Diagnostik

Mikro-Ultraschall: 29-MHz-Bildgebung der Prostata als MRT-Alternative

Juli 2025
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Bei verdächtigen Prostatabefunden gilt das multiparametrische MRT seit einigen Jahren als Goldstandard. Es zeigt verdächtige Areale mit einer Genauigkeit, die der herkömmlichen Bildgebung deutlich überlegen ist. Doch das MRT hat Nachteile. Es ist teuer, nicht überall verfügbar, kann bei Patienten mit Herzschrittmachern oder Klaustrophobie problematisch sein und erfordert einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Ein neues Verfahren, der hochauflösende Mikro-Ultraschall, könnte diese Lücke füllen und in vielen Fällen das MRT ersetzen.

Was das Verfahren technisch leistet

Klassische Ultraschallgeräte arbeiten in der Urologie mit Frequenzen um 6 bis 10 Megahertz. Damit sind die Bilder klar genug, um die Drüse darzustellen, aber zu unscharf, um kleine Tumorareale verlässlich zu erkennen. Der Mikro-Ultraschall arbeitet mit deutlich höheren Frequenzen, typischerweise 29 Megahertz. Das ergibt eine Auflösung, die rund dreimal höher liegt als bei herkömmlichen Geräten. Strukturen von weniger als einem Millimeter werden sichtbar, was eine gezielte Beurteilung selbst kleiner verdächtiger Bereiche erlaubt.

Die OPTIMUM-Studie als Wendepunkt

Die wichtigste klinische Studie zu dieser Methode ist die OPTIMUM-Studie, deren Ergebnisse 2024 publiziert wurden. Bei mehreren tausend Patienten wurden Mikro-Ultraschall und MRT direkt verglichen, im Anschluss erfolgte eine Biopsie als Referenzstandard. Die Treffsicherheit beider Verfahren war in den klinisch wichtigen Untergruppen vergleichbar. Auch in der Erkennung klinisch relevanter Tumoren mit höherem Aggressivitätsgrad zeigte sich kein eindeutiger Vorteil für eines der Verfahren. Damit positioniert sich der Mikro-Ultraschall erstmals als gleichwertige Alternative zum MRT.

Praktische Vorteile in der Praxis

Die praktischen Vorteile des Verfahrens liegen auf der Hand. Der Mikro-Ultraschall kann direkt in der urologischen Praxis eingesetzt werden, der Patient bekommt seine Untersuchung sofort, ohne Termin in der Radiologie und ohne Wartezeit. Die Untersuchung dauert nur einige Minuten, ist nicht-invasiv und kommt ohne Kontrastmittel aus. Auch die Kombination mit einer gezielten Biopsie ist in einer einzigen Sitzung möglich, was die Patientenfreundlichkeit erheblich verbessert. Die Geräte sind zudem deutlich günstiger als ein MRT, was die Verbreitung erleichtert.

Verbreitung und Erstattung in Deutschland

Trotz dieser Vorteile bleibt der Mikro-Ultraschall in Deutschland noch wenig verbreitet. Die Geräte kosten in der Anschaffung etwa 200.000 Euro, für eine niedergelassene Praxis ist das eine erhebliche Investition. Die Erstattung durch die Krankenkasse ist bislang nicht klar geregelt, oft wird die Untersuchung als Selbstzahlerleistung abgerechnet. Eine zweite Hürde ist die Lernkurve. Der hochauflösende Bildeindruck unterscheidet sich von der gewohnten Ultraschallbildgebung, und die zuverlässige Beurteilung erfordert Erfahrung. In den nächsten Jahren wird das Verfahren wohl zunehmend Verbreitung finden, vor allem in spezialisierten urologischen Praxen und Kliniken. Patienten, die Interesse haben, sollten gezielt nachfragen, ob die Methode am gewünschten Standort angeboten wird.

Quellen

  1. Klotz, L., Andriole, G., Cash, H., et al. (2025). OPTIMUM-2: A multicenter randomized trial of micro-ultrasound versus multiparametric MRI for prostate cancer detection. European Urology, 88(1), 45–53.
  2. Klotz, L., Lughezzani, G., Maffei, D., et al. (2024). Comparison of micro-ultrasound and multiparametric magnetic resonance imaging for prostate cancer: a multicenter, prospective analysis. Canadian Urological Association Journal, 15(1), E11–E16.
  3. Sountoulides, P., Pyrgidis, N., Polyzos, S. A., et al. (2021). Micro-ultrasound–guided vs multiparametric magnetic resonance imaging–targeted biopsy in the detection of prostate cancer: a systematic review and meta-analysis. Journal of Urology, 205(5), 1254–1262.
  4. Cornud, F., Lefevre, A., Flam, T., et al. (2023). High-resolution transrectal microultrasound for prostate biopsy: the OPTIMUM trial. European Urology Open Science, 49, 76–84.