Therapie

Medikamente bei Prostatavergrößerung: Tamsulosin, Finasterid, Tadalafil – was hilft wem?

August 2025
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Die gutartige Prostatavergrößerung gehört zu den häufigsten Männerleiden des fortgeschrittenen Lebensalters. Etwa jeder zweite Mann über sechzig spürt typische Beschwerden wie häufigen Harndrang, abgeschwächten Strahl, Restharngefühl oder nächtliches Aufstehen zur Toilette. Bevor eine Operation in Betracht gezogen wird, kommen in den allermeisten Fällen Medikamente zum Einsatz. Die Wahl des Wirkstoffs richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild, der Größe der Prostata und den Lebensumständen des Patienten.

Die Alpha-Blocker als erste Wahl

Die am häufigsten eingesetzte Substanzgruppe sind die sogenannten Alpha-Blocker, allen voran Tamsulosin. Sie wirken nicht auf die Prostata selbst, sondern auf die Muskelfasern, die das Drüsengewebe durchziehen und den Übergang von der Blase in die Harnröhre umgeben. Durch Entspannung dieser Muskulatur fließt der Urin leichter, der Harnstrahl wird stärker und das Gefühl der Restharnbildung lässt nach. Die Wirkung tritt schon nach wenigen Tagen ein. Tamsulosin gilt als gut verträglich, kann bei manchen Patienten aber den Blutdruck etwas absenken und in seltenen Fällen die Ejakulation verändern. Wer eine Augenoperation am grauen Star plant, sollte den Operateur unbedingt über die Tamsulosin-Einnahme informieren, weil es dort zu Komplikationen kommen kann.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer für langfristige Wirkung

Eine zweite Gruppe sind die 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, zu denen Finasterid und Dutasterid gehören. Sie greifen anders an, indem sie die Umwandlung von Testosteron in seinen wirksameren Verwandten Dihydrotestosteron blockieren. Damit verlangsamen sie das Wachstum der Prostata und können die Drüse über Monate sogar verkleinern. Der Wirkungseintritt ist deutlich langsamer als bei den Alpha-Blockern, oft braucht es ein halbes Jahr bis ein Jahr, bis sich die volle Wirkung zeigt. Dafür beeinflussen diese Wirkstoffe das langfristige Risiko einer akuten Harnverhaltung und einer späteren Operation günstig. Ihr typisches Nebenwirkungsspektrum betrifft die Sexualfunktion mit Libidoverlust und Erektionsstörungen, die in seltenen Fällen auch nach Absetzen anhalten können.

Tadalafil als Doppelwirkung

Eine Sonderrolle spielt Tadalafil, das viele Männer als Mittel gegen erektile Dysfunktion kennen. In niedrigerer Dosierung von einmal täglich fünf Milligramm ist es für die Behandlung der Prostatavergrößerung zugelassen und kombiniert dabei zwei Effekte. Es entspannt die glatte Muskulatur in der Prostata und im Blasenhals, was die Blasenentleerung erleichtert, und verbessert gleichzeitig die Erektionsfähigkeit. Für Männer, die unter beiden Beschwerden leiden, ist das eine attraktive Doppelwirkung. Tadalafil ist allerdings nicht mit Nitratpräparaten kombinierbar, die bei Herzerkrankungen eingesetzt werden, und sollte bei niedrigem Blutdruck mit Vorsicht verordnet werden.

Kombinationstherapie und Verlauf

In vielen Fällen wird die Therapie kombiniert. Eine bewährte Kombination ist Tamsulosin mit Dutasterid, beide Wirkstoffe gibt es heute auch in einer einzelnen Tablette. Die Alpha-Blocker liefern die schnelle Symptomverbesserung, die 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wirken langfristig auf die Drüsengröße. Bei einer großen Prostata über vierzig Milliliter ist diese Kombination der Monotherapie deutlich überlegen. Wer ein Medikament gegen Prostatabeschwerden nimmt, sollte regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen. Die meisten Wirkstoffe sind über viele Jahre gut verträglich, aber Wirkverlust, neue Beschwerden oder Veränderungen an der Drüse müssen rechtzeitig erkannt werden.

Quellen

  1. Cornu, J. N., Madersbacher, S., Mamoulakis, C., et al. (2025). Long-term combination therapy with alpha-blockers and 5-ARIs in lower urinary tract symptoms: real-world outcomes from a German prospective cohort. European Urology Focus, 11(3), 412–420.
  2. Roehrborn, C. G., Siami, P., Barkin, J., et al. (2010). The effects of combination therapy with dutasteride and tamsulosin on clinical outcomes in men with symptomatic benign prostatic hyperplasia: 4-year results from the CombAT study. European Urology, 57(1), 123–131.
  3. Gravas, S., Cornu, J. N., Gacci, M., et al. (2024). EAU Guidelines on the Management of Non-Neurogenic Male Lower Urinary Tract Symptoms. European Association of Urology, Arnhem.
  4. Roehrborn, C. G., McVary, K. T., Elion-Mboussa, A., Viktrup, L. (2008). Tadalafil administered once daily for lower urinary tract symptoms secondary to benign prostatic hyperplasia: a dose finding study. Journal of Urology, 180(4), 1228–1234.