Chemolitholyse ist die medikamentöse Auflösung von Harnsteinen. Sie gelingt nur bei bestimmten Steinarten, vor allem bei Harnsäuresteinen, seltener bei Zystin- und Infektsteinen. Kalziumoxalat- und Kalziumphosphatsteine, drei Viertel aller Steine, lassen sich nicht auflösen.
Harnsäuresteine: Sie entstehen in saurem Urin und lösen sich, wenn der pH-Wert dauerhaft auf 6,5 bis 7,0 angehoben wird. Dazu nimmt der Patient Alkalicitrat oder Natriumbikarbonat ein und kontrolliert den pH mehrmals täglich mit Teststreifen. Zusätzlich zwei bis drei Liter Trinkmenge, weniger Fleisch und Alkohol, bei hohen Harnsäurewerten Allopurinol. Steine bis einem Zentimeter lösen sich in vier bis acht Wochen, größere brauchen Monate. Die Erfolgsrate liegt bei konsequenter Durchführung über 80 Prozent.
Andere Steine: Zystinsteine, eine seltene Erbkrankheit, lösen sich bei pH über 7,5 und sehr hoher Trinkmenge teilweise, meist ist zusätzlich eine Steinentfernung nötig. Infektsteine aus Struvit können mit einer Spülung über eine Nierenfistel aufgelöst werden, was heute kaum noch praktiziert wird; entscheidend ist die Entfernung und die dauerhafte Infektsanierung.
Voraussetzungen: Die Steinart muss bekannt oder sehr wahrscheinlich sein: niedriger Urin-pH, im Röntgen unsichtbarer, im CT aber sichtbarer Stein mit niedriger Dichte, frühere Steinanalyse. Kein Harnstau, kein Infekt, keine unerträglichen Schmerzen. Kontrollen per Ultraschall oder CT alle vier bis sechs Wochen. Die Auflösung ist zugleich die Vorbeugung: Wer den pH langfristig im Zielbereich hält, bildet keine neuen Harnsäuresteine.