Niere

Nebennierentumor (Inzidentalom)

Nebennieren-Inzidentalom: warum Hormonaktivität und Bösartigkeit getrennt geprüft werden, warum nie vor der Hormonabklärung punktiert wird und wann operiert wird.
Redaktion: UroWissen
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Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
In einfachen WortenAuf der Niere sitzt die Nebenniere, ein kleines Organ, das Hormone bildet. Tumoren dort sind meist gutartig und werden häufig zufällig entdeckt.Weiterlesen

Zwei Fragen entscheiden alles Weitere: Bildet der Tumor Hormone, und sieht er gutartig aus?

Hormonbildende Tumoren machen Beschwerden, die man selten mit der Nebenniere in Verbindung bringt: schwer einstellbarer Bluthochdruck, Kaliummangel, Gewichtszunahme am Rumpf, Attacken mit Herzrasen und Schweißausbruch.

Entfernt wird, wenn der Tumor Hormone bildet, größer als etwa vier Zentimeter ist oder verdächtig aussieht. Sonst wird kontrolliert.

Der Zufallsbefund, der eine Frage aufwirft

Die Nebenniere sitzt wie eine Kappe auf dem oberen Nierenpol und produziert Hormone: Cortisol, Aldosteron und Adrenalin. Mit der Harnbildung hat sie nichts zu tun, sie ist urologisch nur wegen ihrer Nachbarschaft.

Die meisten Nebennierentumoren werden zufällig entdeckt, bei einer Computertomografie oder Kernspintomografie aus ganz anderem Anlass. Man nennt sie deshalb Inzidentalome. Bei Erwachsenen jenseits der fünfzig finden sie sich bei etwa jedem zwanzigsten.

Die überwiegende Mehrheit ist gutartig und hormonell inaktiv. Trotzdem lösen sie eine standardisierte Abklärung aus, weil zwei Fragen beantwortet werden müssen.

Die zwei Fragen

Produziert der Tumor Hormone? Das entscheidet, ob behandelt werden muss, auch wenn er gutartig und klein ist.
Ist er bösartig? Das entscheidet über die Dringlichkeit und das Verfahren.

Beide Fragen werden unabhängig voneinander beantwortet, und beide gehören zur Erstabklärung. Ein häufiger Fehler ist, bei einem kleinen Befund nur den Verlauf zu kontrollieren, ohne die Hormone zu bestimmen.

Niere mit aufsitzender Nebenniere
Die Nebenniere sitzt wie eine Kappe auf dem oberen Nierenpol. Ihre Rinde bildet Cortisol und Aldosteron, ihr Mark Adrenalin.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Die Hormonabklärung

Drei Untersuchungen bilden das Grundprogramm.

Auf Cortisolüberschuss wird mit einem einfachen Test geprüft: Am Abend wird eine Tablette eingenommen, am nächsten Morgen der Cortisolwert gemessen. Bleibt er hoch, produziert der Tumor eigenständig. Auch eine milde, symptomlose Überproduktion ist bedeutsam, weil sie über Jahre Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose begünstigt.

Auf Adrenalinüberschuss wird bei jedem Befund geprüft, über Abbauprodukte in Blut oder Urin. Ein solcher Tumor heißt Phäochromozytom und verursacht anfallsartigen Bluthochdruck, Herzrasen, Schwitzen und Kopfschmerz.

Auf Aldosteronüberschuss wird bei bestehendem Bluthochdruck oder niedrigem Kalium geprüft. Diese Form ist eine der häufigsten behandelbaren Ursachen eines schwer einstellbaren Hochdrucks.

Warum kein Tumor punktiert wird, bevor die Hormone bekannt sind: Wird ein Phäochromozytom punktiert oder ohne Vorbereitung operiert, kann es massiv Adrenalin ausschütten. Die Folge ist eine lebensbedrohliche Blutdruckentgleisung. Deshalb ist die Bestimmung der Abbauprodukte vor jedem Eingriff an der Nebenniere Pflicht, und deshalb wird vor einer Operation über ein bis zwei Wochen mit blutdrucksenkenden Medikamenten vorbereitet.

