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Der PSA-Test gehört seit Jahrzehnten zur Standarduntersuchung bei der Früherkennung des Prostatakrebses. Doch der Bluttest hat seine Schwächen. Erhöhte Werte können auch durch eine gutartige Vergrößerung oder Entzündung verursacht werden, niedrige Werte schließen einen Tumor nicht sicher aus. Die Folge sind viele unnötige Biopsien einerseits und übersehene Tumore andererseits. Mit dem aus Schweden stammenden Stockholm3-Test ist seit einigen Jahren ein Verfahren verfügbar, das diese Schwächen ausgleichen will und in mehreren Studien überzeugende Ergebnisse gezeigt hat.
Wie der Test aufgebaut ist
Der Stockholm3-Test ist kein einfacher Bluttest, sondern ein komplexer Algorithmus, der mehrere Informationen kombiniert. Aus einer einzelnen Blutprobe werden verschiedene Eiweißmarker bestimmt, darunter das klassische PSA, aber auch weitere Substanzen wie das humane Kallikrein 2, das freie PSA und das mikroseminoprotein-beta. Zusätzlich werden im selben Blutröhrchen mehr als 100 genetische Varianten untersucht, die mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko verbunden sind. All diese Informationen werden mit klinischen Angaben wie Alter, Familienanamnese und früheren Biopsien zu einem individuellen Risikowert verrechnet.
Was die Studien zeigen
Die Wirksamkeit des Tests wurde in der STHLM3-Studie an etwa 60.000 schwedischen Männern geprüft. Das Ergebnis war eindrucksvoll. Bei vergleichbarer Treffsicherheit für aggressive Tumoren ließen sich mit dem Stockholm3-Test rund die Hälfte der unnötigen Biopsien vermeiden. Das bedeutet weniger Eingriffe, weniger Risiken durch Blutungen oder Infektionen und weniger Belastung für die Patienten. Eine zweite Studie an einer ethnisch vielfältigeren Bevölkerung in den USA bestätigte diese Ergebnisse 2024 weitgehend.
Wann der Test sinnvoll ist
Anders als der klassische PSA-Test ist der Stockholm3-Test nicht für alle Männer gleich sinnvoll. Der größte Nutzen zeigt sich bei Männern mit einem grenzwertig oder leicht erhöhten PSA-Wert, bei denen die Frage ansteht, ob eine Biopsie erforderlich ist. Bei sehr niedrigen oder sehr hohen PSA-Werten ist die Aussagekraft begrenzt. Die schwedische Gesundheitsbehörde empfiehlt den Test als Reflextest, das heißt, er wird nur dann durchgeführt, wenn der Erst-PSA-Wert eine bestimmte Schwelle überschreitet. So lassen sich die Vorteile gezielt nutzen.
Verfügbarkeit und Kosten in Deutschland
In Deutschland ist der Stockholm3-Test seit einiger Zeit verfügbar, allerdings noch nicht als Kassenleistung. Die Kosten von etwa 200 bis 350 Euro müssen Patienten in der Regel selbst tragen oder mit einer privaten Krankenversicherung abrechnen. Eine Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ist im Gespräch, hängt aber von weiteren Studiendaten und gesundheitsökonomischen Bewertungen ab. Wer sich für den Test interessiert, sollte ihn mit dem behandelnden Urologen besprechen. Vor allem in der Situation eines erstmals leicht erhöhten PSA-Werts kann der Test eine wertvolle Entscheidungshilfe sein und die Frage einer notwendigen Biopsie auf eine objektivere Grundlage stellen.
Quellen
- Möller, A., Olsson, H., Grönberg, H., et al. (2025). Stockholm3 test in primary care prostate cancer screening: results from the SthlmPCS implementation study. European Urology, 88(4), 521–530.
- Grönberg, H., Adolfsson, J., Aly, M., et al. (2015). Prostate cancer screening in men aged 50–69 years (STHLM3): a prospective population-based diagnostic study. Lancet Oncology, 16(16), 1667–1676.
- Vickers, A. J., Eastham, J. A., Scardino, P. T., Lilja, H. (2024). The Stockholm-3 test for prostate cancer screening: a paradigm shift. European Urology, 85(3), 245–248.
- Discacciati, A., Palsdottir, T., Aly, M., et al. (2024). External validation of the Stockholm3 test in a multiethnic cohort. JAMA Oncology, 10(2), 232–238.