Lexikon

Orchidektomie

Orchidektomie ist die operative Entfernung eines oder beider Hoden. Der häufigste Grund ist Hodenkrebs; dann erfolgt die Entfernung über einen Leistenschnitt, samt Samenstrang bis zum inneren Leistenring, weil die Lymphwege des Hodens über den Bauchraum laufen und eine Eröffnung des Hodensacks sie fehlleiten würde.

Bei Hodenkrebs: Der Eingriff ist zugleich Diagnose und erste Behandlung. Er wird innerhalb weniger Tage nach Verdacht durchgeführt, ohne vorherige Biopsie. Vor der Operation werden Tumormarker bestimmt und das Einfrieren von Spermien angeboten. Der Eingriff dauert 30 bis 60 Minuten, ambulant oder mit einer Übernachtung. Eine Hodenprothese aus Silikon kann im selben Eingriff eingesetzt werden. Bei kleinen Tumoren, Einzelhoden oder beidseitigem Befall ist in Zentren eine organerhaltende Entfernung möglich.

Weitere Gründe: Die beidseitige Orchiektomie beim Prostatakrebs beendet die Testosteronproduktion dauerhaft und ersetzt die Hormonspritzen; sie ist günstig und wirksam, wird aber wegen der Endgültigkeit selten gewählt. Weitere Gründe sind ein nicht mehr zu rettender Hoden nach Torsion oder Verletzung, chronische Entzündungen, Schmerzen nach erfolgloser anderer Therapie und geschlechtsangleichende Operationen bei trans Frauen.

Folgen: Ein gesunder verbleibender Hoden übernimmt Hormon- und Spermienproduktion vollständig, Fruchtbarkeit und Sexualität bleiben erhalten. Nach beidseitiger Entfernung fehlt Testosteron und wird ersetzt, außer beim Prostatakrebs. Die Narbe in der Leiste ist nach Monaten kaum sichtbar. Die Prothese fühlt sich etwas fester an als ein Hoden und kann auch später noch eingesetzt werden.

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Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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