🛡️
Bei Frauen ist die regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchung seit Jahrzehnten fest etabliert. Bei Männern sieht das anders aus. Vorsorgeuntersuchungen werden seltener wahrgenommen, oft erst wenn bereits Beschwerden bestehen. Dabei gibt es eine Reihe urologischer Erkrankungen, bei denen frühzeitige Erkennung den Krankheitsverlauf erheblich beeinflussen kann. Welche Untersuchungen ab welchem Alter sinnvoll sind und welche eher übertrieben, lässt sich heute auf Grundlage internationaler Leitlinien gut beantworten.
Die gesetzliche Vorsorge ab 45
Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Dazu gehört eine ausführliche Anamnese, die Inspektion und Tastuntersuchung der äußeren Geschlechtsorgane sowie die digital-rektale Tastuntersuchung der Prostata. Diese Tastuntersuchung ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil, auch wenn sie alleine nur einen Teil der Prostatatumoren erfasst. Sinnvoll ist die Vorsorge insbesondere für Männer mit erhöhtem Risiko, etwa bei Familienmitgliedern mit Prostatakrebs oder bei bekannten genetischen Risikokonstellationen. Hier kann der Vorsorgebeginn schon ab dem 40. Lebensjahr empfohlen werden.
Der PSA-Test: nützlich, aber umstritten
Der PSA-Bluttest ist der wahrscheinlich wichtigste, aber auch umstrittenste Bestandteil der Männervorsorge. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht regelhaft, der Test wird daher meist als individuelle Gesundheitsleistung angeboten. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der PSA-Test die Sterblichkeit am Prostatakrebs senken kann, gleichzeitig aber auch zu Überdiagnose und Übertherapie führt. Die aktuelle deutsche Leitlinie empfiehlt eine sorgfältige Aufklärung und eine individuelle Entscheidung. Männern zwischen 50 und 70 Jahren mit normaler Lebenserwartung sollte der Test angeboten werden, immer im Zusammenhang mit einer Erläuterung der Vor- und Nachteile.
Weitere Untersuchungen bei Risikokonstellationen
Neben der klassischen Vorsorge gibt es weitere Untersuchungen, die bei bestimmten Risikokonstellationen sinnvoll sind. Wer ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko aufweist, etwa als langjähriger Raucher oder bei beruflicher Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien, kann durch eine Urinuntersuchung und gegebenenfalls eine Blasenspiegelung profitieren. Bei familiärer Vorbelastung mit Hodenkrebs lohnt sich die Selbstuntersuchung der Hoden, die jeder Mann regelmäßig durchführen sollte, idealerweise einmal im Monat unter der warmen Dusche. Verhärtungen oder Knoten am Hoden müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden, da Hodenkrebs in jüngeren Jahren auftritt und bei früher Erkennung sehr gut heilbar ist.
Auf eigene Beschwerden achten
Auch die allgemeine urologische Gesundheit profitiert von Aufmerksamkeit gegenüber den eigenen Beschwerden. Veränderungen beim Wasserlassen, häufiges nächtliches Aufstehen, abgeschwächter Strahl oder ungewöhnliche Symptome wie Blut im Urin sollten ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Sie sind keine zwangsläufigen Begleiterscheinungen des Älterwerdens. Auch Erektionsstörungen sind ein häufig übersehenes Warnsignal. Sie können erste Hinweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder hormonelle Störungen sein. Wer regelmäßig zur Vorsorge geht und auf seinen Körper hört, kann die meisten urologischen Erkrankungen frühzeitig erkennen und gut behandeln. Die wenigen Stunden investierter Zeit pro Jahr lohnen sich auf lange Sicht.
Quellen
- Hugosson, J., Roobol, M. J., Månsson, M., et al. (2025). Sixteen-year follow-up of the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC). European Urology, 87(2), 178–189.
- Mottet, N., Cornford, P., van den Bergh, R. C. N., et al. (2024). EAU-EANM-ESTRO-ESUR-SIOG Guidelines on Prostate Cancer. European Association of Urology, Arnhem.
- Schröder, F. H., Hugosson, J., Roobol, M. J., et al. (2014). Screening and prostate cancer mortality: results of the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC). Lancet, 384(9959), 2027–2035.
- Carter, H. B., Albertsen, P. C., Barry, M. J., et al. (2013). Early detection of prostate cancer: AUA guideline. Journal of Urology, 190(2), 419–426.