Forschung

PARP-Inhibitoren bei Prostatakarzinom: Olaparib und Talazoparib in der Praxis

September 2025
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Die personalisierte Krebstherapie hat in den letzten Jahren auch beim Prostatakarzinom an Bedeutung gewonnen. Eine besondere Rolle spielen dabei die sogenannten PARP-Inhibitoren, eine Substanzgruppe, die ursprünglich beim Brustkrebs und beim Eierstockkrebs zum Einsatz kam. Heute sind sie auch beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom zugelassen, allerdings nur für eine bestimmte Untergruppe von Patienten. Wer für die Therapie infrage kommt, kann erheblich davon profitieren.

Das Wirkprinzip der synthetischen Letalität

Das Wirkprinzip der PARP-Inhibitoren beruht auf einem Phänomen, das in der Forschung als synthetische Letalität bezeichnet wird. Vereinfacht gesagt nutzen diese Wirkstoffe eine Schwachstelle aus, die in bestimmten Tumorzellen vorliegt. Tumoren mit Mutationen in den DNA-Reparaturgenen BRCA1, BRCA2 oder verwandten Genen können DNA-Schäden in den Zellen nur eingeschränkt reparieren. PARP-Inhibitoren blockieren einen weiteren Reparaturweg. Damit häufen sich in den Tumorzellen DNA-Schäden, die schließlich den Zelltod auslösen. Gesunde Zellen sind weniger betroffen, weil sie über alternative Reparaturwege verfügen.

Zugelassene Substanzen in Deutschland

In Deutschland sind aktuell zwei Substanzen für den Einsatz beim Prostatakrebs zugelassen. Olaparib ist seit 2020 in Kombination mit Abirateron oder als Monotherapie verfügbar, Talazoparib seit 2024 in Kombination mit Enzalutamid. Beide Substanzen werden bei Männern mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom eingesetzt, bei denen eine entsprechende Mutation in den DNA-Reparaturgenen nachgewiesen wurde. Die Mutationen können entweder vererbt sein, was etwa 10 Prozent der betroffenen Patienten betrifft, oder erst im Tumor selbst entstanden sein, was deutlich häufiger der Fall ist.

Die nötige genetische Testung

Voraussetzung für den Einsatz ist eine genetische Untersuchung. Diese kann an Tumorgewebe aus der ursprünglichen Biopsie oder einer früheren Operation durchgeführt werden, alternativ an einer Probe aus einem Metastasenbereich oder zunehmend auch über die sogenannte Liquid Biopsy aus dem Blut. Bei nachgewiesener Mutation und entsprechender klinischer Konstellation eröffnet die Therapie eine wirksame Behandlungsoption, die das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verzögert und das Überleben verlängert. Die PROfound-Studie zeigte für Olaparib eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens, die TALAPRO-2-Studie für Talazoparib bestätigte den Effekt auch in Kombination mit Enzalutamid.

Nebenwirkungen und praktische Konsequenzen

Die Therapie ist nicht ohne Nebenwirkungen. Knochenmarkbedingte Beschwerden wie Anämie, Thrombopenie oder Leukopenie sind häufig und erfordern regelmäßige Blutbildkontrollen. Auch Übelkeit, Müdigkeit und Appetitlosigkeit können auftreten. Im Vergleich zur klassischen Chemotherapie ist die Verträglichkeit aber meist gut, und viele Patienten können die Behandlung über lange Zeit fortsetzen. Wer die Diagnose eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms erhält, sollte mit dem behandelnden Arzt klären, ob eine genetische Testung sinnvoll ist. Die Untersuchung kostet im Rahmen der Behandlung in der Regel nichts und kann eine wichtige Therapieoption eröffnen, die ohne den Test verschlossen bliebe.

Quellen

  1. Fizazi, K., Azad, A. A., Matsubara, N., et al. (2025). Talazoparib plus enzalutamide versus enzalutamide in metastatic castration-resistant prostate cancer: overall survival results from TALAPRO-2. Lancet Oncology, 26(2), 198–209.
  2. de Bono, J., Mateo, J., Fizazi, K., et al. (2020). Olaparib for metastatic castration-resistant prostate cancer (PROfound trial). New England Journal of Medicine, 382(22), 2091–2102.
  3. Agarwal, N., Azad, A. A., Carles, J., et al. (2023). Talazoparib plus enzalutamide in men with first-line metastatic castration-resistant prostate cancer (TALAPRO-2): a randomised, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet, 402(10398), 291–303.
  4. Hussain, M., Mateo, J., Fizazi, K., et al. (2020). Survival with olaparib in metastatic castration-resistant prostate cancer. New England Journal of Medicine, 383(24), 2345–2357.