Es ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes und keine Frage von Willensstärke.
Behandelt wird auf zwei Wegen, oft zusammen: mit Übungen, die die Wahrnehmung schulen, und mit Medikamenten, die den Reflex verzögern.
Der Partner oder die Partnerin einzubeziehen verbessert das Ergebnis deutlich. Das ist kein Beiwerk, sondern Teil der Behandlung.
Vorzeitiger Samenerguss ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes. Damit von einer behandlungsbedürftigen Störung gesprochen wird, müssen drei Dinge zusammenkommen, und der dritte ist der wichtigste.
Fehlt der dritte Punkt, liegt keine Störung vor, auch wenn die Zeit kurz erscheint. Umgekehrt gilt: Wer leidet, hat ein behandelbares Problem, unabhängig davon, was Statistiken sagen.
Die Abklärung ist meist kurz und besteht überwiegend aus einem Gespräch. Gefragt wird nach dem Beginn, nach der geschätzten Zeit, nach der Situation in der Partnerschaft und danach, ob die Erektion gleichzeitig nachgelassen hat.
Eine körperliche Untersuchung gehört dazu, weil sie eine Prostataentzündung und eine zu enge Vorhaut erfassen kann, die beide zu vorzeitigem Samenerguss beitragen können. Bei der erworbenen Form kommen Schilddrüsenwerte und je nach Situation ein Testosteronwert hinzu.
Aufwendige Untersuchungen sind nicht nötig. Wer mit einer langen Liste an Tests konfrontiert wird, sollte nachfragen, was daraus für die Behandlung folgt.
Ein wiederkehrendes Muster in der Sprechstunde: Der Mann leidet erheblich, die Partnerin schildert das Problem als deutlich weniger belastend, oder umgekehrt. Beides ist häufig und beides ist ernst zu nehmen.
Wenn der Leidensdruck überwiegend beim Mann liegt, spielen Vorstellungen davon, was normal sei, oft eine größere Rolle als die tatsächliche Situation. Hier hilft die Einordnung: Der Mittelwert liegt bei etwa fünf Minuten, mit sehr großer Streuung, und Pornografie bildet keinen realistischen Maßstab ab.
Liegt der Leidensdruck bei der Partnerin, geht es meist weniger um Zeit als um das, was danach passiert oder nicht passiert. Ein Gespräch darüber verändert die Situation oft mehr als jede Tablette.
Diese Unterscheidung entscheidet über das weitere Vorgehen.
Lebenslang heißt: Es war von den ersten sexuellen Erfahrungen an so. Hier spielen körpereigene Regelkreise eine Rolle, insbesondere der Serotoninstoffwechsel. Behandelt wird symptomatisch.
Erworben heißt: Es war früher anders. Dann wird nach einer Ursache gesucht, und häufig findet sich eine. Infrage kommen eine beginnende Erektionsstörung, eine Prostataentzündung, eine Schilddrüsenüberfunktion und Belastungen in der Partnerschaft.

Verhaltenstechniken. Bei der Stopp-Start-Methode wird die Stimulation kurz vor dem Punkt ohne Wiederkehr unterbrochen und nach dem Abklingen fortgesetzt. Die Squeeze-Technik arbeitet mit kurzem Druck auf die Eichel. Beide funktionieren, verlangen aber Übung über Wochen und die Mitwirkung der Partnerin oder des Partners.
Beckenbodentraining. In Untersuchungen konnte gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur die Zeit bis zum Samenerguss deutlich verlängern. Es ist nebenwirkungsfrei und wird trotzdem selten empfohlen.
Gespräche zu zweit. Häufig ist ein Kreislauf entstanden: Versagensangst führt zu Anspannung, Anspannung beschleunigt, das Erlebnis bestätigt die Angst. Diesen Kreis zu benennen ist oft der erste wirksame Schritt.
Verhaltenstechniken wirken, scheitern in der Praxis aber oft daran, dass sie unstrukturiert versucht werden. Ein gestuftes Vorgehen über einige Wochen hat bessere Aussichten.
Erste Phase, allein. Bei der Selbstbefriedigung wird die Erregung bis kurz vor den Punkt ohne Wiederkehr gesteigert und dann pausiert, bis sie deutlich abgeklungen ist. Drei bis vier Durchgänge pro Sitzung, zwei bis drei Sitzungen pro Woche. Ziel ist, den Punkt überhaupt erst zu erkennen, denn vielen Männern fehlt genau diese Wahrnehmung.
Zweite Phase, zu zweit ohne Verkehr. Dasselbe Vorgehen mit der Partnerin, zunächst ohne Eindringen. Das nimmt den Erwartungsdruck heraus, der die eigentliche Beschleunigung erzeugt.
Dritte Phase, mit Verkehr. Erst jetzt mit Eindringen, zunächst in ruhiger Position mit wenig Bewegung, mit Pausen nach demselben Muster.
Rechnen Sie mit sechs bis zwölf Wochen. Rückschläge gehören dazu und bedeuten nicht, dass es nicht funktioniert. Die Kombination mit einem betäubenden Spray oder einem Medikament in der Anfangszeit ist ausdrücklich sinnvoll: Sie nimmt den Druck, unter dem Üben ohnehin nicht gelingt.
Betäubende Sprays oder Cremes mit Lidocain und Prilocain werden etwa zehn bis fünfzehn Minuten vorher aufgetragen und setzen die Empfindlichkeit herab. Sie wirken zuverlässig und sind gut steuerbar. Wichtig ist, den Überschuss vor dem Verkehr abzuwischen oder ein Kondom zu verwenden, sonst wird die Partnerin ebenfalls betäubt.
Dapoxetin ist der einzige in Deutschland für diese Indikation zugelassene Wirkstoff. Er wird ein bis drei Stunden vor dem Verkehr eingenommen und verlängert die Zeit im Schnitt deutlich. Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Kopfschmerz und Schwindel.
Andere Antidepressiva aus derselben Gruppe werden täglich eingenommen und wirken stärker, sind für diese Anwendung aber nicht zugelassen. Das ist zulässig, gehört aber ausdrücklich besprochen.
Untersuchungen zur Zeit zwischen Eindringen und Samenerguss finden einen Mittelwert von etwa fünf Minuten, mit sehr großer Streuung. Die Zahl allein sagt aber wenig. Entscheidend ist, ob Sie und Ihre Partnerin damit zufrieden sind.
Beides sind gängige Selbsthilfestrategien mit begrenztem Effekt. Kondome setzen die Empfindlichkeit etwas herab, betäubende Präparate wirken zuverlässiger. Der zweite Verkehr nach kurzer Pause dauert bei vielen länger, ist aber keine Lösung für den Alltag.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2024.
• Althof, S. E. et al. International Society for Sexual Medicine Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Premature Ejaculation. Journal of Sexual Medicine, 11(6), 1392-1422. PMID 24848686
Reviews
• Althof, S. E. et al. International Society for Sexual Medicine Guideline for the Diagnosis and Treatment of Premature Ejaculation. Sexual Medicine, 2014;2(2):60-90. PMID 25356302