Ejaculatio praecox ist der vorzeitige Samenerguss, die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes mit einer Häufigkeit von etwa 20 bis 30 Prozent. Definiert ist sie durch einen Samenerguss innerhalb von etwa einer Minute nach dem Eindringen, fehlende Kontrolle über den Zeitpunkt und Leidensdruck bei einem oder beiden Partnern. Die mittlere Zeit bis zum Samenerguss liegt bei Männern ohne Störung bei fünf bis sechs Minuten.
Formen: Die lebenslange Form besteht seit dem ersten Geschlechtsverkehr und hat überwiegend neurobiologische Ursachen, vermutlich eine Veränderung im Serotonin-Stoffwechsel. Die erworbene Form tritt später auf und hat oft eine fassbare Ursache: Erektionsstörung, bei der der Mann sich beeilt, bevor die Erektion nachlässt, Prostatitis, Schilddrüsenüberfunktion, Beziehungsprobleme oder Stress. Daneben gibt es die gefühlte Form, bei der die Zeit objektiv normal ist.
Behandlung: Verhaltenstechniken wie Stopp-Start und Squeeze helfen vielen Männern, besonders in Kombination mit Sexualberatung. Betäubende Cremes oder Sprays mit Lidocain verzögern den Samenerguss um das Drei- bis Sechsfache. Dapoxetin, ein kurz wirksames Antidepressivum aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, ist als einziges Medikament zugelassen und wird ein bis drei Stunden vor dem Verkehr eingenommen. Andere Wirkstoffe derselben Gruppe werden als Dauertherapie außerhalb der Zulassung eingesetzt. Bei gleichzeitiger Erektionsstörung hilft ein PDE5-Hemmer.
Einordnung: Die Störung ist körperlich harmlos, belastet aber Selbstwert und Partnerschaft erheblich und führt dazu, dass Männer Sex vermeiden. Beckenbodentraining zeigt in kleinen Studien Effekte. Eine Beschneidung verzögert den Samenerguss nicht zuverlässig. Das Gespräch mit dem Urologen ist der schwerste Schritt, die Behandlung danach meist einfach.