Die Beurteilung der Bösartigkeit

Hier zählen zwei Merkmale. Die Größe: Unter vier Zentimetern sind Tumoren meist gutartig, ab sechs Zentimetern steigt das Risiko deutlich. Die Dichte in der Computertomografie: Ein fettreicher, dichtearmer Befund spricht stark für ein gutartiges Adenom.

Sind beide Merkmale unauffällig, ist keine weitere Bildgebung nötig. Andernfalls folgen Kernspintomografie oder eine nuklearmedizinische Untersuchung.

Eine Punktion wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt, etwa bei Verdacht auf eine Metastase eines anderen Tumors, und niemals ohne vorherige Hormonabklärung.

Wenn Hormone im Spiel sind

Jede der drei Überproduktionen hat ein eigenes Beschwerdebild, und alle drei werden häufig jahrelang als etwas anderes behandelt.

Cortisolüberschuss. Gewichtszunahme am Rumpf bei schlanken Armen und Beinen, rundes Gesicht, dünne Haut mit blauen Flecken, Muskelschwäche, Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose. Die milde Form ohne äußere Zeichen ist häufiger als die vollausgeprägte und wird nur über den Labortest gefunden.

Aldosteronüberschuss. Bluthochdruck, der sich mit mehreren Medikamenten nicht einstellen lässt, oft mit niedrigem Kalium, Muskelschwäche und nächtlichem Wasserlassen. Er gilt als die häufigste behandelbare Ursache eines schwer einstellbaren Hochdrucks und wird trotzdem selten gesucht.

Adrenalinüberschuss. Anfallsartige Beschwerden mit Bluthochdruck, Herzrasen, Schwitzen, Kopfschmerz und Angstgefühl, oft nur Minuten dauernd. Zwischen den Anfällen ist alles unauffällig, weshalb die Diagnose häufig als Panikstörung fehlgedeutet wird.

Nach erfolgreicher Operation bessern sich Blutdruck und Stoffwechsel bei einem großen Teil der Betroffenen erheblich, teils lassen sich Medikamente ganz absetzen.

Was daraus folgt

Kontrolle bei kleinen, hormoninaktiven, bildmorphologisch gutartigen Befunden: erneute Bildgebung nach etwa sechs bis zwölf Monaten, Hormonkontrolle in den ersten Jahren. Bleibt alles unverändert, sind weitere Kontrollen entbehrlich.

Operation bei hormonproduzierenden Tumoren, bei Größe über etwa vier Zentimetern, bei Wachstum im Verlauf und bei Verdacht auf Bösartigkeit. Durchgeführt wird sie in aller Regel minimalinvasiv, mit kurzem Aufenthalt und rascher Erholung.

Nach der Entfernung einer Seite übernimmt die Gegenseite die Aufgabe. Bei vorheriger Cortisolüberproduktion ist die gesunde Seite allerdings unterdrückt und braucht Monate, bis sie wieder anläuft. In dieser Zeit wird Cortisol als Medikament ersetzt, und das Absetzen erfolgt langsam und kontrolliert.

Häufige Fragen

Ich habe einen Zufallsbefund. Wie beunruhigt soll ich sein?

Die große Mehrheit dieser Befunde ist gutartig und hormonell inaktiv. Sinnvoll ist die vollständige Erstabklärung mit Hormonwerten und Beurteilung der Bildgebung. Fällt sie unauffällig aus, ist die Sache in aller Regel erledigt.

Muss ein Nebennierentumor immer entfernt werden?

Nein. Klein, hormoninaktiv und bildmorphologisch gutartig bedeutet Kontrolle statt Operation. Entfernt wird bei Hormonproduktion, bei Größe, bei Wachstum und bei Verdacht auf Bösartigkeit.

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Renal Cell Carcinoma. Ausgabe 2025.

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Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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