Wer Blasenkrebs hatte, muss über Jahre regelmäßig zur Blasenspiegelung. Einen Urintest, der sie ersetzt, gibt es bisher nicht.
Forscher aus Stanford haben einen Test entwickelt, der Bruchstücke von Tumor-RNA im Urin liest. In ihrer Studie erkannte er 95 von 100 örtlich begrenzten Blasentumoren.
Der Test ist noch nicht zugelassen und nicht erhältlich. Bevor er die Blasenspiegelung ergänzen oder ersetzen kann, braucht es größere Studien.
Das Problem
Blasenkrebs kommt häufig zurück. Deshalb gehört nach der Behandlung eine regelmäßige Blasenspiegelung zur Nachsorge, über Jahre. Sie ist zuverlässig, aber unangenehm. Die Untersuchung der Zellen im Urin, die Urinzytologie, ist einfacher, übersieht aber gerade die langsam wachsenden Tumoren oft.
Was die Forscher gemacht haben
Ein Team der Stanford University hat ein Verfahren namens uRARE-seq entwickelt. Es sucht im Urin nach freien RNA-Bruchstücken. RNA ist die Arbeitskopie der Gene. Tumorzellen hinterlassen dabei ein eigenes Muster.
Untersucht wurden 683 Urinproben von Patienten mit Krebs und von Menschen ohne Krebs. Die Ergebnisse sind Anfang Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine erschienen.
Was herauskam
Bei örtlich begrenztem Blasenkrebs erkannte der Test 95 von 100 Erkrankten. Von 100 Menschen ohne Krebs stufte er 90 richtig als unauffällig ein, bei 10 schlug er fälschlich an. Damit war er empfindlicher als die Untersuchung von Tumor-DNA im Urin, die schon länger erforscht wird.
Zwei weitere Ergebnisse betreffen die Nachsorge. Der Test erkannte auch kleinste Tumorreste nach der Behandlung. Und aus dem Urin vor einer BCG-Behandlung ließ sich ablesen, wer gut darauf ansprechen würde. Bei 114 Patienten erreichte diese Vorhersage einen Wert von 0,93 auf einer Skala, auf der 0,5 dem Zufall entspricht und 1,0 einer perfekten Trennung.
Was der Test noch nicht kann
Die Studie stammt aus einem Zentrum und hat Proben im Nachhinein ausgewertet. Die Autoren schreiben selbst, dass vorausschauende Studien nötig sind, bevor der Nutzen im Alltag feststeht. Zwei der Autoren arbeiten für das Unternehmen Resero Bio.
Urintests auf Blasenkrebs gibt es seit Jahren. Keiner hat die Blasenspiegelung bisher ersetzt, die europäische Leitlinie sieht sie weiterhin als Standard der Nachsorge.
Was das für Patienten bedeutet
Für die Nachsorge ändert sich vorerst nichts. Lassen Sie geplante Blasenspiegelungen nicht ausfallen. Bestätigen sich die Ergebnisse, könnten solche Tests später helfen, Spiegelungen seltener zu machen oder die Behandlung gezielter auszuwählen.
Blut im Urin bleibt das wichtigste Warnzeichen. Es gehört ärztlich abgeklärt, auch wenn es nur einmal auftritt.