Zwei Fragen entscheiden alles Weitere: Bildet der Tumor Hormone, und sieht er gutartig aus?
Hormonbildende Tumoren machen Beschwerden, die man selten mit der Nebenniere in Verbindung bringt: schwer einstellbarer Bluthochdruck, Kaliummangel, Gewichtszunahme am Rumpf, Attacken mit Herzrasen und Schweißausbruch.
Entfernt wird, wenn der Tumor Hormone bildet, größer als etwa vier Zentimeter ist oder verdächtig aussieht. Sonst wird kontrolliert.
Die Nebenniere sitzt wie eine Kappe auf dem oberen Nierenpol und produziert Hormone: Cortisol, Aldosteron und Adrenalin. Mit der Harnbildung hat sie nichts zu tun, sie ist urologisch nur wegen ihrer Nachbarschaft.
Die meisten Nebennierentumoren werden zufällig entdeckt, bei einer Computertomografie oder Kernspintomografie aus ganz anderem Anlass. Man nennt sie deshalb Inzidentalome. Bei Erwachsenen jenseits der fünfzig finden sie sich bei etwa jedem zwanzigsten.
Die überwiegende Mehrheit ist gutartig und hormonell inaktiv. Trotzdem lösen sie eine standardisierte Abklärung aus, weil zwei Fragen beantwortet werden müssen.
Beide Fragen werden unabhängig voneinander beantwortet, und beide gehören zur Erstabklärung. Ein häufiger Fehler ist, bei einem kleinen Befund nur den Verlauf zu kontrollieren, ohne die Hormone zu bestimmen.

Drei Untersuchungen bilden das Grundprogramm.
Auf Cortisolüberschuss wird mit einem einfachen Test geprüft: Am Abend wird eine Tablette eingenommen, am nächsten Morgen der Cortisolwert gemessen. Bleibt er hoch, produziert der Tumor eigenständig. Auch eine milde, symptomlose Überproduktion ist bedeutsam, weil sie über Jahre Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose begünstigt.
Auf Adrenalinüberschuss wird bei jedem Befund geprüft, über Abbauprodukte in Blut oder Urin. Ein solcher Tumor heißt Phäochromozytom und verursacht anfallsartigen Bluthochdruck, Herzrasen, Schwitzen und Kopfschmerz.
Auf Aldosteronüberschuss wird bei bestehendem Bluthochdruck oder niedrigem Kalium geprüft. Diese Form ist eine der häufigsten behandelbaren Ursachen eines schwer einstellbaren Hochdrucks.
Hier zählen zwei Merkmale. Die Größe: Unter vier Zentimetern sind Tumoren meist gutartig, ab sechs Zentimetern steigt das Risiko deutlich. Die Dichte in der Computertomografie: Ein fettreicher, dichtearmer Befund spricht stark für ein gutartiges Adenom.
Sind beide Merkmale unauffällig, ist keine weitere Bildgebung nötig. Andernfalls folgen Kernspintomografie oder eine nuklearmedizinische Untersuchung.
Eine Punktion wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt, etwa bei Verdacht auf eine Metastase eines anderen Tumors, und niemals ohne vorherige Hormonabklärung.
Jede der drei Überproduktionen hat ein eigenes Beschwerdebild, und alle drei werden häufig jahrelang als etwas anderes behandelt.
Cortisolüberschuss. Gewichtszunahme am Rumpf bei schlanken Armen und Beinen, rundes Gesicht, dünne Haut mit blauen Flecken, Muskelschwäche, Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose. Die milde Form ohne äußere Zeichen ist häufiger als die vollausgeprägte und wird nur über den Labortest gefunden.
Aldosteronüberschuss. Bluthochdruck, der sich mit mehreren Medikamenten nicht einstellen lässt, oft mit niedrigem Kalium, Muskelschwäche und nächtlichem Wasserlassen. Er gilt als die häufigste behandelbare Ursache eines schwer einstellbaren Hochdrucks und wird trotzdem selten gesucht.
Adrenalinüberschuss. Anfallsartige Beschwerden mit Bluthochdruck, Herzrasen, Schwitzen, Kopfschmerz und Angstgefühl, oft nur Minuten dauernd. Zwischen den Anfällen ist alles unauffällig, weshalb die Diagnose häufig als Panikstörung fehlgedeutet wird.
Nach erfolgreicher Operation bessern sich Blutdruck und Stoffwechsel bei einem großen Teil der Betroffenen erheblich, teils lassen sich Medikamente ganz absetzen.
Kontrolle bei kleinen, hormoninaktiven, bildmorphologisch gutartigen Befunden: erneute Bildgebung nach etwa sechs bis zwölf Monaten, Hormonkontrolle in den ersten Jahren. Bleibt alles unverändert, sind weitere Kontrollen entbehrlich.
Operation bei hormonproduzierenden Tumoren, bei Größe über etwa vier Zentimetern, bei Wachstum im Verlauf und bei Verdacht auf Bösartigkeit. Durchgeführt wird sie in aller Regel minimalinvasiv, mit kurzem Aufenthalt und rascher Erholung.
Nach der Entfernung einer Seite übernimmt die Gegenseite die Aufgabe. Bei vorheriger Cortisolüberproduktion ist die gesunde Seite allerdings unterdrückt und braucht Monate, bis sie wieder anläuft. In dieser Zeit wird Cortisol als Medikament ersetzt, und das Absetzen erfolgt langsam und kontrolliert.
Die große Mehrheit dieser Befunde ist gutartig und hormonell inaktiv. Sinnvoll ist die vollständige Erstabklärung mit Hormonwerten und Beurteilung der Bildgebung. Fällt sie unauffällig aus, ist die Sache in aller Regel erledigt.
Nein. Klein, hormoninaktiv und bildmorphologisch gutartig bedeutet Kontrolle statt Operation. Entfernt wird bei Hormonproduktion, bei Größe, bei Wachstum und bei Verdacht auf Bösartigkeit.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Renal Cell Carcinoma. Ausgabe 2025.