Äußeres Genital

Blut im Sperma (Hämospermie)

Hämospermie: warum sehr wenig Blut für die Verfärbung genügt, welche Ursachen häufig sind und ab wann eine Abklärung empfohlen wird.
Redaktion: UroWissen
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Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
In einfachen WortenBlut im Ejakulat erschreckt und ist bei jüngeren Männern fast immer harmlos. Meist steckt eine kleine Entzündung dahinter, oft findet sich gar kein Grund.Weiterlesen

Es kann über Wochen immer wieder auftreten, auch das ist normal, und es verschwindet in den allermeisten Fällen von selbst.

Anders bei Männern über vierzig, bei wiederholtem Auftreten über mehrere Wochen oder wenn Beschwerden dazukommen. Dann gehört es abgeklärt.

Nach einer Prostata-Biopsie ist Blut im Ejakulat normal, manchmal wochenlang. Das ist kein Grund zur Sorge.

Wann Sie es abklären lassen sollten

Ab etwa 40 Jahren wird grundsätzlich untersucht, weil hier häufiger eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt.
Wenn es länger als vier Wochen anhält oder wiederholt auftritt, unabhängig vom Alter.
Bei Begleitzeichen: Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen, Fieber, Blut im Urin, tastbare Veränderungen oder ungewollter Gewichtsverlust.
Bei jungen Männern ohne Begleitzeichen und mit einmaligem Auftreten ist Abwarten über einige Wochen vertretbar.
Blutproben im Labor
Ab etwa vierzig Jahren gehört der PSA-Wert zur Abklärung, ergänzt um Urinuntersuchung und Blutdruckmessung.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Erschreckend, aber meist harmlos

Blut im Sperma ist ein Anblick, der fast jeden erst einmal beunruhigt. Die gute Nachricht steht deshalb am Anfang: In der großen Mehrzahl der Fälle steckt keine ernste Ursache dahinter, besonders bei Männern unter vierzig, und die Beschwerden verschwinden von selbst.

Das liegt auch daran, dass sehr wenig Blut ausreicht, um das Ejakulat deutlich zu verfärben. Die sichtbare Menge sagt nichts über die Schwere der Ursache aus.

Was in der Regel dahintersteckt

Am häufigsten sind Entzündungen der Prostata oder der Samenblasen, die sich nicht immer durch weitere Beschwerden bemerkbar machen. Ebenfalls häufig sind kleine Verletzungen kleiner Gefäße, etwa nach längerer Enthaltsamkeit oder besonders häufiger Aktivität.

Ein eigener Fall sind Eingriffe: Nach einer Prostatabiopsie ist Blut im Sperma die Regel und kann bis zu sechs Wochen anhalten, oft rostbraun verfärbt. Ebenso nach einer Vasektomie und nach Eingriffen an der Harnröhre.

Seltener finden sich Zysten oder Steine in den Samenwegen, eine Verengung, oder eine Gerinnungsstörung. Bösartige Ursachen sind selten, kommen aber vor, und deshalb gibt es klare Regeln, wann abgeklärt wird.

Die Rolle des Alters

Die Vierzig-Jahre-Grenze wirkt willkürlich, hat aber einen sachlichen Hintergrund. Unterhalb davon sind entzündliche Ursachen und kleine Gefäßverletzungen so dominant, dass die Wahrscheinlichkeit einer behandlungsbedürftigen Ursache sehr gering ist. Oberhalb steigt sie an, und zwar nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich.

Deshalb wird bei jüngeren Männern mit einmaligem Auftreten und ohne Begleitzeichen zunächst abgewartet, während ab vierzig untersucht wird, und ab fünfzig gründlicher. Das ist keine Altersdiskriminierung, sondern angewandte Wahrscheinlichkeitsrechnung, die unnötige Untersuchungen bei Jüngeren vermeidet.

Nach einer Prostatabiopsie

Dieser Fall verdient eine eigene Erwähnung, weil er häufig ist und regelmäßig Sorgen auslöst. Nach einer Prostatabiopsie ist Blut im Sperma nicht eine mögliche Nebenwirkung, sondern der Regelfall.

