Klinikfinder

Zertifizierte Krebszentren: bessere Überlebenschancen, jetzt im Klinikfinder sichtbar

August 2026
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Wer mit einer Krebsdiagnose eine Klinik sucht, hört oft den Rat: Gehen Sie in ein zertifiziertes Zentrum. Ob das mehr ist als ein Gütesiegel auf dem Briefpapier, hat die größte deutsche Versorgungsstudie dazu untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig, und es gilt ausdrücklich auch für den Prostatakrebs. Deshalb zeigt der Klinikfinder von UroWissen ab sofort, welche der 459 urologischen Fachabteilungen ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft tragen.

Was ein zertifiziertes Zentrum ist

Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert Kliniken, die für eine bestimmte Krebsart nachweisbar bestimmte Anforderungen erfüllen: Mindestfallzahlen, eine wöchentliche Tumorkonferenz mit allen beteiligten Fachrichtungen, Behandlung nach Leitlinie, feste Kooperationen mit Pathologie, Strahlentherapie, Psychoonkologie und Selbsthilfe, und eine jährliche Überprüfung durch externe Auditoren. Für die Urologie gibt es Zentren für Prostatakrebs, Harnblasenkrebs, Nierenkrebs, Hodenkrebs und Peniskrebs. Kliniken, die mehrere dieser Zertifikate halten, können sich als Uroonkologisches Zentrum zertifizieren lassen. Das Zertifikat gilt drei Jahre und muss dann erneuert werden; die Anforderungen werden laufend verschärft.

Die WiZen-Studie: 11 Krebsarten, über eine Million Patienten

Die vom Innovationsfonds geförderte Studie „Wirksamkeit der Versorgung in onkologischen Zentren“ (WiZen) verglich für elf Krebsarten das Überleben von Patienten, die in einem zertifizierten Zentrum erstbehandelt wurden, mit dem von Patienten in nicht zertifizierten Kliniken. Grundlage waren die Abrechnungsdaten von rund 22 Millionen AOK-Versicherten sowie vier klinische Krebsregister, Behandlungsjahre 2009 bis 2017, über tausend Krankenhäuser. Die Forscher um Jochen Schmitt von der TU Dresden und Monika Klinkhammer-Schalke vom Tumorzentrum Regensburg rechneten Alter, Begleiterkrankungen, Tumorstadium und Klinikgröße heraus, damit nicht einfach größere Häuser mit jüngeren Patienten besser abschneiden.

Das Ergebnis: Bei allen elf Krebsarten lag die Sterblichkeit in zertifizierten Zentren niedriger. Statistisch gesichert und in beiden Datenquellen übereinstimmend war der Vorteil beim Darmkrebs, beim Brustkrebs, beim Gebärmutterhalskrebs, bei Hirntumoren und beim Prostatakrebs. Der relative Überlebensvorteil lag je nach Tumorart zwischen 3 und 23 Prozent. Beim Prostatakrebs wurden über 24.000 Patienten aus zertifizierten und 57.000 aus nicht zertifizierten Häusern verglichen. Der Vorteil war bei lokal begrenzten und lokal fortgeschrittenen Tumoren deutlicher als bei bereits metastasierten.

Einordnung: WiZen ist keine randomisierte Studie; niemand wurde per Los einer Klinik zugeteilt. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass ein Teil des Effekts auf die höheren Fallzahlen zertifizierter Zentren zurückgehen kann. Für Patienten ist das kein Einwand, sondern Teil der Botschaft: Erfahrung und Struktur gehören zusammen, und das Zertifikat bündelt beides.

Warum das für die Urologie zählt

Trotz der Empfehlungen des Nationalen Krebsplans werden in Deutschland noch immer rund 40 Prozent aller Krebspatienten in nicht zertifizierten Krankenhäusern erstbehandelt. Beim Prostatakrebs war es im Untersuchungszeitraum sogar die Mehrheit. Dabei ist die Zahl der zertifizierten urologischen Zentren hoch: OncoMap, die Datenbank der Deutschen Krebsgesellschaft, listet derzeit 433 uroonkologische Organzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz und 119 Uroonkologische Zentren. Wer sie sucht, findet sie dort; wer sie aber mit Fallzahlen und Verfahren vergleichen will, musste bisher zwei Quellen nebeneinanderlegen.

Neu im Klinikfinder: das Zertifikat neben der Fallzahl

UroMaps, der Klinikfinder von UroWissen, verbindet ab heute beides. Für jede der 459 urologischen Fachabteilungen in Deutschland zeigt er, ob und wofür sie von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert ist: Prostatakrebs, Harnblasenkrebs, Nierenkrebs, Hodenkrebs, Peniskrebs oder als Uroonkologisches Zentrum. 167 Abteilungen tragen mindestens ein Zertifikat, 155 davon für Prostatakrebs. Mit einem Häkchen lässt sich die Liste auf zertifizierte Zentren beschränken, und wer einen Eingriff wählt, etwa die radikale Prostatektomie, sieht nur die Zentren, die für genau diese Krebsart zertifiziert sind, sortiert nach der Zahl der Eingriffe. Auf den Stadtseiten für die zwölf größten Städte steht das Zertifikat direkt an der Klinik.

Damit beantwortet der Klinikfinder die zwei Fragen, die bei der Klinikwahl zählen, auf einen Blick: Wie oft macht diese Klinik den Eingriff, und erfüllt sie die geprüften Strukturanforderungen für meine Krebsart. Beides ersetzt nicht das Gespräch mit dem behandelnden Urologen, aber es macht es besser vorbereitet.

Was das Zertifikat nicht sagt: Es bewertet Strukturen und Prozesse, nicht den einzelnen Operateur, und es sagt nichts über Kliniken aus, die sich nicht um ein Zertifikat bemüht haben. Eine hohe Fallzahl ohne Zertifikat kann ebenso für Erfahrung stehen. Deshalb zeigt der Klinikfinder beides nebeneinander und verbirgt nichts.
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Quellen

Schmitt J, Klinkhammer-Schalke M, Bierbaum V, Gerken M, Bobeth C, Rößler M, Dröge P, Ruhnke T, Günster C, Kleihues-van Tol K, Schoffer O, on behalf of the WiZen Study Group. Initial cancer treatment in certified versus non-certified hospitals: results of the WiZen comparative cohort study. Deutsches Ärzteblatt International 2023;120:647-654. doi:10.3238/arztebl.m2023.0169
Schoffer O, Klinkhammer-Schalke M, Schmitt J. WiZen-Studie: Überlebensvorteile bei Behandlung in zertifizierten Krebszentren. G+G Wissenschaft 2022;22(4):7-15.
Schoffer O et al. Ergebnisbericht zum Projekt Wirksamkeit der Versorgung in onkologischen Zentren (WiZen). Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss, 2022.
Deutsche Krebsgesellschaft. OncoMap, Datenbank der zertifizierten Zentren, oncomap.de, Stand August 2026.
Strukturierte Qualitätsberichte der Krankenhäuser 2024, Gemeinsamer Bundesausschuss.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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