Innovation

Nierenkrebs: Kombination aus Immuntherapie und TKI als neuer Standard

August 2025
Beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom hat sich die Therapie in den letzten zehn Jahren grundlegend gewandelt. Lange Zeit waren die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und die Prognose für betroffene Patienten ernst. Mit der Einführung der zielgerichteten Therapien und später der Immuntherapie hat sich die Situation deutlich verbessert. Das mittlere Überleben bei metastasierter Erkrankung lag früher bei etwa einem Jahr, heute können viele Patienten mit modernen Kombinationstherapien drei bis fünf Jahre und länger erreichen. Eine Heilung ist in einzelnen Fällen sogar möglich.

Zwei Wirkprinzipien im Zusammenspiel

Im Mittelpunkt der modernen Therapie stehen zwei Wirkprinzipien, die kombiniert eingesetzt werden. Die zielgerichteten Tyrosinkinase-Inhibitoren, kurz TKI, hemmen jene Signalwege, die das Tumorwachstum und die Bildung neuer Blutgefäße steuern. Substanzen wie Sunitinib, Pazopanib oder neuer Cabozantinib und Lenvatinib sind seit Jahren etabliert. Die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab oder Pembrolizumab löst die Bremsen des Immunsystems und versetzt den Körper in die Lage, die Krebszellen selbst anzugreifen. Beide Wirkprinzipien zeigen alleine bereits gute Ergebnisse, in Kombination wirken sie synergistisch.

Was die Studien gezeigt haben

Mehrere große Studien haben in den letzten Jahren den Vorteil der Kombinationstherapie nachgewiesen. Die KEYNOTE-426-Studie zeigte für die Kombination aus Pembrolizumab und Axitinib ein deutlich längeres Überleben gegenüber der alleinigen TKI-Therapie. Die CheckMate-9ER-Studie bestätigte ähnliche Vorteile für die Kombination Nivolumab plus Cabozantinib. Auch Lenvatinib mit Pembrolizumab und Avelumab mit Axitinib gehören zu den modernen Erstlinientherapien. Welche Kombination für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Risikoprofil der Erkrankung, Begleiterkrankungen und individuelle Verträglichkeit.

Auch in der adjuvanten Therapie

Eine wichtige Veränderung der letzten Jahre betrifft auch die Therapie früher Stadien. Bei Patienten mit hohem Rückfallrisiko nach einer Nierenoperation kann eine ergänzende Immuntherapie das Risiko eines Tumorwiederauftretens senken. Pembrolizumab ist in dieser sogenannten adjuvanten Indikation seit 2021 zugelassen. Bei Hochrisiko-Patienten verlängert die einjährige Therapie das krankheitsfreie Überleben deutlich. Damit kommt die Immuntherapie nicht mehr nur bei fortgeschrittener Erkrankung, sondern auch in der Vorsorge gegen einen Rückfall zum Einsatz.

Belastungen und sorgfältige Überwachung

Trotz aller Fortschritte bringt die Therapie auch Belastungen mit sich. Die TKI-Behandlung kann zu Müdigkeit, Bluthochdruck, Hand-Fuß-Syndrom und Schilddrüsenproblemen führen, die Immuntherapie kann entzündliche Reaktionen an Darm, Lunge oder Schilddrüse auslösen. Bei der Kombinationstherapie summieren sich die Nebenwirkungen, weshalb eine engmaschige Überwachung und ein erfahrenes Behandlungsteam unverzichtbar sind. Die Therapie sollte in spezialisierten uro-onkologischen Zentren erfolgen. Patienten profitieren davon, wenn sie aktiv über Nebenwirkungen sprechen und nicht warten, bis Beschwerden unerträglich werden. Ein frühes Eingreifen ermöglicht meist eine erfolgreiche Fortführung der Behandlung.

Quellen

  1. Motzer, R. J., Powles, T., Burotto, M., et al. (2025). Five-year follow-up of nivolumab plus cabozantinib versus sunitinib in advanced renal cell carcinoma (CheckMate 9ER). Annals of Oncology, 36(4), 467–476.
  2. Rini, B. I., Plimack, E. R., Stus, V., et al. (2019). Pembrolizumab plus axitinib versus sunitinib for advanced renal-cell carcinoma (KEYNOTE-426 trial). New England Journal of Medicine, 380(12), 1116–1127.
  3. Choueiri, T. K., Powles, T., Burotto, M., et al. (2021). Nivolumab plus cabozantinib versus sunitinib for advanced renal-cell carcinoma (CheckMate-9ER trial). New England Journal of Medicine, 384(9), 829–841.
  4. Choueiri, T. K., Tomczak, P., Park, S. H., et al. (2021). Adjuvant pembrolizumab after nephrectomy in renal-cell carcinoma. New England Journal of Medicine, 385(8), 683–694.