Denn dahinter stecken zwei gegenläufige Entwicklungen: Bei den unter 65-Jährigen sind die Fälle um zehn Prozent zurückgegangen, bei den über 65-Jährigen um sieben Prozent gestiegen.
Die geburtenstarken Jahrgänge sind heute etwa 60 bis 70 Jahre alt. Sie rücken gerade erst in das Alter ein, in dem urologische Behandlungen häufig werden.
Rechnet man die Bevölkerungsvorausberechnung mit, kommen bis 2038 rund 113.000 Fälle im Jahr hinzu.
Eine Frage, die uns erreicht hat: Bricht die Urologie ein, wenn die Babyboomer nicht mehr sind? Wir haben die Daten dazu ausgewertet, und das Ergebnis widerspricht der Erwartung.
Wir haben die Abrechnungsdaten aller urologischen Fachabteilungen in Deutschland für die Jahre 2021 bis 2025 ausgewertet, insgesamt rund 3,8 Millionen vollstationäre Fälle.
| Jahr | Fälle | ab 65 | ab 80 |
|---|---|---|---|
| 2021 | 754.048 | 55,9 % | 20,1 % |
| 2022 | 765.223 | 56,6 % | 20,2 % |
| 2023 | 795.235 | 57,1 % | 20,0 % |
| 2024 | 769.742 | 59,2 % | 20,9 % |
| 2025 | 749.188 | 60,2 % | 21,2 % |
Vollstationäre Fälle in urologischen Fachabteilungen, Anteil der Altersgruppen an allen Fällen. Quelle: InEK-Datenbrowser, eigene Auswertung.
Die Gesamtzahl ist von 754.048 auf 749.188 gesunken, also um 0,6 Prozent. Ein Rückgang, der kaum der Rede wert wäre. Interessant wird es erst, wenn man ihn aufteilt.
Bei Menschen unter 65 sind die Fälle von 332.435 auf 297.929 zurückgegangen, ein Minus von 10,4 Prozent. Bei Menschen ab 65 sind sie von 421.613 auf 451.259 gestiegen, ein Plus von 7,0 Prozent.
Der Anteil der über 65-Jährigen ist damit von 55,9 auf 60,2 Prozent gewachsen. Bei den über 80-Jährigen von 20,1 auf 21,2 Prozent. Anders gesagt: Von fünf Patienten in einer urologischen Abteilung sind drei über 65, und einer ist über 80.
Der Rückgang bei den Jüngeren hat vermutlich wenig mit weniger Erkrankungen zu tun. Er passt zur Verlagerung planbarer Eingriffe in die ambulante Versorgung, die seit Jahren läuft und jüngere Patienten stärker betrifft.
Die geburtenstarken Jahrgänge, meist auf 1955 bis 1969 datiert, sind heute etwa 60 bis 70 Jahre alt. Sie verlassen gerade das Erwerbsleben. In der Urologie kommen sie damit nicht am Ende an, sondern am Anfang der Altersgruppe, die den größten Teil der Behandlungen ausmacht.
Die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom Dezember 2025 beziffert das genau: Die Zahl der Menschen ab 67 Jahren steigt in allen Berechnungsvarianten bis zum Jahr 2038, von 16,7 Millionen auf 20,5 bis 21,3 Millionen. Das sind knapp 25 Prozent mehr.
Noch deutlicher wird es bei den Hochaltrigen. Die Zahl der über 80-Jährigen bleibt zunächst stabil, weil die kleinen Jahrgänge 1945 bis 1949 dieses Alter erreichen. Ab Mitte der 2030er Jahre steigt sie dann von 6,1 Millionen auf 8,5 bis 9,8 Millionen im Jahr 2050.
Schreibt man die Fälle bei über 65-Jährigen mit dieser Bevölkerungsentwicklung fort und hält die übrigen konstant, ergeben sich für 2038 rund 862.000 vollstationäre urologische Fälle. Das sind 113.000 mehr als heute, ein Plus von 15 Prozent. Der Anteil der über 65-Jährigen läge dann bei etwa 65 Prozent.
Das ist eine Fortschreibung, keine Prognose. Sie unterstellt, dass Menschen gleichen Alters künftig genauso häufig stationär urologisch behandelt werden wie heute.
Zwei Entwicklungen wirken dämpfend: die weitere Verlagerung in die ambulante Versorgung und der medizinische Fortschritt, der Aufenthalte verkürzt oder ersetzt.
Beides verändert die Höhe, nicht die Richtung. Die Altersgruppe, die den größten Teil der urologischen Versorgung ausmacht, wächst bis 2038 in jeder Berechnungsvariante.
Wenn die Nachfrage nicht das Problem ist, rückt eine andere Frage in den Vordergrund: ob genug Ärzte da sind. Die geburtenstarken Jahrgänge sind nicht nur Patienten, sie sind auch Ärzte, und sie gehen in den Ruhestand, während die Zahl der Behandlungen steigt.
Für Patienten heißt das vor allem eines: Wartezeiten und Wege werden wichtiger, und die Frage, welches Haus einen Eingriff wie häufig durchführt, gewinnt an Bedeutung. Fallzahlen aller 459 urologischen Fachabteilungen finden Sie in unserem Klinikfinder.