Bei Prostatakrebs mit niedrigem Risiko wird heute meist erst einmal kontrolliert statt behandelt. Das nennt sich Active Surveillance.
Beim günstigen mittleren Risiko war das bei jüngeren Männern offen. Die Sorge: Wer noch dreißig Jahre vor sich hat, könnte durch das Abwarten Zeit verlieren.
Eine Auswertung von 3.832 Männern unter 60 Jahren findet in den ersten Jahren keinen Unterschied beim Sterberisiko zwischen Kontrollieren und sofortiger Behandlung.
Worum es geht
Prostatakrebs wird in Risikogruppen eingeteilt. Beim niedrigen Risiko ist die Kontrolle statt der Behandlung seit Jahren der empfohlene Weg. Beim mittleren Risiko wird zwischen einer günstigen und einer ungünstigen Form unterschieden.
Für die günstige Form bei Männern unter 60 fehlten belastbare Daten. Gerade dort wiegt die Frage schwer: Eine Behandlung kostet Kontinenz und Erektion, ein Abwarten könnte Zeit kosten.
Was untersucht wurde
Ausgewertet wurden Daten des amerikanischen Krebsregisters SEER aus den Jahren 2010 bis 2020: 3.832 Männer unter 60 Jahren mit günstigem mittlerem Risiko. Verglichen wurden Kontrolle und sofortige Behandlung durch Operation oder Bestrahlung.
Was herauskam
Von 3.832 Männern starben 127, das sind 3,3 von hundert. Von diesen 127 Todesfällen gingen 18 auf den Prostatakrebs zurück, die übrigen auf andere Ursachen.
Beim Sterberisiko insgesamt fand die Auswertung keinen belegbaren Unterschied zwischen Kontrolle und sofortiger Behandlung. Bei Männern aus Minderheitengruppen in den USA war das Risiko, am Prostatakrebs zu sterben, nach sofortiger Behandlung jedoch geringer. Diese Zahl beruht allerdings auf sehr wenigen Todesfällen. Die Beobachtungszeit ist allerdings kurz für eine Erkrankung, die über Jahrzehnte verläuft.
Was das für Patienten bedeutet
Die Zahlen stützen, was in der Sprechstunde ohnehin besprochen wird: Auch unter 60 ist Abwarten mit engmaschiger Kontrolle eine vertretbare Wahl, wenn der Befund günstig ist.
Kontrolle heißt nicht Nichtstun. Dazu gehören PSA-Bestimmungen, Tastuntersuchung, MRT und in Abständen erneute Gewebeproben. Zeigt sich eine Veränderung, wird umgestellt.
Die Auswertung beruht auf Registerdaten, nicht auf einer randomisierten Studie. Wer sich für die Kontrolle entscheidet, wählt möglicherweise anders als wer sich behandeln lässt. Solche Unterschiede lassen sich nie vollständig herausrechnen.