Ratgeber

Nierensteine vermeiden: Die wichtigsten Ernährungsregeln nach dem ersten Stein

Dezember 2025
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Wer einmal einen Nierenstein hatte, vergisst die Erfahrung in der Regel nicht. Die heftigen, kolikartigen Schmerzen gehören zu den intensivsten, die in der Medizin überhaupt vorkommen. Was viele Betroffene nicht wissen: Das Risiko, einen weiteren Stein zu entwickeln, liegt nach dem ersten Vorfall bei etwa 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Mit gezielten Ernährungs- und Lebensstilmaßnahmen lässt sich dieses Risiko jedoch erheblich senken. Wichtig ist die Kenntnis der Steinart, denn die Empfehlungen unterscheiden sich je nach chemischer Zusammensetzung des Steins.

Trinken als wichtigste Maßnahme

Die mit Abstand wichtigste Maßnahme ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wer mindestens zweieinhalb bis drei Liter Wasser pro Tag trinkt, verdünnt seinen Urin so weit, dass die kristallbildenden Substanzen seltener auskristallisieren. Die Empfehlung gilt für alle Steinarten und sollte gleichmäßig über den Tag verteilt umgesetzt werden, mit besonderem Augenmerk auf die Abendstunden, da der Urin nachts ohnehin konzentrierter wird. Geeignet sind Mineralwasser mit moderatem Mineralstoffgehalt, ungesüßte Tees und verdünnte Fruchtsäfte. Cola, Eistee und gezuckerte Limonaden sollten vermieden werden, weil sie das Steinrisiko sogar erhöhen können.

Die Rolle des Kochsalzes

Auch die Kochsalzaufnahme spielt eine zentrale Rolle. Eine salzreiche Ernährung erhöht die Kalziumausscheidung über den Urin und fördert damit die Bildung von Kalziumsteinen, die etwa 80 Prozent aller Nierensteine ausmachen. Die meisten Menschen in Deutschland nehmen erheblich mehr Salz auf, als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Stark gesalzene Lebensmittel wie Wurst, Käse, Fertiggerichte, Konserven und Snacks tragen den größten Anteil bei. Eine Reduktion auf maximal sechs Gramm Salz pro Tag ist eine wirksame Maßnahme, die zugleich vor Bluthochdruck schützt.

Kalzium: oft missverstanden

Eine häufig falsch verstandene Empfehlung betrifft das Kalzium. Viele Patienten glauben, sie müssten kalziumarm essen, weil ihre Steine kalziumhaltig sind. Das Gegenteil ist richtig. Eine kalziumarme Ernährung erhöht nachweislich das Risiko für Kalziumoxalatsteine, weil das Kalzium im Darm normalerweise an die mit der Nahrung aufgenommene Oxalsäure bindet und so deren Aufnahme ins Blut verhindert. Die empfohlene Kalziumzufuhr von etwa 1.000 Milligramm pro Tag aus normalen Lebensmitteln wie Milchprodukten, kalziumreichem Mineralwasser und grünen Gemüsen sollte daher nicht unterschritten werden.

Oxalat, Eiweiß und weitere Empfehlungen

Bei Kalziumoxalatsteinen ist die Beschränkung oxalatreicher Lebensmittel eine sinnvolle Ergänzung. Spinat, Rhabarber, Mangold, schwarzer Tee, Schokolade, Nüsse und Sojaprodukte enthalten besonders viel Oxalsäure. Sie müssen nicht komplett gemieden, aber in vernünftigen Mengen genossen werden. Auch der Eiweißkonsum verdient Beachtung. Eine sehr fleischlastige Ernährung erhöht die Harnsäureausscheidung und kann die Bildung von Harnsäuresteinen begünstigen. Pflanzliche Proteinquellen sind hier vorteilhafter. Zwei weitere praktische Empfehlungen runden das Bild ab. Reichlich Zitrusfrüchte oder Zitronenwasser sind günstig, weil das enthaltene Citrat die Steinbildung hemmt. Und Übergewicht sollte konsequent reduziert werden, denn Adipositas und das metabolische Syndrom sind bekannte Risikofaktoren. Wer diese Regeln beherzigt, kann das Rückfallrisiko nach einem Nierenstein um etwa die Hälfte senken.

Quellen

  1. Geraghty, R. M., Lombardo, R., Tzelves, L., et al. (2025). EAU Guidelines on Urolithiasis 2025 update: changes in the metabolic evaluation and dietary recommendations. European Urology, 88(2), 215–229.
  2. Skolarikos, A., Neisius, A., Petrik, A., et al. (2024). EAU Guidelines on Urolithiasis. European Association of Urology, Arnhem.
  3. Borghi, L., Schianchi, T., Meschi, T., et al. (2002). Comparison of two diets for the prevention of recurrent stones in idiopathic hypercalciuria. New England Journal of Medicine, 346(2), 77–84.
  4. Curhan, G. C., Willett, W. C., Knight, E. L., Stampfer, M. J. (2004). Dietary factors and the risk of incident kidney stones in younger women. Archives of Internal Medicine, 164(8), 885–891.