Sakrale Neuromodulation ist ein Blasenschrittmacher: Eine dünne Elektrode wird neben den dritten Kreuzbeinnerv gelegt und über einen unter der Haut implantierten Impulsgeber dauerhaft mit schwachen Stromimpulsen stimuliert. Das normalisiert die gestörten Nervensignale zwischen Blase, Beckenboden und Gehirn. Sie wird bei überaktiver Blase, Dranginkontinenz und bei nicht obstruktivem Harnverhalt eingesetzt, wenn Medikamente versagt haben, außerdem bei Stuhlinkontinenz.
Zwei Schritte: Zuerst die Testphase: Die Elektrode wird in örtlicher Betäubung oder kurzer Narkose über das Kreuzbein gelegt und an einen äußeren Testgenerator angeschlossen, den der Patient zwei bis vier Wochen am Gürtel trägt. Verbessern sich die Beschwerden laut Miktionsprotokoll um mindestens 50 Prozent, wird im zweiten Schritt der dauerhafte Impulsgeber in der oberen Gesäßregion eingesetzt. Etwa 70 bis 80 Prozent der Getesteten erreichen die Schwelle.
Ergebnisse: Bei überaktiver Blase berichten nach fünf Jahren etwa zwei Drittel weiterhin eine deutliche Besserung, bei Harnverhalt entleeren etwa 70 Prozent ihre Blase wieder ohne Katheter. Die Wirkung ist umkehrbar, das System kann jederzeit abgeschaltet oder entfernt werden. Moderne Geräte sind MRT-tauglich und halten mit Akku bis zu 15 Jahre, ältere Batterien fünf bis sieben Jahre, dann wird der Generator gewechselt.
Risiken und Grenzen: Schmerzen an der Implantatstelle, Elektrodenverschiebung, Infektion bei etwa drei Prozent und unangenehme Stromgefühle, die meist durch Umprogrammierung behoben werden. Etwa jeder dritte Patient braucht innerhalb von fünf Jahren eine Revision. Bei kompletter Querschnittlähmung wirkt sie nicht, bei neurologischen Erkrankungen mit erhaltenen Nervenbahnen teilweise. Eine Alternative ohne Implantat ist die Stimulation des Schienbeinnervs am Knöchel, mit Nadel oder Pflaster, die wöchentlich durchgeführt wird und schwächer, aber nebenwirkungsarm wirkt.