Fournier-Gangrän ist eine seltene, aber lebensbedrohliche bakterielle Infektion des Weichgewebes im Genital- und Dammbereich, die sich innerhalb von Stunden entlang der Faszien ausbreitet und Haut und Unterhautgewebe absterben lässt. Sie ist ein absoluter Notfall: Ohne sofortige Operation sterben die meisten Betroffenen, mit Behandlung liegt die Sterblichkeit noch bei 20 bis 30 Prozent.
Wer betroffen ist: Meist Männer über 50 mit Diabetes, Übergewicht, Alkoholkrankheit, Immunschwäche oder Durchblutungsstörungen. Ausgangspunkt ist oft eine kleine Verletzung, ein Abszess am After, eine Harnröhrenverletzung, eine Infektion der Hoden oder ein Eingriff im Genitalbereich. Die Erreger sind Mischinfektionen aus Darm- und Hautkeimen. Auch SGLT2-Hemmer, eine Gruppe von Diabetesmedikamenten, sind als seltener Auslöser beschrieben.
Warnzeichen: Starke Schmerzen am Hodensack, Damm oder Penis, die zunächst nicht zum sichtbaren Befund passen, dann rasch zunehmende Schwellung, Rötung, dunkle oder schwarze Hautareale, Blasenbildung, Knistern unter der Haut durch Gasbildung, übler Geruch, Fieber, Verwirrtheit und Kreislaufschwäche. Wer solche Zeichen bemerkt, muss sofort in die Notaufnahme, nicht am nächsten Morgen zum Hausarzt.
Behandlung: Sofortige operative Entfernung allen abgestorbenen Gewebes, oft in mehreren Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen, Breitbandantibiotika, Intensivtherapie, häufig vorübergehend ein Katheter und manchmal ein künstlicher Darmausgang, um die Wunde sauber zu halten. Hoden und Penis bleiben meist erhalten, weil sie eine eigene Blutversorgung haben. Nach der Heilung folgen plastische Deckungen mit Hauttransplantaten über Wochen bis Monate. Die Behandlung gehört in Kliniken mit Intensivstation und plastischer Rekonstruktionsmöglichkeit.