Heute zahlt die Krankenkasse ab 45 nur die Tastuntersuchung der Prostata. Den PSA-Test zur Früherkennung bezahlen Männer ohne Beschwerden selbst.
Seit Oktober 2025 wird geprüft, ob ein Screening mit PSA-Test und anschließender MRT Kassenleistung wird. Das IQWiG hat dafür die Studien ausgewertet.
Im Vorbericht vom Juni 2026 sieht das Institut noch keinen belegten Nutzen, weil Langzeitdaten fehlen. Der Abschlussbericht ist für Ende 2026 angekündigt, entschieden wird spätestens im Oktober 2027.
Worum es geht
Die gesetzliche Früherkennung auf Prostatakrebs besteht seit Jahrzehnten aus einer jährlichen Tastuntersuchung ab 45. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie allein nicht mehr, weil sie zu viele Tumoren übersieht. Sie setzt auf einen risikoangepassten Weg: der PSA-Wert als Ausgangspunkt, bei erhöhtem Wert eine MRT der Prostata und nur bei auffälligem Bild eine Gewebeprobe.
Am 16. Oktober 2025 hat der Gemeinsame Bundesausschuss, der über die Leistungen der gesetzlichen Kassen entscheidet, dazu ein Verfahren eröffnet. Er hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Bewertung beauftragt.
Was das IQWiG schreibt
Der Vorbericht trägt den Stand 16. Juni 2026 und wurde am 23. Juni veröffentlicht. Das Institut hat 17 randomisierte Studien ausgewertet. Sein Fazit: Aus den vorliegenden Daten lässt sich noch kein Nutzen für ein Screening mit PSA und MRT ableiten.
Der Grund ist nicht, dass die MRT schadet. Die Kurzzeitdaten aus Schweden (Göteborg-2) und Finnland (ProScreen) zeigen, dass die MRT nach dem PSA-Test Gewebeproben, falsch-positive Befunde und Komplikationen durch die Biopsie verringert. Es fehlen aber Daten dazu, ob dadurch weniger Männer an Prostatakrebs sterben. ProScreen soll diese Daten erst 2033 liefern.
Das IQWiG spricht deshalb vom Potenzial der Methode. Bestätigen müsste sich, dass das kombinierte Screening die Sterblichkeit mindestens so gut senkt wie der PSA-Test allein.
Was über den PSA-Test bekannt ist
Für den PSA-Test allein gibt es diese Daten. Die europäische ERSPC-Studie mit 162.236 Männern zwischen 55 und 69 Jahren zeigt nach 23 Jahren 13 Prozent weniger Todesfälle durch Prostatakrebs in der Gruppe mit Screening. Um einen Todesfall zu verhindern, mussten 456 Männer zum Screening eingeladen werden. Nach 16 Jahren waren es noch 628.
Eine aktualisierte Cochrane-Übersicht kommt im Oktober 2026 zu einem ähnlichen Ergebnis: Screening senkt die Sterblichkeit an Prostatakrebs wahrscheinlich, um etwa zwei Todesfälle je 1.000 Männer.
Der Preis ist die Überdiagnose. Es werden Tumoren gefunden, die nie Beschwerden gemacht hätten. Genau hier setzt die MRT an: In der Göteborg-2-Studie halbierte sich mit der MRT-gesteuerten Biopsie der Anteil der Männer mit unbedeutenden Tumoren, von 1,2 auf 0,6 Prozent.
Wie die Fachgesellschaft reagiert
Die Deutsche Gesellschaft für Urologie hält die Datenlage für ausreichend. Ihr Vizepräsident Prof. Maurice Stephan Michel kritisierte im September, das IQWiG verknüpfe die Belege für den PSA-Test nicht mit denen für das risikoangepasste Vorgehen. Er rechnet nicht damit, dass der Abschlussbericht wesentlich anders ausfällt.
Was das für Patienten bedeutet
Vorerst ändert sich nichts. Die Kasse bezahlt ab 45 jährlich die Tastuntersuchung. Den PSA-Test zur Früherkennung bezahlen Sie selbst, je nach Praxis etwa 25 bis 45 Euro. Bei Beschwerden oder einem auffälligen Befund übernimmt ihn die Kasse.
Ob ein PSA-Test für Sie sinnvoll ist, ist eine persönliche Abwägung zwischen früher Entdeckung und dem Risiko einer Überdiagnose. Die S3-Leitlinie empfiehlt, Männern ab 45 diese Entscheidung nach einer Aufklärung anzubieten. Mehr dazu in unserem Ratgeber PSA-Wert verstehen.
Wie es weitergeht
Das IQWiG will den Abschlussbericht im vierten Quartal 2026 an den Gemeinsamen Bundesausschuss geben. Danach entscheidet der G-BA, ob und wie sich die Früherkennung ändert, nach eigener Ankündigung spätestens im Oktober 2027. Wir aktualisieren diese Meldung, sobald der Abschlussbericht vorliegt.