Diagnostik

Liquid Biopsy in der Urologie: Krebs im Blut erkennen

November 2025
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Eine Krebsdiagnose stützt sich heute fast immer auf Gewebeproben. Eine Biopsie aus der Prostata, der Blase oder einem auffälligen Bereich der Niere liefert die entscheidende Information, ob es sich um einen Tumor handelt und wie aggressiv er ist. Doch Biopsien sind invasiv, mit Risiken behaftet und nicht beliebig oft wiederholbar. Genau hier setzt eine Technologie an, die sich Liquid Biopsy nennt, also flüssige Biopsie. Sie analysiert Tumorbestandteile, die der Krebs ins Blut abgibt, und ermöglicht so eine Diagnostik, die ohne Eingriff in den Körper auskommt.

Wie die Methode funktioniert

Im Prinzip nutzt die Methode den Umstand, dass Tumore ständig kleine Mengen ihres Erbguts in die Blutbahn freisetzen. Diese sogenannte zellfreie Tumor-DNA, kurz ctDNA, lässt sich mit modernen Sequenzierverfahren auch in geringsten Mengen nachweisen. Aus einem normalen Blutröhrchen lassen sich heute spezifische Mutationen, Genaktivitätsmuster oder ganze Tumorgenome bestimmen. Auch zirkulierende Tumorzellen, also einzelne Krebszellen, die sich vom Primärtumor gelöst haben und durch das Blut wandern, können erfasst und analysiert werden.

Aktuelle Anwendungen in der Urologie

In der Urologie sind die ersten Anwendungen mittlerweile in der klinischen Praxis angekommen. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs hilft die Liquid Biopsy bei der Auswahl der Therapie. Bestimmte Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 oder anderen DNA-Reparaturgenen sprechen besonders gut auf neuere Wirkstoffe wie PARP-Inhibitoren an. Statt eine erneute invasive Biopsie aus einer Knochenmetastase zu nehmen, kann der Arzt diese Mutationen heute aus einer Blutprobe bestimmen. Auch beim Blasenkrebs gibt es vielversprechende Daten, etwa zur Früherkennung eines Wiederauftretens nach kurativer Operation.

Verlaufsbeobachtung als besondere Stärke

Eine besondere Stärke der Methode liegt in der Verlaufsbeobachtung. Bei Patienten unter laufender Therapie kann die Menge der ctDNA im Blut Hinweise auf das Therapieansprechen geben. Sinkt sie, ist das ein günstiges Zeichen. Steigt sie wieder an, deutet das auf ein erneutes Tumorwachstum hin, oft bevor die Bildgebung Veränderungen zeigt. So lässt sich die Therapie früher anpassen, was die Behandlungserfolge verbessern kann. Auch nach erfolgreicher Operation nutzt man die Methode, um eine sogenannte minimale Resterkrankung zu erkennen, also einzelne verbliebene Tumorzellen, die im konventionellen Labor und in der Bildgebung noch nicht zu sehen sind.

Wo die Methode heute steht

Bei aller Faszination bleibt die Liquid Biopsy in der breiten urologischen Routine noch nicht angekommen. Die Tests sind teuer, ihre Aussagekraft hängt stark vom verwendeten Verfahren ab, und die Erstattung durch die Krankenkasse ist nur in ausgewählten Indikationen geregelt. Die Forschung der nächsten Jahre wird klären, in welchen klinischen Situationen die Methode einen echten Mehrwert bietet und wann sie zusätzliche Information liefert, ohne therapeutische Konsequenzen zu haben. Klar ist aber, dass die Liquid Biopsy in der Krebsmedizin der nahen Zukunft einen festen Platz haben wird, auch in der Urologie. Wer betroffen ist und sich für die Möglichkeiten interessiert, sollte das Gespräch mit dem behandelnden Onkologen oder Urologen suchen.

Quellen

  1. Birkenkamp-Demtröder, K., Christensen, E., Lindskrog, S. V., et al. (2025). Personalized ctDNA assessment for monitoring of urothelial carcinoma: a multicentre prospective validation study. Lancet Oncology, 26(8), 1024–1034.
  2. Wyatt, A. W., Annala, M., Aggarwal, R., et al. (2017). Concordance of circulating tumor DNA and matched metastatic tissue biopsy in prostate cancer. Journal of the National Cancer Institute, 109(12), djx118.
  3. Christensen, E., Birkenkamp-Demtröder, K., Sethi, H., et al. (2019). Early detection of metastatic relapse and monitoring of therapeutic efficacy by ultra-deep sequencing of plasma cell-free DNA in patients with urothelial bladder carcinoma. Journal of Clinical Oncology, 37(18), 1547–1557.
  4. Annala, M., Vandekerkhove, G., Khalaf, D., et al. (2018). Circulating tumor DNA genomics correlate with resistance to abiraterone and enzalutamide in prostate cancer. Cancer Discovery, 8(4), 444–457.