Forschung

Immuntherapie bei Blasenkrebs: Wie Checkpoint-Inhibitoren die Behandlung verändern

Juni 2025
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Die Immuntherapie hat in den letzten zehn Jahren das Gesicht der Krebsmedizin verändert. Sie funktioniert anders als die klassische Chemotherapie, die direkt die Tumorzellen angreift. Stattdessen mobilisiert sie das körpereigene Immunsystem und versetzt es in die Lage, die Krebszellen selbst zu erkennen und zu zerstören. Beim Blasenkrebs hat diese Form der Behandlung mittlerweile einen festen Platz, sowohl in fortgeschrittenen Stadien als auch in der ergänzenden Therapie nach Operationen.

Wie Checkpoint-Inhibitoren wirken

Den Schlüssel zum Verständnis bilden die sogenannten Immun-Checkpoints. Diese natürlichen Bremspunkte verhindern, dass das Immunsystem überreagiert und gesundes Gewebe angreift. Tumoren machen sich diese Bremsen zunutze, indem sie sie aktivieren und das Immunsystem so vom eigenen Angriff abhalten. Checkpoint-Inhibitoren sind monoklonale Antikörper, die diese Bremse lösen. Pembrolizumab, Atezolizumab, Nivolumab und Avelumab sind die bekanntesten Vertreter. Sie blockieren entweder das PD-1-Molekül auf den T-Zellen des Immunsystems oder dessen Gegenstück PD-L1 auf den Tumorzellen.

Einsatz beim metastasierten Blasenkrebs

Der wichtigste Einsatzbereich beim Blasenkrebs liegt im fortgeschrittenen, metastasierten Stadium. Hier hat sich die Therapie in den letzten Jahren mehrfach gewandelt. Lange Zeit galt die Erhaltungstherapie mit Avelumab nach abgeschlossener Chemotherapie als Standard, basierend auf der JAVELIN-Bladder-100-Studie, die einen klaren Überlebensvorteil zeigte. Mittlerweile ist die Kombination aus dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab Vedotin und dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab zur neuen Erstlinientherapie geworden. Die zugrunde liegende EV-302-Studie zeigte ein nahezu verdoppeltes mittleres Überleben gegenüber der klassischen Chemotherapie.

Anwendungen in früheren Stadien

Auch bei lokal fortgeschrittenem Blasenkrebs vor einer geplanten Operation wird die Immuntherapie zunehmend eingesetzt. Die NIAGARA-Studie kombinierte Durvalumab mit einer Chemotherapie und führte zu deutlich besseren Ergebnissen als die alleinige Chemotherapie. Nach der Operation kann eine ergänzende Immuntherapie das Risiko eines Rückfalls weiter senken, was die CheckMate-274-Studie für Nivolumab nachgewiesen hat. Bei oberflächlichem Blasenkrebs, der auf die Standardtherapie mit BCG nicht ausreichend angesprochen hat, ist Pembrolizumab als alternative Therapieoption zugelassen, allerdings mit dem Hinweis auf seine systemischen Nebenwirkungen.

Nutzen und Grenzen ehrlich betrachtet

Trotz aller Fortschritte ist die Immuntherapie keine Wunderwaffe. Etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten profitieren deutlich, der Rest spricht weniger gut oder gar nicht an. Wer anspricht, profitiert dafür oft langfristig, manchmal über Jahre. Die Nebenwirkungen sind anders als bei der klassischen Chemotherapie. Statt Übelkeit und Haarausfall stehen entzündliche Reaktionen am Darm, an der Lunge, der Schilddrüse oder der Leber im Vordergrund. Diese sogenannten immunvermittelten Nebenwirkungen erfordern eine sorgfältige Überwachung und müssen früh erkannt werden, weil sie sich bei verzögertem Eingreifen zuspitzen können. Die Therapie gehört daher in die Hände erfahrener uro-onkologischer Teams. Für Patienten bedeutet die Immuntherapie eine echte zusätzliche Chance, vor allem in Situationen, in denen vor wenigen Jahren noch keine wirksame Behandlung verfügbar war.

Quellen

  1. Hussain, S. A., Powles, T., Petrylak, D. P., et al. (2025). Five-year outcomes with avelumab maintenance therapy in advanced urothelial carcinoma: final analysis of the JAVELIN Bladder 100 trial. Annals of Oncology, 36(3), 287–294.
  2. Powles, T., Catto, J. W. F., Galsky, M. D., et al. (2024). Perioperative durvalumab plus neoadjuvant chemotherapy in operable bladder cancer (NIAGARA trial). New England Journal of Medicine, 391(20), 1773–1787.
  3. Powles, T., Park, S. H., Voog, E., et al. (2020). Avelumab maintenance therapy for advanced or metastatic urothelial carcinoma (JAVELIN Bladder 100). New England Journal of Medicine, 383(13), 1218–1230.
  4. Bajorin, D. F., Witjes, J. A., Gschwend, J. E., et al. (2021). Adjuvant nivolumab versus placebo in muscle-invasive urothelial carcinoma (CheckMate-274 trial). New England Journal of Medicine, 384(22), 2102–2114.
  5. Powles, T., Valderrama, B. P., Gupta, S., et al. (2024). Enfortumab vedotin and pembrolizumab in untreated advanced urothelial cancer (EV-302/KEYNOTE-A39). New England Journal of Medicine, 390(10), 875–888.