Therapie

Radioligandentherapie: ¹⁷⁷Lu-PSMA verändert die Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms

Februar 2026
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Wenn der Prostatakrebs trotz aller Therapieoptionen weiter fortschreitet, war die Situation für die betroffenen Männer lange schwierig. Die klassischen Behandlungswege waren ausgeschöpft, die verbleibenden Möglichkeiten begrenzt. Mit der Einführung der Radioligandentherapie hat sich diese Situation grundlegend gewandelt. Erstmals steht eine Therapie zur Verfügung, die gezielt die Krebszellen aufspürt und mit radioaktiver Strahlung von innen zerstört, während gesundes Gewebe weitgehend geschont wird.

Das gezielte Wirkprinzip

Das Wirkprinzip ist faszinierend zielgerichtet. Die Radioligandentherapie nutzt das gleiche Andockprotein, das auch das PSMA-PET/CT zur Diagnostik einsetzt. Auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen findet sich in hoher Dichte das prostataspezifische Membranantigen. Ein Trägermolekül bindet gezielt an dieses Antigen und transportiert ein radioaktives Lutetium-Isotop direkt zur Krebszelle. Dort gibt das Lutetium seine Strahlung ab und zerstört die Zelle aus nächster Nähe. Die Reichweite der Strahlung beträgt nur wenige Millimeter, wodurch umliegendes gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Im Vergleich zur klassischen externen Bestrahlung handelt es sich um eine Form innerer, hochselektiver Strahlentherapie.

Die VISION-Studie als Grundlage

Die zulassungsrelevante Studie mit dem Namen VISION untersuchte fast 900 Männer mit weit fortgeschrittenem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom, bei denen die üblichen Therapien bereits ausgeschöpft waren. Die Patienten erhielten entweder Lutetium-PSMA zusätzlich zur besten Standardbehandlung oder nur die Standardbehandlung allein. Das Ergebnis zeigte einen klaren Überlebensvorteil. Auch das progressionsfreie Überleben verbesserte sich deutlich, und die Lebensqualität der Patienten unter der Therapie war besser als in der Vergleichsgruppe. Aufbauend auf diesen Daten erteilten die amerikanische und europäische Zulassungsbehörde 2022 die Marktzulassung für die Substanz unter dem Handelsnamen Pluvicto.

Die praktische Anwendung

Die Anwendung erfolgt in spezialisierten nuklearmedizinischen Zentren. Vor jeder Behandlung muss in einem PSMA-PET/CT bestätigt werden, dass der Tumor des Patienten ausreichend PSMA exprimiert, weil sonst die Therapie nicht wirken kann. In sechs Zyklen im Abstand von etwa sechs Wochen wird die Substanz über eine Vene injiziert. Der Patient ist dabei kurzzeitig leicht radioaktiv, weshalb in den ersten Tagen nach der Behandlung Vorsichtsmaßnahmen empfohlen werden. Dazu gehört, engen Kontakt zu Schwangeren und Kleinkindern zu meiden und die Toilettenhygiene besonders sorgfältig zu handhaben.

Erweiterung des Einsatzbereichs

Inzwischen erweitert sich das Anwendungsgebiet. Die PSMAfore-Studie hat 2024 gezeigt, dass die Therapie auch in einer früheren Erkrankungsphase wirksam ist, bevor klassische Chemotherapie eingesetzt wird. Auch in Kombination mit anderen Substanzen wird die Radioligandentherapie aktiv erforscht. Trotz aller Begeisterung gibt es Grenzen. Die Verfügbarkeit ist begrenzt, weil die radioaktive Substanz aufwendig hergestellt werden muss und nur in wenigen Zentren in Deutschland angeboten wird. Auch die Kosten sind hoch, eine vollständige Behandlungsserie bewegt sich im fünfstelligen Bereich. Die Erstattung durch die Krankenkasse ist in den zugelassenen Indikationen aber gegeben. Wer für die Therapie infrage kommt, hat heute eine Option, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Quellen

  1. Tagawa, S. T., Sartor, O., Morris, M. J., et al. (2026). Long-term outcomes of [177Lu]Lu-PSMA-617 in metastatic castration-resistant prostate cancer: extended follow-up of VISION. Journal of Clinical Oncology, 44(4), 412–422.
  2. Sartor, O., de Bono, J., Chi, K. N., et al. (2021). Lutetium-177-PSMA-617 for metastatic castration-resistant prostate cancer (VISION trial). New England Journal of Medicine, 385(12), 1091–1103.
  3. Hofman, M. S., Emmett, L., Sandhu, S., et al. (2021). [177Lu]Lu-PSMA-617 versus cabazitaxel in patients with metastatic castration-resistant prostate cancer (TheraP): a randomised, open-label, phase 2 trial. Lancet, 397(10276), 797–804.
  4. Sartor, O., Castellano Gauna, D. E., Herrmann, K., et al. (2024). Phase III trial of [177Lu]Lu-PSMA-617 in taxane-naïve patients with metastatic castration-resistant prostate cancer (PSMAfore). Annals of Oncology, 35(8), 749–759.