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Nach einer radikalen Prostataentfernung beginnt für viele Patienten eine Phase der Unsicherheit. Wie lange dauert es, bis die Blasenkontrolle zurückkehrt? Wann werden Erektionen wieder möglich sein? Welche Hilfsmittel und Übungen sind sinnvoll? Diese Fragen werden im Aufklärungsgespräch oft nur am Rande gestreift, beschäftigen die Patienten aber sehr. Ein realistischer Zeitplan kann helfen, die Erwartungen zu strukturieren und Geduld zu entwickeln, denn die Erholung verläuft in Etappen.
Die ersten Wochen mit Katheter und Einlage
Direkt nach der Operation liegt für etwa eine Woche ein Blasenkatheter, der die Heilung der Verbindung zwischen Blase und Harnröhre schützt. Nach Entfernung des Katheters sind nahezu alle Patienten zunächst inkontinent. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Die Schließmuskelstruktur, die früher von der Prostata mit unterstützt wurde, muss nun allein die Kontrolle übernehmen, und das braucht Zeit. In den ersten Wochen empfiehlt sich der konsequente Einsatz von Einlagen oder Slips, möglichst in einer ausreichenden Saugstärke, damit der Patient sich frei bewegen kann.
Erholung der Kontinenz: ein typischer Verlauf
Die Erholung der Kontinenz folgt in den meisten Fällen einem typischen Verlauf. In den ersten vier bis sechs Wochen tritt eine erste deutliche Besserung ein, viele Patienten kommen mit einer einzigen Einlage pro Tag aus. Nach drei Monaten haben etwa 70 Prozent der Männer ihre Kontinenz im Wesentlichen zurück, nach sechs Monaten sind es etwa 85 Prozent, nach einem Jahr über 90 Prozent. Etwa 5 bis 10 Prozent bleiben dauerhaft auf Hilfsmittel angewiesen. Konsequentes Beckenbodentraining unterstützt diesen Prozess nachweislich. Bereits in den Wochen vor der Operation sollten die ersten Übungen gemacht werden, damit die Muskulatur bei der OP gut vorbereitet ist.
Die erektile Funktion braucht länger
Die Erholung der erektilen Funktion ist anspruchsvoller und stärker davon abhängig, wie die Operation verlaufen ist. Wenn die Gefäßnervenbündel beidseits vollständig erhalten werden konnten, sind die Aussichten gut. Ohne Nervenerhalt ist eine spontane Erektion ohne Hilfsmittel auf längere Sicht selten. In den ersten Wochen nach der OP sind Erektionen meist nicht möglich, weil die Nerven durch die operative Manipulation zunächst in eine Art Schockzustand verfallen. Eine Erholung erfolgt langsam und kann sich über sechs bis 24 Monate hinziehen.
Penisrehabilitation als aktiver Beitrag
Um diesen Prozess zu unterstützen, hat sich die sogenannte Penisrehabilitation etabliert. Ziel ist es, das Gewebe der Schwellkörper durch regelmäßige Durchblutung gesund zu erhalten, damit es bei zurückkehrender Nervenfunktion auch arbeiten kann. Üblich ist die niedrigdosierte tägliche oder mehrmals wöchentliche Einnahme eines PDE-5-Hemmers wie Sildenafil oder Tadalafil. Bei stärkeren Einschränkungen können Vakuumpumpen oder Schwellkörperinjektionen mit Alprostadil eingesetzt werden. Wichtig ist, früh anzufangen, möglichst innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Operation. Wer geduldig bleibt und konsequent an der Rehabilitation arbeitet, hat gute Aussichten, im Verlauf eines Jahres oder etwas länger eine zufriedenstellende Funktion zurückzugewinnen.
Quellen
- Walz, J., Briganti, A., Touijer, K., et al. (2026). Functional outcomes after robot-assisted radical prostatectomy: contemporary results from high-volume European centers. European Urology, 89(1), 87–98.
- Ficarra, V., Novara, G., Rosen, R. C., et al. (2012). Systematic review and meta-analysis of studies reporting urinary continence recovery after robot-assisted radical prostatectomy. European Urology, 62(3), 405–417.
- Mulhall, J. P., Bivalacqua, T. J., Becher, E. F. (2013). Standard operating procedure for the preservation of erectile function outcomes after radical prostatectomy. Journal of Sexual Medicine, 10(1), 195–203.
- Geraerts, I., Van Poppel, H., Devoogdt, N., et al. (2013). Influence of preoperative and postoperative pelvic floor muscle training on early continence after radical prostatectomy. European Urology, 64(5), 766–772.