Wenn der Urologe eine Blasenspiegelung empfiehlt, reagieren viele Patienten zunächst mit Unbehagen. Die Vorstellung, dass ein Instrument durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wird, klingt unangenehm und weckt Befürchtungen vor Schmerzen. Die Realität sieht für die allermeisten Patienten freundlicher aus, als die Vorstellung vermuten lässt. Mit modernen flexiblen Geräten und einer guten Lokalanästhesie ist die Untersuchung in der Regel gut tolerierbar und verläuft meist innerhalb weniger Minuten ohne nennenswerte Komplikationen.
Wann eine Blasenspiegelung empfohlen wird
Die Blasenspiegelung, medizinisch Zystoskopie genannt, ist eine der häufigsten Untersuchungen in der Urologie. Sie ermöglicht den direkten Blick in die Harnröhre und die Blase und liefert Informationen, die kein bildgebendes Verfahren in dieser Detailtiefe bieten kann. Indikationen sind unter anderem Blut im Urin, der Verdacht auf einen Tumor, wiederkehrende Harnwegsinfekte, ungeklärte Beschwerden beim Wasserlassen oder die Nachsorge nach einer Tumorbehandlung. Auch bei Frauen mit chronischen Schmerzen im Beckenbereich kann eine Spiegelung Klarheit bringen.
Vorbereitung und Lokalanästhesie
Im Vorfeld der Untersuchung wird oft eine Urinprobe abgegeben, um eine akute Infektion auszuschließen. Eine Blasenspiegelung bei bestehender Infektion sollte vermieden werden, weil dadurch Keime in höhere Bereiche des Harntrakts verschleppt werden könnten. Vor der Untersuchung wird ein Lokalanästhetikum als Gel in die Harnröhre eingebracht. Es betäubt die empfindlichen Schleimhäute und macht das Einführen des Instruments für die meisten Patienten gut erträglich. Bei Männern wird zusätzlich auf den Bereich der Prostata geachtet, weil hier die natürlichen Engstellen liegen.
Der Ablauf der Untersuchung
Die eigentliche Untersuchung erfolgt mit einem dünnen flexiblen Endoskop, das einen Durchmesser von wenigen Millimetern hat. Eine kleine Kamera an der Spitze überträgt die Bilder auf einen Monitor, den oft auch der Patient mitverfolgen kann. Über das Endoskop wird sterile Spülflüssigkeit eingebracht, die die Blase entfaltet und einen guten Überblick ermöglicht. Der Arzt sucht systematisch die gesamte Innenwand der Blase ab, achtet auf Veränderungen der Schleimhaut, sieht sich die Harnleitermündungen an und beurteilt den Zustand des Blasenhalses und der Harnröhre. Die ganze Prozedur dauert in der Regel fünf bis fünfzehn Minuten.
Was danach zu beachten ist
Nach der Untersuchung können leichte Beschwerden auftreten. Ein leichtes Brennen beim Wasserlassen, ein dezentes Ziehen im Unterbauch oder eine gering ausgeprägte rosafarbene Verfärbung des Urins sind normal und klingen innerhalb weniger Stunden bis ein bis zwei Tagen ab. Reichliches Trinken in der Zeit nach der Untersuchung wird empfohlen, weil es die Blase spült und das Risiko einer Infektion senkt. Stärkere Schmerzen, hohes Fieber, klar sichtbare Blutbeimengungen über mehr als 24 Stunden oder die Unfähigkeit zu urinieren sind Warnzeichen, die eine erneute Vorstellung beim Urologen erfordern. Solche Komplikationen sind aber selten, in spezialisierten Praxen liegen sie deutlich unter einem Prozent. Wer eine Blasenspiegelung vor sich hat, kann sich auf eine gut tolerierte und in der Regel komplikationsarme Untersuchung einstellen, die dem behandelnden Arzt wichtige Informationen liefert.
Quellen
- Witjes, J. A., Bruins, H. M., Compérat, E., et al. (2025). EAU Guidelines on cystoscopy procedures: technique, indications and complications in 2025. European Association of Urology, Arnhem.
- Babjuk, M., Burger, M., Capoun, O., et al. (2024). European Association of Urology Guidelines on non-muscle-invasive bladder cancer. European Urology, 85(1), 17–31.
- Burke, D. M., Shackley, D. C., O'Reilly, P. H. (2002). The community-based morbidity of flexible cystoscopy. BJU International, 89(4), 347–349.
- Witjes, J. A., Bruins, H. M., Carrión, A., et al. (2024). European Association of Urology Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. European Association of Urology, Arnhem.