Versorgung

Urologie 2025 in Zahlen: 749.188 Klinikfälle ausgewertet

August 2026
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Deutsche Krankenhäuser melden jeden stationären Behandlungsfall mit Diagnosen und Prozeduren an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus. Für das Jahr 2025 liegen diese Meldungen inzwischen vollständig vor. Wir haben sie für die Fachabteilung Urologie ausgewertet: 749.188 Fälle, aus denen sich ein ungewöhnlich klares Bild der Versorgung ergibt.

Die offene Prostataoperation ist die Ausnahme geworden

Bei der radikalen Entfernung der Prostata wegen Krebs zeigt sich die deutlichste Verschiebung. Von 34.156 Eingriffen erfolgten 86,3 Prozent minimalinvasiv, also laparoskopisch oder roboterassistiert. Offen über einen Bauchschnitt wurde nur noch bei 13,4 Prozent operiert, der Zugang über den Damm kam auf 93 Fälle im ganzen Jahr.

Bei 67 Prozent der Eingriffe wurde nervenerhaltend operiert. Für Betroffene ist das die Zahl, die über die Aussicht auf eine erhaltene Erektionsfähigkeit mitentscheidet.

Der Operationsroboter ist längst nicht mehr nur ein Prostatagerät

In 51.570 urologischen Fällen kam 2025 ein Operationsroboter zum Einsatz, das sind knapp sieben Prozent aller Fälle der Fachabteilung. In 50.768 davon handelte es sich um ein mehrarmiges System.

Bemerkenswert ist der Vergleich mit den Prostataentfernungen: Die Robotikzahl liegt um rund 17.000 Fälle höher. Der Roboter wird also in erheblichem Umfang bei anderen Eingriffen eingesetzt, etwa bei Nierenteilresektionen und Blasenentfernungen.

Bei Steinen hat die Endoskopie die Stoßwelle abgelöst

Das überraschendste Ergebnis betrifft die Steinbehandlung. Von den stationären Behandlungen entfielen 94,8 Prozent auf endoskopische Verfahren über die Harnröhre und nur 5,2 Prozent auf die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie. In absoluten Zahlen: 45.844 gegenüber 2.494.

Ein Teil der Erklärung liegt darin, dass die Stoßwellenbehandlung häufig ambulant erfolgt und in dieser Auswertung fehlt. Der technische Grund für die Verschiebung ist aber ablesbar: In 24.965 Fällen wurde ein flexibles Ureterorenoskop eingesetzt, mit dem sich auch Steine im Nierenbecken direkt erreichen lassen.

Die mit Abstand häufigste Maßnahme im stationären urologischen Alltag ist übrigens keine Operation, sondern die Harnleiterschiene: 116.370 Einlagen, 71.395 Wechsel und 33.425 Entfernungen.

Bei der gutartigen Prostatavergrößerung holt die Enukleation auf

Von 98.252 Eingriffen entfielen 60 Prozent auf die klassische Elektroresektion über die Harnröhre. Auf 31,9 Prozent kam bereits die Enukleation, also das vollständige Ausschälen des vergrößerten Innenteils, meist mit Holmium- oder Thulium-Laser. Der Holmium-Laser wurde in 17.279 Fällen eingesetzt, der Thulium-Laser in 9.435.

Die offene Operation über einen Bauchschnitt macht nur noch gut drei Prozent aus.

Zwei Befunde beim Blasenkrebs

109.370 Eingriffe an Blasentumoren über die Harnröhre stehen 6.822 radikalen Blasenentfernungen gegenüber. Dieses Verhältnis bildet die Erkrankung gut ab, weil die meisten Blasentumoren bei Entdeckung oberflächlich sind.

Bemerkenswert ist die Verbreitung der Fluoreszenzdiagnostik: Von 99.372 Abtragungen und Ausschneidungen erfolgten 29.347 fluoreszenzgestützt, also fast jede dritte. Damit ist das Blaulichtverfahren, mit dem sich flache Tumoren und Krebsvorstufen besser erkennen lassen, längst kein Nischenverfahren mehr.

Bei der Blasenentfernung wurde in 1.131 Fällen eine Ersatzblase aus Dünndarm gebildet, also bei etwa jedem sechsten Eingriff. Die große Mehrheit erhält eine Ableitung über die Bauchdecke.

An der Niere wird überwiegend organerhaltend operiert

12.323 Teilresektionen stehen 7.770 vollständigen Nierenentfernungen gegenüber, deutlich zugunsten des Organerhalts. Die Teilresektion erfolgte zu 74 Prozent minimalinvasiv, die radikale Entfernung zu 53 Prozent.

Urologie ist in erheblichem Maß Altersmedizin

Drei von vier Behandelten sind Männer. Sechs von zehn sind 65 Jahre oder älter, jeder Fünfte ist über achtzig. In den Nebendiagnosen findet sich bei 41 Prozent ein Bluthochdruck, bei 15 Prozent ein Typ-2-Diabetes, und 12 Prozent nehmen dauerhaft Gerinnungshemmer.

Die häufigsten Anlässe für eine stationäre Aufnahme waren die gutartige Prostatavergrößerung mit 74.626 Fällen und der Prostatakrebs mit 70.918, dicht gefolgt vom Harnstau durch einen Harnleiterstein mit 54.424 Fällen.

Zur Einordnung: Grundlage ist die unterjährige Datenlieferung nach §21 Krankenhausentgeltgesetz für Januar bis Dezember 2025, ausgewertet für die Fachabteilung Urologie über den DatenBrowser des InEK. Ausgewertet wurde ausschließlich die Fachabteilung Urologie; was in anderen Abteilungen behandelt wird, fehlt. Es handelt sich zudem um vorläufige Daten, die sich durch Nachmeldungen ändern können. Zur Einordnung: Für die radikale Prostatektomie nennt die AOK für 2024 bundesweit rund 34.700 Eingriffe, unsere Auswertung kommt für 2025 auf 34.156. Ambulante Behandlungen sind nicht enthalten. Bei Eingriffen, die überwiegend ambulant erfolgen, etwa Stoßwellenlithotripsie, Blasenspiegelung oder Sterilisation, bildet die genannte Zahl deshalb nur einen Ausschnitt ab. Belastbar sind vor allem Eingriffe, die praktisch immer stationär erfolgen, sowie Verhältnisse innerhalb derselben Datenquelle.

Die vollständige Auswertung mit allen Diagrammen finden Sie unter Urologie in Zahlen.

Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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Richard Falkai
Auswertung: Richard Falkai
Referent der Klinikdirektion, Urologische Klinik München-Planegg