Leitlinie

Neue S3-Leitlinie: Bei unauffälligem MRT soll keine Prostatabiopsie mehr erfolgen

August 2026
In einfachen WortenWenn der PSA-Wert erhöht ist, war es lange üblich, Gewebeproben aus der Prostata zu entnehmen. Dafür werden mit einer Nadel etwa zwölf kleine Zylinder gestanzt. Das ist unangenehm und kann zu Blutungen und Infektionen führen.Weiterlesen

Seit einigen Jahren wird vorher eine Kernspinaufnahme gemacht, kurz MRT. Sie zeigt verdächtige Stellen. Ihr Ergebnis wird in fünf Stufen angegeben, den PI-RADS-Werten. Stufe 1 heißt unauffällig, Stufe 5 heißt hochverdächtig.

Neu ist: Bei den Stufen 1 und 2 soll gar keine Biopsie mehr erfolgen. Bisher war das eine Ermessensfrage, jetzt ist es eine klare Empfehlung.

Für viele Männer heißt das: erst das MRT, und wenn es unauffällig ist, keine Nadel.

Seit Juli 2025 liegt die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom in der achten Version vor, seit August 2025 in der Fassung 8.1. Herausgeber ist das Leitlinienprogramm Onkologie, getragen von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe. Sie ist der maßgebliche Behandlungsleitfaden für Prostatakrebs in Deutschland und wird laufend überprüft.

Was sich bei der Diagnose ändert

Die wichtigste Neuerung betrifft den Weg vom auffälligen PSA-Wert zur Diagnose. Bestätigt sich nach einer zweiten Messung und einer Beratung ein Risiko, soll eine Kernspinaufnahme der Prostata erfolgen. Erst danach wird über eine Gewebeentnahme entschieden.

Der Befund der Kernspinaufnahme wird nach PI-RADS eingestuft, einer fünfstufigen Skala für die Wahrscheinlichkeit eines bedeutsamen Tumors. Die Leitlinie empfiehlt jetzt ausdrücklich, bei den Stufen 1 und 2 keine Biopsie durchzuführen. Das ist Empfehlung 4.23 und gilt als wesentliche Änderung gegenüber der Vorversion.

Auch die Empfehlungen zur gezielten Biopsie unter Bildkontrolle, zur erneuten Biopsie nach einem unauffälligen ersten Befund und zur Durchführung der Stanzbiopsie wurden überarbeitet.

Warum das für Patienten zählt

Eine Prostatabiopsie ist kein harmloser Eingriff. Blut im Urin und im Ejakulat ist danach häufig und über Wochen möglich. Ernster sind Infektionen, die in seltenen Fällen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dazu kommt die Belastung durch das Warten auf den Befund.

Jede vermiedene Biopsie erspart diese Risiken. Zugleich findet die Kernspinaufnahme gerade die aggressiven Tumoren zuverlässig, während sie langsam wachsende Veränderungen seltener anzeigt. Genau diese Veränderungen hätten früher oft zu einer Behandlung geführt, die dem Mann keinen Vorteil gebracht hätte.

Wichtig bleibt: Ein unauffälliges MRT schließt einen Tumor nicht mit letzter Sicherheit aus. Die Leitlinie empfiehlt deshalb Verlaufskontrollen des PSA-Werts. Wer die Kontrollen auslässt, verliert den Sicherheitsgewinn wieder.

Wonach Sie fragen können

Wenn Ihnen nach einem erhöhten PSA-Wert direkt eine Biopsie vorgeschlagen wird, ist die Frage nach der Kernspinaufnahme berechtigt. Sinnvoll sind außerdem drei Fragen: Wie lautet mein PI-RADS-Wert? Wurde die Aufnahme nach dem aktuellen Standard befundet? Und wie geht es weiter, wenn keine Biopsie erfolgt?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kernspinaufnahme der Prostata inzwischen in definierten Situationen. Klären Sie die Kostenfrage vor dem Termin, nicht danach.

Zwei weitere Punkte aus der Leitlinie

Männern mit metastasierter Erkrankung oder mit Hinweisen auf eine familiäre Häufung von Tumoren wird nun ausdrücklich empfohlen, eine humangenetische Sprechstunde in Anspruch zu nehmen. Hintergrund ist, dass bestimmte Genveränderungen die Therapiewahl beeinflussen und auch für Angehörige bedeutsam sein können.

Außerdem sollen Männer zu einer gesunden Lebensweise beraten werden, also zu Ernährung, Bewegung und psychosozialer Situation. Zur Testosterongabe hält die Leitlinie fest, dass ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs bisher nicht nachgewiesen wurde.

Quellen

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, August 2025, AWMF-Registernummer 043-022OL.
European Association of Urology, EANM, ESTRO, ESUR, ISUP, SIOG: Guidelines on Prostate Cancer, Update 2026, Teil I zu Screening, Diagnostik und kurativer lokaler Therapie.
Weiterlesen
PSA-Wert verstehenProstata-MRTProstatabiopsieProstatakarzinom
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
Zum Schließen tippen · seitlich wischen für Details