenteil, sie gehören zur Behandlung. Vorsicht gilt bei beidseitiger Enge oder bei Enge in einer Einzelniere. Deshalb werden die Nierenwerte nach Beginn oder Dosiserhöhung kontrolliert, und zwar innerhalb der ersten zwei Wochen.
Leitlinien
• Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). S3-Leitlinie Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung. AWMF-Register-Nr. 053-048.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Renal Transplantation. Ausgabe 2025.