Es tritt bei der großen Mehrheit auf, kann bis zu sechs Wochen anhalten und ist oft rostbraun statt rot, weil das Blut älter ist. Es hält damit deutlich länger an als das Blut im Urin, das meist nach wenigen Tagen verschwindet, und genau diese Diskrepanz beunruhigt.

Weder Enthaltsamkeit noch Behandlung sind nötig. Ärztlich melden sollten Sie sich nur, wenn zusätzlich Fieber auftritt, die Blutung im Urin stark zunimmt oder Sie nicht mehr Wasser lassen können.

Was untersucht wird

Am Anfang stehen Gespräch, Tastuntersuchung, Urinuntersuchung und Blutdruckmessung, denn ein stark erhöhter Blutdruck kann beteiligt sein. Ab vierzig kommt der PSA-Wert hinzu.

Der Ultraschall über den Enddarm beurteilt Prostata und Samenblasen und erkennt Zysten, Steine und Erweiterungen. Bleibt die Ursache unklar und hält die Blutung an, folgt eine Kernspintomografie, die die Samenwege am besten darstellt.

Behandlung

Findet sich keine Ursache, was häufig vorkommt, wird nicht behandelt, sondern beobachtet. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern das angemessene Vorgehen: Eine Therapie ohne Ziel schadet mehr, als sie nützt.

Liegt eine Entzündung vor, wird sie behandelt, in der Regel über mehrere Wochen. Steine, Zysten oder Verengungen werden gezielt angegangen. Nach Eingriffen genügt Geduld.

Praktischer Hinweis für die Sprechstunde: Notieren Sie, wann es aufgetreten ist, wie oft, ob Schmerzen dabei waren und ob kurz zuvor eine Untersuchung oder ein Eingriff stattgefunden hat. Diese vier Angaben führen häufig schneller zur Erklärung als jede Bildgebung. Und lassen Sie sich nicht davon abhalten, den Termin wahrzunehmen, weil es Ihnen unangenehm ist: Blut im Sperma ist ein alltäglicher Vorstellungsgrund in jeder urologischen Praxis.

Was in der Zwischenzeit gilt

Wenn Abwarten vereinbart wurde, was bei jüngeren Männern ohne Begleitzeichen der Regelfall ist, gelten ein paar einfache Punkte.

Beobachten statt kontrollieren. Notieren Sie, wie oft es auftritt und ob die Menge zu- oder abnimmt. Ständiges Nachsehen erhöht vor allem die Anspannung.

Blutdruck messen lassen. Ein deutlich erhöhter Blutdruck kann beteiligt sein und wird ohnehin behandelt, wenn er auffällt. Das ist eine der wenigen selbst beeinflussbaren Ursachen.

Blutverdünner prüfen. Wer gerinnungshemmende Mittel nimmt, sollte das erwähnen. Abgesetzt wird deswegen in aller Regel nichts, aber die Einordnung ändert sich.

Sexuelle Aktivität normal fortsetzen. Weder Enthaltsamkeit noch besonders häufige Aktivität beeinflussen den Verlauf günstig. Sehr lange Pausen können die Blutung eher begünstigen.

Kommt es innerhalb von vier Wochen nicht zum Stillstand oder tritt es nach einer beschwerdefreien Phase erneut auf, wird untersucht, auch bei jüngeren Männern.

Häufige Fragen

Ist das ein Zeichen für Prostatakrebs?

In aller Regel nicht. Prostatakrebs verursacht im heilbaren Stadium meist gar keine Beschwerden, Blut im Sperma gehört nicht zu seinen typischen Zeichen. Trotzdem wird ab vierzig Jahren untersucht, weil sich in dieser Altersgruppe häufiger eine behandlungsbedürftige Ursache findet.

Muss ich auf Sex verzichten?

Nein. Blut im Sperma ist nicht ansteckend und stellt für die Partnerin kein Risiko dar. Auch für die Abklärung ist Enthaltsamkeit nicht nötig, es sei denn, es steht ein Spermiogramm an, für das ein Abstinenzintervall vereinbart wird.

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2024.

Studien

• Ahmad, I. & Krishna, N. S. Hemospermia. Journal of Urology, 2007. PMID 17437771

Reviews

• Suh, Y. et al. Etiologic classification, evaluation, and management of hematospermia. Translational Andrology and Urology, 2017;6(5):959-972. PMID 29184797

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